Demo in Quedlinburg.

Demo in Quedlinburg.

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen am Samstag Gewalt zu erfahren, nein, nicht das ich geblutet hätte, auch blaue Flecke und anderes zierten meinen Körper nicht, nicht das Räumpanzer und Wasserwerfer, welche bereitstanden, eingesetzt wurden, nein, es war rein repräsentative Gewallt und das bei einer Demo, welche gegen rechte Gewalt abgehalten wurde.
Ca. 800 Demonstranten standen ca. 75 Faschisten gegenüber und dazwischen, aber auch in der Stadt verteilt, ca. 700 Polizisten, welche hochgerüstet waren, Helm, Schlagstock, Protektoren und was sie noch so alles an „Werkzeug“ am Leibe trugen. Solches dürfte ja nicht fremd sein.
Aber welche Aufgabe hatte die Polizei?
Die 800 Demonstranten, von denen der überwiegende Teil friedliche Absichten hatte, hätten den Bahnhofsvorplatz so besetzen können, das es den Faschisten unmöglich gewesen wäre, auch nur einen Schritt in die Stadt zu setzen, von einem Demonstrationszug ganz zu schweigen. Den Faschisten wäre nichts anderes übrig geblieben, als sich unverrichteter Dinge wieder in die Züge zu setzen und sich auf den Heimweg zu begeben. So war es auch geplant, nur hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht und als dieser spielte sich die Polizei auf, welche von Werweiswoher kam und deren Autos solch Namen wie Panter oder Heide trugen, jedenfalls jene, welche in der Bahnhofstraße standen, als ich diese gegen 10.30Uhr in Richtung Bahnhof passierte.
Bevor nun die ersten Gegner der Nazidemo überhaupt den Bahnhofsvorplatz erreichten, hatte die Polizei in den Morgenstunden alles abgesperrt, links vom Bahnhof trafen sich die Faschisten und die rechte Seite war den Demonstranten vorbehalten. Der Imbiss auf der rechten Seite machte einen guten Umsatz. Ansonsten aber war der Bahnhofsvorplatz durch Absperrgitter und am Kreisverkehr durch Mannschaftswagen der Polizei getrennt, die Mannschaftswagen stellten zu dem noch eine Sichtblende da. Vor dieser Absperrung reiten sich die Polizisten auf, dicht an dicht standen da Menschen in schwarzer und grüner Montur, sie übten den Schulterschluss, so das niemand durchkam.
Gefilmt und Fotografiert wurden wir zur genüge, obwohl wir doch eigentlich die „Guten“ waren und einen faschistischen Aufmarsch in der Stadt verhindern wollten.
Nein, wie es oft auch sei, die Polizisten, die repräsentierte Gewalt galt uns, auch wenn geheuchelt wurde, dass man uns schützen wolle. Welch Heuchelei und es lag offensichtlich auf der Hand, wer hier geschützt wurde.
Der ursprüngliche Plan, die Faschisten erst gar nicht vom Bahnhofsvorplatz runter zu lassen, war dank der Polizei gescheitert. Die Bürgergesellschaft, welche in erster Linie das schlechte geschäftliche Ansehen, welches der braune Mob, für eine Stadt die vom Tourismus geprägt wird, haben kann, im Auge hatte, hatte das Hauptaugenmerk auf eine Verhinderung der Marktbesetzung, durch die Faschisten, gelegt.
So wurden die Gegendemonstranten zu einem Block formiert, um zum Markt zu marschieren, diesen zu besetzen und den Faschisten keinen Raum zu bieten. Dabei hätte man ihnen das Verlassen des Bahnhofs schon verwähren können, wäre wahrscheinlich nicht so werbewirksam gewesen.
Nun wurde der Zug formiert, vorweg ein Polizeiauto, anschließend zwei Reihen Polizisten, darauf folgte ein Buntes Volk, ein par Autonome waren dabei, flankiert wurde das ganze rechts und links von der Polizei, im Gänsemarsch, Helm auf dem Kopf. Den Abschluss bildeten wieder Polizisten, gefolgt von einem Wagen der Aktion „Laut gegen Nazis“, welcher Musik abspielte und das nicht gerade leise, dem schlossen sich ein Kolonne von Polizeifahrzeugen an. Ich selbst hielt mich zurück, ist nicht so mein Ding, in einem Kessel zu marschieren. Mit dieser Einstellung war ich auch nicht allein und so trotteten wir dem Zug hinterher, ganz zum Verdruss der Polizisten der letzten Reihe, welchen anzusehen war, das es ihnen nicht angenehm ist uns im Rücken zu haben, kann ich sogar verstehen, ich wollte diese ja auch nicht im Rücken haben, ist mir einfach zu bedrohlich. Die Nervosität, welche diese martialisch gerüsteten und auftretenden Figuren versprühten, tat sichtlich gut, ich muss zugeben, wir amüsierten uns.
So zog der Zug, die Faschisten am Bahnhof zurücklassend, durch die Stadt, zum Markt. Ich hatte, kurz vor erreichen des Ziels, das Spektakel verlassen, um meine Tochter von Ihrer Freundin abzuholen.
Als ich den Markt wieder erreichte, bot sich ein interessantes Bild.
Der Zug, so wie marschiert und auf dem Markt angekommen, schien dort zu verweilen. Der Block der Demonstranten war immer noch von der Polizei eingeschlossen, dieses sollte auch noch eine Weile so bleiben, erst später lösten die Polizisten die Einkesslung auf und postierten sich an den Marktzugängen, es sollte verhindert werden, das größere Gruppen den Markt verlassen und den Demonstrationszug der Faschisten stören könnten. Der Markt gehörte der Zivilgesellschaft, dass er einem Gefängnis glich, schien viele nicht zu stören, Hauptsache, keine Faschisten auf dem Markt.
Gegen 17.30Uhr wurde Verkündet, das die Besetzung des Marktplatzes ein voller Erfolg war und die Faschisten, nach dem sie eine Kundgebung auf dem Neustädter Markt (Mathildenbrunnen) abgehalten hatten, den Rückweg zum Bahnhof angetreten haben. Damit war die Aktion beendet und der Heimweg anzutreten.
Wenn bedacht wird, das die Möglichkeit bestanden hat, die Faschisten erst gar nicht vom Bahnhofsvorplatz zu lassen und das dieses eigentlich nur durch die Polizei verhindert wurde, welche somit auch die Nazidemo erst möglich machte, in dem sie die Gegendemonstranten auf den Markt wegsperrte, kann von einem Erfolg keine Rede sein.
Aber so ist es mit der Gewalt von staatswegen, diese schützt ehr noch die Gewalttäter, damit diese wiederum die Drecksarbeit für die Zivilgesellschaft machen können.
Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Trotzdem, ein Erfolg war es schon, das sich doch so viele beteiligt haben und über den ganzen Zeitraum ausgehalten. Sie hatten ihre Angst vor den Faschisten überwunden, leider nutzte es nicht viel, da die Polizei deren martialisches Treiben unterstützte, in dem Sie die Faschisten schützten.
Ein Anfang wurde gemacht und es bleibt zu hoffen, dass das nächste Mal eine noch breitere Beteiligung erreicht wird. Der Faschismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, es gilt ihm im Zaum zu halten, denn verschwinden wird er erst, wenn seine Ursachen verschwunden sind, der Schoß war fruchtbar noch und nun hat er geboren.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.