Ja, was für eine Schlagzeile, „Pleite für den «Konzern Stadt»“ und das nur, weil beschlossen wurde, die Stadtwerke nicht zu verkaufen.
Wenn man den Artikel liest, der Kommentar auf Seite 8 sollte dabei Berücksichtigung finden, so geht es eher ums erschlagen. Wie konnten sich die Abgeordneten der Stadt nur erlauben mehrheitlich gegen einen Verkauf der Stadtwerke zu stimmen, der Tenor.
Der vom Bürgermeister favorisierte Verkauf kommt nicht zu Stande und ein Berater aus Frankfurt am Main, welcher inzwischen das beschauliche Quedlinburg kennt, war nun umsonst viermal wegen der Verträge in Sachen Stadtwerke verkauf an die Bode gekommen. Nun so ganz umsonst war es ja nicht, er durfte immer hin unsere schöne Welterbestadt kennen lernen.
Und dabei ist die Partnersuche sogar erfolgreich gewesen, nur wem wundert es, wenn eine Gelddruckmaschine, inklusive der Lizenz zum Gelddrucken, verkauft wird?
Da stehen schon mal die Interessenten Schlange und wie immer nur mit den besten Absichten für die Stadt. Da kommt es natürlich gerade recht, wenn der QfW Fraktionsvorsitzende feststellt, dass „der Stadtrat … versagt“ hat. Aber hatte der Stadtrat wirklich versagt, wenn er sich weigert eine Lizenz zum Gelddrucken zu verkaufen und sich dem Einfluss auf die Stadtwerke zu entziehen?
Sicher hätte mit den Einnahmen der Haushalt der Stadt nicht unerheblich saniert werden können, aber eben nur einmal und dann? Die nächsten Schulden kommen bestimmt und schneller wie man denkt und das gerade, weil man sich einer stetigen Einnahmequelle entledigt hat. Ja, was wird dann Verscherbelt, der Wohnungsbestand, der Abwasserzweckverband, die Schulen? Letztere lassen wir lieber, das kostet Geld und Investoren sind nur an etwas interessiert was Geld bringt und das machen die Stadtwerke, aber nach einen Verkauf nicht mehr für die Stadt.
Hat der Bürgermeister und andere Befürworter des Verkaufes vergessen, dass im jetzigen System mit dem Eigentum und/oder den Eigentumsrechten Geld zu verdienen ist und der Besitzlose zum Almosenempfänger degradiert wird?
Bei aller Schuld, sie wird langfristig mit Sicherheit nicht kleiner, wenn Einnahmequellen zugeschüttet werden.
Es ist noch nicht lange her, da war im Fernsehen ein Bericht zusehen, über eine Gemeinde im Bayrischen, welcher es gelungen ist, sich von großen Energielieferanten unabhängig zu machen, auf Grund von Eigeninvestitionen in verschiedene alternative Energiequellen. Ein Ergebnis dieses Strebens war, das sich etliche Unternehmen dort neu ansiedelten, da die Energiepreise weit unter dem Durchschnitt liegen und gerade diese Kosten keine unerhebliche Rolle bei der Standortwahl spielen.
Alles im allen kann man den Abgeordneten für ihre Entscheidung nur danken, sie haben sich für die Stadt und ihre Bürger entschieden und nicht für irgendeinen Investor, welcher wahrscheinlich nicht einmal einen Bezug zur Stadt hat, sondern nur zum Geld und dessen Interesse im Regelfall nicht im „Gutmenschentum“ zu sehen ist, sonder im Streben nach Gewinnmaximierung und das mit all seinen Folgen.
Viel wichtiger aber ist, dass der Stadt eine ständige Einnahmequelle erhalten geblieben ist.
Auch wenn die Kommentatorin ihren Kommentar mit „Bitteres Armutszeugnis“ überschreibt, so ist dieses nur Ausdruck ihrer Kurzsichtigkeit. Denn, wie oben schon geschrieben, die Stadt wäre zwar manche finanzielle Sorge los, aber wie lange, da die Ausgaben nicht gerade weniger werden und die Verkaufseinnahmen nur eine einmalige Angelegenheit sind. Im Gegensatz dazu stehen die ständigen Einnahmen aus der Eigenbewirtschaftung der Stadtwerke.
Was nutzt ein warmer Regen, wenn anschließend der Dürre nichts entgegengesetzt werden kann, da die Quelle für andere sprudelt.
Leider liegen solche Privatisierungen im Trend, der Ausverkauf des öffentlichen Reichtums hat System, das fängt nicht bei der Deutschen Bahn an und endet auch nicht bei den Quedlinburger Stadtwerken, aber es wird immer nur gekauft, was auch Gewinne erwarten lässt und warum können diese Gewinnen nicht dem Allgemeinwohl zu gute kommen, warum müssen diese Gewinne unbedingt privatisiert werden?
Meinen Respekt den Abgeordneten, welche den Verkauf der Stadtwerke verhindert haben, aus welchen Beweggründen auch immer, alle Achtung, sie haben richtig entschieden.
Es tut gut, wenn Entscheidungen langfristig getroffen werden, und nicht von kurzfristigen Erwägungen bestimmt werden. Quedlinburg ist eine über tausendjährige Stadt, mit einer wechselvollen Geschichte, welche auch immer wieder ihre eigenen Wege gegangen ist.
Anmerkung:
Pleite für den Konzern Stadt, normalerweise ist ein Unternehmen der Pleite nahe, wenn ihm die Grundlagen seines Wirtschaftens entzogen werden. Dieses wurde hier aber verhindert, also warum Pleite, nur weil der Bonbon nicht genommen wurde? Wie bitter wird aber der Geschmack sein, wenn er aufgelutscht wurde?
Und der Leserbrief wurde gedruckt,
in der MZ vom 16.10.07, im Harzboten auf Seite 11. Leider wurde er nicht unerheblich gekürzt, so dass einige Sätze entstellt wurden. Der Grundtenor stimmt, nur wirkt alles etwas Holprig und auseinander gerissen.
Ich werde in Zukunft meine Leserbriefe anders abfassen, vor allem kürzer fassen.