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Stadtführung IV.

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 30.6.2008 @ 15:23 In Stadtführung | 1 Kommentar

Stadtführung IV. 

Sehr geehrte Gäste, rechtherzlich begrüße ich Sie in Quedlinburg, dieser schönen und alten Stadt. 922 wurde Quedlinburg erstmalig in einer Urkunde Heinrich I. erwähnt, wobei Quedlinburg der Ausstellungsort war. Sie wurde nicht von Heinrich ausgestellt, dieser hat sie nur gezeichnet, in dem er die zwei stehenden Striche seines Anfangsbuchstabens H mit einem Querstrich verband. Er war, was zu dieser Zeit durchaus üblich war, selbst als König nicht in der Lage zu lesen und zu schreiben. Er war schlichtweg Analphabet. Heute, in einer Zeit welche geprägt ist von struktureller, abschlussorientierter Unfähigkeit, oder zumindest Mittelmäßigkeit, zählt der Abschluss, weniger die Fähigkeit, den Fähigkeiten ohne Abschluss sind nichts, im Gegenzug schützt ein entsprechender Abschluss sogar vor den Folgen nachgewiesener Unfähigkeit. Wichtig ist was auf dem Papier steht. Sicher kann auch da mit Geld nachgeholfen werden. So blieb Heinrich nichts weiter übrig, als seien Schreibern zu vertrauen. Andererseits wird sich wohl kaum einer gewagt haben, außer den Hamburgern ein par hundert Jahre später, einem König, ein falsches Papier unterzujubeln.  

Nun begann die Besiedlung dieses Fleckens nicht mit Heinrich I., denn allein schon um eine Urkunde zu zeichnen, musste ein Umfeld vorhanden sein. Auch soll er, einer Legende aus dem 13 Jahrhundert nach, im Jahre 919, die Nachricht über seine Wahl zum König des Ostfrankenreiches, in Quedlinburg am Finkenherd erhalten haben. Beim Vogelfang soll er überrascht worden sein, als ob er bei seiner Wahl in Fitzlar nicht dabei gewesen war, wahrscheinlich hatte er sogar selbst für sich gestimmt. Wobei das Wort „Wahlen“ nicht zu ernst genommen werden sollte, eher war es üblich das jemand vorgeschlagen wurde und die Anwesenden dieses bejubelten, andererseits waren auch nicht alle betreffende Stämme anwesend, so das von einem Mehrheitsvotum nicht die Rede sein konnte. Später gelang es Heinrich auch die abwesenden Stämme mit Gewalt, oder Geld und Privilegien zu gewinnen. Von einer Stadt Quedlinburg war da lang noch nicht die Rede, es gab Siedlungen innerhalb des späteren Stadtgebietes, so in den Bereichen der heutige Blasiikirche und der Ägidiikirche. Natürlich wohnten auch Menschen im Bereich der Burg und des Königshofes. Vor den Sachsen waren die Thüringer schon hier und Ausgrabungen haben unter anderem Mauerreste aus merowingischer Zeit (482 – 714 n. Chr.) ans Licht befördert. Dieser Wirtschaftshof, südlich des Burgberges, im Bereich der heutigen Wipertiekirche, gehörte einem thüringischen Adligen Quitilo. Wie der Besitz an Heinrich, oder dessen Familie gekommen ist, wer weiß. Jedenfalls waren die Thüringer auch nicht die ersten. So siedelten im Harzvorland einst die Cherusker und betrieben Ackerbau und Viehzucht und im Teutoburger Wald kämpften sie gegen die Römer, wobei sie, in den Wirren der Völkerwanderungszeit (4. und 5. Jahrhundert) von der Bildfläche verschwanden sie und wie schon gesagt, ihnen folgten die Thüringer. Aber auch diese waren nicht die ersten, viele archäologische Funde von Geräten, Waffen, Knochen und Gefäßen weisen auf eine mehrere tausend Jahre dauernde Besiedlung hin. Wie nun die Sachsen hierher kamen, wer weis, jedenfalls waren Sie hier und dieses, bis August der Starke die Schutzherrschaft über das Stift und damit die Stadt, an die Preußen verkaufte, welche im Jahre 1698 die Stadt im Handstreich besetzten. Daran war zu Heinrichs Zeiten nicht zu denken, genauso wenig wie im Jahre 772 daran gedacht wurde, das ein Sachsenherzog im Jahre 919 König eines ostfränkischen Reiches werden würde. 772 begannen die Sachsenkriege, welche 805 ihren Abschluss finden sollten, über 30 Jahre wurde mit beträchtlicher Grausamkeit die Christianisierung des sächsischen Volkes durchgesetzt. Ob Heinrich daran gedacht hat, ein neues Reich zu schaffen, möglich, in jedem Fall wurde mit dieser Wahl der Grundstein für das spätere deutsche Reich gelegt. Wobei von deutsch erst viel später gesprochen wurde. Quedlinburg war so etwas wie die heimliche Hauptstadt, jedenfalls zur Zeit der Ottonen, eine Hauptstand im heutigen Sinne gab es nicht, konnte es auch nicht geben. Zum einen waren die Gebiete des ostfränkischen Reiches nur dünn besiedelt und zum anderen musste auch eine Präsenz des Königs im Reich gewährleistet werden und diese Vorteile bot das Reisekönigtum. Was auch nicht so einfach gewesen sein muss, da es Straße nicht gab und die Gebietet mit Urwäldern und Sümpfen bedeckt waren, aus welchen einzelne Siedlungspunkte herausragten. So war es auch keinen Flecken möglich, einen Königshof über ein Jahr lang zu versorgen. Es wurden über das ganze Jahr Vorräte angelegt, welche in der Zeit der Anwesenheit des Königs aufgebraucht wurden. Mit dem Königshof zogen auch Kaufleute, oder vorweg, vielleicht aber auch hinterher, den wo sich der König mit seinem Gefolge aufhielt, konnte auch gut gehandelt werden und so waren Kaufleute immer Anwesend, wenn der König in seiner Lieblingspfalz Quedlinburg weilte. Heinrich I. verstarb im Jahre 936 in Memleben und wurde seinem Wunsch entsprechend auf dem Burgberg in Quedlinburg beigesetzt. Zu Lebzeiten hatte er seinen Sohn Otto zum Alleinerben des Reiches bestimmt, womit er die Unteilbarkeit des Königreiches sichern wollte und zweitens hatte er seiner Frau Mathilde eine Reihe von Ortschaften zur Witwen-Nutznießung, darunter Quedlinburg, geschenkt. Denn Sandsteinfelsen nördlich des Königshofes hatte er zu einer starken Burg ausbauen lassen.Als erste Amtshandlung gründete sein Nachfolger auf dem Burgberg ein reichsunmittelbares Frauenstift und stattete es reich mit Grundbesitz und Einkünften aus. Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte dieser Stadt, auch wenn von einer Stadt noch nicht die Rede sein konnte.  


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