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Stadtführung VII.
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 9.7.2008 @ 08:34 In Stadtführung | 1 Kommentar
Stadtführung VII.
Am Wochenende hatten wir Quedlinburg verlassen, um unserem Hund aus seinem Urlaub zu holen. Ganz davon abgesehen, das Quedlinburg einen Hund im Wappen hat, welcher auf den Namen Quedel hören soll, spielen Hunde in Quedlinburg durchaus eine Rolle und nicht immer eine rühmliche. Eigentlich auch nicht, da der Hund nichts dafür kann, den Haltern sollte man sich zu wenden, welche es nicht für nötig halten, die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde zu beseitigen. So kommt es nicht selten vor, dass nicht nur manch Tourist negative Erfahrungen mit diesen sammelt. Aber wahrscheinlich sagt sich manch ein Hundehalter, dass die Stadt eine unverschämt hohe Hundesteuer kassiert und dafür auch den Dreck nachräumen kann. Ganz davon abgesehen, dass die Hundesteuer wirklich unverschämt hoch ist, sind diese Tretmienen nicht gerade eine angenehme Errungenschaft.
So hatten vor Jahren einige Firmen einen Kotsauger gesponsert, welcher die Straßen der Stadt abfährt und besagte Hinterlassenschaften aufsaugen soll. Soll, nur er saugt nicht, wenn einen dieses Elektrofahrzeug begegnet, welches umfangreich mit Werbung beklebt wurde, so steht es meistens rum, oder wird von einem Ort zum anderen bewegt, das Saugen hat es aufgegeben. Meistens ist dieses Fahrzeug mit zwei Mann besetzt und diese sind mit Eimer und Schüppe, sowie einer verlängerten Zange ausgerüstet und sammeln nicht nur die Hinterlassenschaften unserer vierbeinigen Freunde ein, sondern auch die mancher Zweibeiner.
Die Motivation für Zweibeiner, etwas einfach wegzuschmeißen, kann sehr unterschiedlich sein, sie kann eigenem Gestus entsprechen, aber auch fremd motiviert sein. Eigenmotivation spielt meistens bei Rauern eine Rolle, diese sind es oftmals gewohnt ihre Kippen einfach so wegzuschmeißen, dabei scheint es egal zu sein, ob diese auf dem Bürgersteig, in der Rabatte, im Mühlgraben oder auch auf der Straße landen. Aber auch Papier, Flaschen und Essensrest werden gelegentlich eigen motiviert in der Stadt verteilt. Wobei da die Grenzen zur Fremdmotivation fließend sein können, wenn sich keine Papierkörbe in der Nähe befinden. Dieses wiederum ist nicht selten der Fall, vor allen wenn man den Bereich des Marktes verläst. Im Marktbereich finden sich ausreichend Papierkörbe, man hat immer einen in Sichtweite, genauso in den angrenzenden Straßen, welche als Fußgängerzone ausgewiesen sind, wobei dort auch schon ausgedünnt wurde. Aber wehe man begibt sich in Nebenstraßen oder entfernt sich gar von den touristischen Hauptwegen, dann heißt es nur noch suchen und nur selten wird man fündig. Dieses ist nicht unbedingt ein historisches Erbe, eher eine Errungenschaft der neueren Zeit.
Wenn ich etwas genauer nachdenke, eigentlich nicht, das auf die Straße werfen von Unrat, also Abfall, hat in mittelalterlichen Städten durchaus Tradition. Ich kann mir gut vorstellen, das die Menschen oft auf Regen warteten, damit der ganzen Dreck, welchen sie auf den Straßen entsorgt hatten, weggespült werde und über die Mühlgräben die Stadt verlassen. Vieles wurde so entsorgt und die hygienischen Zustände ließen arg zu wünschen übrig. Wo bei Hygiene, wie wir sie heute kennen, erst mit der Industrialisierung Einzug hielt, da in deren Zuge immer mehr Menschen, auf immer weniger Raum konzentriert wurde. Die Städte des Mittelalters nahmen dieses Problem vor weg und so hatten es Krankheiten viel leichter sich auszubreiten. Mit heutigen Zuständen ist dieses nicht zu vergleichen, und die damaligen Abfälle waren wahrscheinlich alle biologisch abbaubar, im Gegensatz zu vielen Dingen, welche heute nicht nur auf den Straßen landen. Aber dieses ist sicher nicht nur ein Problem in Quedlinburg, andere Städte können bestimmt auch ein Lied darüber singen, aber es ist eben auch ein Problem in Quedlinburg.
Ja, unsere vierbeinigen Freunde, der Hund im Stadtwappen, er sitzt im geöffneten Tor, steht für Treue und Wachsamkeit.
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