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Stadtführung VIII.

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 12.7.2008 @ 00:30 In Stadtführung | 1 Kommentar

Stadtführung VIII.

Nun gibt es eine Führung, welche unter dem Titel: „Tausend Schritte durchs Mittelalter“, angeboten wird. Es handelt sich um eine Führung durch die Innenstand, ohne Schlossberg, sie dauert ca. 60 min und ist unterschrieben: „Ein Rundgang durch die Quedlinburger Altstadt (ohne Schlossberg) für eilige Touristen. Rund um den Marktplatz eröffnen die Kirchen und malerischen Fachwerkhäuser Einblicke in die jahrhunderte alte Geschichte der Stadt.“
Ganz davon abgesehen, das Tausend Schritte nicht gerade viel sind, vor allem wenn man im Kreis läuft, so kann in dieser Stadt, selbst auf dieser „Entfernung“ sehr viel entdeckt werden und nicht nur Mittelalterliches. Wobei das Mittelalter, ohne Schlossberg, welcher gerade diese Epoche entscheidend prägte, weniger der Berg, als das welches von ihm ausging, jedenfalls von seinen Besiedlern, für die Stadt schwerlich denkbar ist.
Aber was war eigentlich das Mittelalter?

Bei [1] Wikipedia kann man dazu lesen:
„Der Begriff Mittelalter bezeichnet in der europäischen Geschichte die Epoche zwischen Antike und Neuzeit, von etwa 500 bis 1500. In ihr wurde die politische und kulturelle Dominanz des griechisch-römisch geprägten Mittelmeerraums abgelöst durch eine neue, fast ganz Europa umfassende Welt christlicher Feudalstaaten romanischer, germanischer, slawischer und keltischer Völkerschaften. Grundzüge des europäischen Mittelalters waren eine nach Ständen geordnete Gesellschaft, eine gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft und Latein als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache. Daneben waren die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) sowie ein recht einheitliches Weltbild kennzeichnend für diese Epoche. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform des Mittelalters war der Feudalismus.“
Nicht uninteressant die weiteren Ausführungen, für die Quedlinburger Geschichte spielt diese Untergliederung des Mittelalters eine nicht unbedeutende Rolle:
„Im deutschsprachigen Raum hat seit dem 19. Jahrhundert die von der Nationalidee beeinflusste, an der fränkischen und deutschen Herrschergeschichte orientierte Geschichtsschreibung das Mittelalter vornehmlich in drei Hauptphasen gegliedert:
• Frühmittelalter (6. Jahrhundert bis Anfang 10. Jahrhundert), die Epoche der Merowinger und Karolinger
• Hochmittelalter (Anfang 10. Jahrhundert bis ca. 1250), die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer
• Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500), der Herbst des Mittelalters, nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee
Diese Trinität war an der Vorstellung von Aufstieg, Blüte und Verfall ausgerichtet.
Durch veränderte Fragestellungen, insbesondere auch den Einfluss wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlicher Fragestellungen, ging man allmählich von dem an der Herrschergeschichte ausgerichteten Ordnungsmodell ab und betonte die Veränderungen des 11./12. Jahrhundert als entscheidende Zäsur des als Mittelalter bezeichneten Jahrtausends.)“

Mit dem Hochmittelalter beginnt die Geschichte Quedlinburgs, nicht das vorher hier nicht gesiedelt wurde, nur gibt es davon keine Überlieferungen. Die Besiedlung dieses Gebietes geht bis in die Bronzezeit zurück, welches durch Aufgrabungen belegt wurde. Die frühe Geschichte der Stadt wurde entschieden von den Ottonen geprägt. Heinrich I. hatte Quedlinburg als Lieblingsfalz erkoren und hier wurde er auch nach seinem Tod 936 beigesetzt. In Folge dessen wurde auf dem Burgberg ein freiweltliches Damenstift eingerichtet, welches der Ausbildung von Töchtern des Hochadels diente und dem Totengedenken. Von 922 bis 1207 besuchten die Könige und Kaiser des Reiches insgesamt 69mal Quedlinburg. Nachdem 922 Quedlinburg erstmalig in einer Urkunde Heinrich I. erwähnt wurde, war das zweite einschneidende Ereignis, für die Stadtbildung, die Verleihung des Markt, Münz- und Zollrechts an das Stift, im Jahre 994 durch Otto III. Welches dazu führte, das der ottonische Markt, im Bereich der Marktkirche eingerichtet wurde.
Das Abschreiten des ottonischen Marktes erfordert mehr als tausend Schritte. In diesem Bereich sind etliche Zeugnisse mittelalterlichen Lebens zu betrachten. Da wäre die Marktkirche St. Benedikt, eine erste Anlage stammte aus romanischer Zeit, im 13. Jahrhundert wurden die Türme angebaut, zu erkennen ist der Übergang von der Spätromanik zur Frühgotik, (große Blendarkaden, Schallöcher, eine Mischung aus romanischen Rund- und gotischen Spitzbögen), im 15 Jahrhundert fand ein grundlegender Erweiterungsbau statt, dabei ist der Chor (1410 bis 1436) im Stiel der Hochgotik hervorzuheben. Die Marktkirche ist der zentrale Punkt des ottonischen Marktes, um die Kirche herum finden sich weitere Zeugen des Mittelalters. Mit der Renaissance fand das Mittelalter seinen Abschluss, Byzanz wurde von den Osmanen erobert, womit die letzte antike Staatsstruktur zusammengebrochen war, auch die Handelswege nach Fernost wurden unterbrochen. In Folge der Eroberung siedelten sich viele Flüchtlinge aus dem byzantinischen Reich in Italien an, und brachten ihre Kultur mit. Die abgeschnittenen Handelswege sollten ersetzt werden und so entwickelte sich die Seefahrt weiter, welches zur Endeckung Amerikas führte, die Erfindung des Buchdruckes, die sich Entwickelnde Geldwirtschaft in den Städten und das aufstrebende Bürgertum taten ihr übriges.
Auch in Quedlinburg gab es emanzipatorische Bestrebungen des Bürgertums. Diese gipfelten in der Auseinandersetzung mit der Äbtissin, Hedwig von Sachsen, im Jahre 1477. Diese Auseinandersetzung verlor die Stadt und musste in der Folge alle ihre Privilegien abgeben. Nicht nur das die Stadt aus der Hanse austreten musste, welcher sie seit 1426 angehörte, auch ihre Enklaven musste sie abgeben, des weiteren wurde der Roland zerschlagen und es durften keine neuen Stadtbefestigungen gebaut werden. Die Herrschaft des Stifts über die Stadt wurde gefestigt und die Ambitionen freie Reichsstadt zu werden gingen den Weg allen irdischen. Als Zeichen dieser Auseinandersetzung steckt eine steinerne Kanonenkugel in der Mauer der Adler- und Ratsapotheke. Der steinerne Zwischenteil dieses Gebäudes stammt übrigens aus der Gründerzeit des ottonischen Marktes, wahrscheinlich war es der Sitz des Marktvogtes.
Das Rathaus der Stadt, wurde erstmalig 1310 erwähnt, der frühgotische Bau erhielt von 1616 bis 1619 die Renaissance Fassade und ein entsprechendes Portal, über welchen ein überdimensionales Stadtwappen prangt. Links vor dem Rathaus steht der Roland, er wurde 1869 dort aufgestellt, nach dem er wieder gefunden wurde.


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[1] Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter

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