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Eine wahre Geschichte, welche etwas zurück liegt.

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 20.10.2007 @ 10:08 In Tätigsein | 1 Kommentar

[1] Eine wahre Geschichte, welche etwas zurück liegt.
Bewerbung bei einem Bäcker, oder wie Lohnkosten schon unter Hartz IV Niveau fallen.
Auch dieser Beitrag liegt schon einige Zeit zurück und gerade im Handel, bei den kleinen Handwerkern und Kaufleuten ist es oftmals schon zur Gewohnheit geworden, die Löhne immer weiter nach unten zu drücken, obwohl gerade diese von den Menschen ihrer Region leben. Sie stoßen mit ins große Horn der Großen und merken gar nicht wie sie sich selbst das Wasser abgraben. Andererseits beschweren sich gerade kleine Handwerker und Händler, dass ihnen Aufträge verloren gehen, da Menschen für einen Euro ihre Arbeit machen, obwohl dieses nicht sein dürfte. Sie werden zu Opfern ihrer eigenen Tat, den das Ergebnis von billig, wird immer nur billig sein, geht gar nicht anders. Solche Institutionen wie Arge oder Agentur für Arbeit, lassen so etwas geschehen und das gerade im Osten, Hauptsache die Statistik sieht gut aus.

Eine Arbeit ist zu vergeben, als Verkäuferin bei einem Bäcker, war unter Stellenanzeigen in der Zeitung zu lesen, von der Arbeitsargentur geschaltet.
Auf der Suche nach Arbeit, erkundigte sich eine Frau nach den Möglichkeiten, ob eine Bewerbung über das Arbeitsamt eingesandt werden muss, oder der direkte Kontakt gewünscht wird. Der direkte Kontakt sollte es sein und die Frau, welche für bestimmte Tätigkeiten „überqualifiziert“ ist und für andere Tätigkeiten zu alt, bekam die Telefonnummer der Bäckerei und vereinbarte einen Termin zur Vorstellung.
Dieser Termin fand in Bad Suderode statt, um 18.30Uhr in der Bäckerei, nicht so einfach, denn ihr Mann hatte das Auto und konnte nicht rechtzeitig zu Hause sein, um das Kind zu betreuen.
Nun, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, es fand sich eine Nachbarin, welche das Kind betreute und ihr das Auto lieh. So konnte die Frau den Termin wahrnehmen und wie es ihrer Gewohnheit entspricht, war sie pünktlich.
Im Verlauf des Gespräches stellte sich heraus, das es um eine Vollzeitbeschäftigung handelte und an jedem zweiten Samstag zu arbeiten wäre, kein Problem, arbeiten ist sie gewohnt und die Zeiten sind für den Handel normal, läst sich alles einrichten.
Aber mehr als 500,-€ könne, oder wollte der Bäcker nicht zahlen!
Damit hatte sich dieses ersteinmall erledigt, mit diesem Einkommen, brutto, währen vielleicht die Unkosten zu decken, welche mit der Tätigkeit verbunden sind, mehr aber nicht, also geht die Suche weiter.
Ich frage mich wirklich, wie weit denken solche Unternehmer?
Mit diesem Einkommen, kann man sich nicht einmal die Produkte leisten, welche man verkauft und da jammern diese Unternehmer, das sie keine Umsätze machen, wie auch, wenn Menschen für ihre Arbeit immer weniger Geld bekommen.
Ist genauso wie eine Beschäftigung in einer Boutique, für 5,-€ die Stunde. Verlangt wird, dass man entsprechend gekleidet ist. Ist aber ohne „Sponsor“, mit diesem Einkommen allein, nicht möglich.
Nun die Welt ist klein und die Erde rund, wer sich wundert das Menschen, welche für ihre Arbeit so gering entlohnt werden, das sie nicht mal das Nötigste zum Leben haben, nicht überschwänglich konsumieren, soll weiter seinen Illusionen hinter her jagen, die Realität wird ihn einholen.
Übrigens hatte selbige Frau, vor geraumer Zeit, ein Gespräch mit einem Unternehmer, welcher nur einstellen wollte, wenn er Förderung vom Arbeitsamt bekäme.
Nun bin ich der Meinung, das, wenn Arbeitskräfte über das Arbeitsamt subventioniert werden, sie mit Auslauf der Förderung auch wieder ihre Arbeit verlieren, Beweise gibt es genug, aber auch Ausnahmen, welche wie üblich die Regel bestätigen. Wir leben eben auch in einer Mitnahmegesellschaft und wem gegeben wird, der wird auch nehmen.
Wenn ein Unternehmen Arbeitskräfte benötigt, so wird die Arbeit sie nähren und wenn besagter Unternehmer, soviel Geld in sein Unternehmen investiert hätte, wie in sein Auto, erzählte mir die Frau, … aber was soll es, der Mensch muss eben Prioritäten setzen und Status zeigt gegebenenfalls Wirkung.
In einem Jahr Arbeitslosigkeit, ohne Bezüge, da über 4 Jahre selbständig, hat sie viel erfahren müssen, das Angebot des Bäckers war das schlechteste, welches ihr widerfahren ist.
Bei einem durchschnittlichen Monat, wäre das ein brutto Stundenlohn von unter 3,-€. Dagegen ist ja Hartz IV fast Luxus, wobei da auch keine Fahrtkosten zur Arbeit, keine Kosten für Arbeitsbekleidung, Kinderbetreuung etc. anfallen und aus diesem Grund möchte die bestimmende Politik wahrscheinlich auch noch Hartz IV kürzen, damit die Menschen für solche Hungerlöhne arbeiten gehen.
Die Realität hat Hartz IV schon überholt und die Politik hinkt den Tatsachen, wie so oft, hinterher, Sanktionen müssen es richten.
Traurig.
Aber es wird sich jemand finden, welcher für dieses Geld arbeiten geht und somit dieses System stützt, es rechtfertigt und legalisiert und wenn sich freiwillig keiner findet, so wird die Arge jemanden zwangsverpflichten.
Es wird festgestellt werden müssen, dass am Ende nichts übrig bleibt, außer Arbeit und Lebensqualität völlig auf der Strecke bleibt, die schiere Existenzsicherung rückt in den Fordergrund.
Wir leben in einer Zeit, wo die Arbeit nur noch einen Hauch von Sicherheit bietet, wenn Geld mitgebracht wird.
Dieses Land setzt Maßstäbe, wenn es um Sozialabbau, um den Abbau von Rechten, für den „Normalbürger“ geht und wenn dieses Land auch in diesem Fall nicht Weltmeister ist, Europameister ist es alle mal.

In Europa ist die BRD Schrittmacher, was den Sozialabbau und das Schleifen von Bürgerrechten betrifft und zu guter letzt möchte man auch wieder Krieg spielen. In Deutschland gab es 1933 ca. 6 Millionen Arbeitslose Deutsche und mit Kriegsende ca. 6 Millionen tote Deutsche, die Zerstörungen reichten aus um in den alten Bundesländern ein Wirtschaftswunder zu generieren, was Arbeitslosigkeit bis in die 70ziger Jahre fast negierte. Von den anderen Folgen mal abgesehen, werden in Kriegen die höchsten Profite generiert, nirgendwo sonst durchläuft eine Ware schneller den Reproduktionsprozess, als in einem heißen Krieg. Nur dieses Mal wären die Folgen noch wesentlich verheerender für die Menschheit. Was natürlich die Regierenden, im Auftrag der Mächtigen, nicht davon abhält weiter aufzurüsten und das nach außen, wie nach innen. Und gerade auch nach innen, wer andere Völker klein halten will, der muss erstmal das eigene Volk klein halten.
Nun, schauen wir in die aktuelle Politik und was können wir da lesen?

In der Jungen Welt findet sich ein Beitrag über den neoliberalen EU-Refomvertrag. Unter der Überschrift [2] „Nein zur Entmündigung“ ist zu lesen, dass mehr als 200.000 Menschen in Lissabon gegen diesen neoliberalen Reformvertrag protestiert haben. Der Widerstand wächst. Auf Seite 1 findet sich ein Gespräch mit Sahra Wagenknecht, mit dem bezeichnenden Titel [3] „Freibrief für eine Politik von Lohndumping“, beide Beiträge sind übers Internet zugängig.

Nach dem die EU-Verfassung 2005 gescheitert war, wird die Hintertür genutzt, in Form eines Reformvertrages. Wir können uns schon mal warm anziehen und das nicht weil der Winter vor der Tür steht, sondern wegen des eisigen Windes, welcher uns in Europa entgegen weht. Die Bundeskanzlerin macht eine gute Arbeit, für ihre Auftraggeber und schreitet mit großen Schritten voran und das ohne Rücksicht auf Verluste.
Sollte es wirklich so weit kommen, dass solche Angebote, wie oben geschildert, zur Norm werden? Widerstand ist angebracht, es muss ja nicht die große Demo sein, jeder einzelne trägt Verantwortung und sollte diese Nutzen, kein Mensch sollte solch eine Tätigkeit annehmen, wenn er nicht unbedingt dazu gezwungen wird und dann können solche Tätigkeiten immer noch entsprechend der Entlohnung ausgeübt werden, für 3,-€ die Stunde muss man nicht über Fähigkeiten verfügen und nehmen wir uns ruhig ein Beispiel an den Bundestagsabgeordneten, diese lassen sich ihre Anwesenheit gut vergüten, selbst wenn sie abwesend sind, bekommen sie Geld und etliche von ihnen nur fürs nicken. Ein Feind des Menschen, ist seine eigene Inkonsequenz.


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[2] „Nein zur Entmündigung“: http://www.jungewelt.de/2007/10-20/057.php
[3] „Freibrief für eine Politik von Lohndumping“, : http://www.jungewelt.de/2007/10-20/050.php

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