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Stadtführung IX.
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 16.7.2008 @ 17:37 In Stadtführung | Keine Kommentare
Stadtführung IX.
Mittelalterliches im Bereich des Marktes ist einiges zu finden. Wenn man vor dem Rathaus steht, welches aus dieser Zeit stammt, so ist der Ursprung Gotisch, die Fassade Renaissance und Zeichen für das Ende des Mittelalters. Die Altstadt selbst entstand um 1000, sie war Ergebnis der Verleihung des Markt, - Münz - und Zollrechtes an das Stift, durch Otto III. im Jahre 994. Um die Marktkirche herum entstand der Ottonische Markt, seine Grenze verlief hinter dem alten Rathaus, welches an Hand von Mauerresten nachgewiesen wurde. Ein Teil dieser Marktmauer ist noch innerhalb eines Gebäudes zu besichtigen, ein weiterer Teil befindet sich unter dem Pflaster der Marktstrasse.
Die Fassade des Rathauses selbst ist schon Ausdruck einer neuen Zeit, auch das überdimensionale Stadtwappen, oberhalb des Eingangsportals, zeugt vom neuen Selbstbewusstsein des Bürgertums. Diese Fassade stammt aus dem Jahren 1616 – 1619, die Reformation war in Quedlinburg eingezogen und der dreißigjährige Krieg nahm seinen Anfang. Das klassische Kaisertum war schon lange gescheitert und die Auseinandersetzungen der Stadt mit dem Stift gehörten der Vergangenheit an. Anders im 10 Jahrhundert, zum Beginn des Hochmittelalters, der Zeit der Ottonen, welche das klassische Kaisertum wieder errichteten, im damals ostfränkischen Reich. Mit der Wahl Heinrich I., als erster nicht fränkischer König, wurden die Grundsteine gelegt, auf denen sein Sohn Otto I. aufbauen konnte und das Kaisertum wieder errichtete. Nach dem Tod seines Vaters hatte er ein Freiweltliches Damenstift auf dem Burgberg gegründet, welches entscheidend war für die anfängliche Entwicklung der Stadt. Auch später war die Stadt eng mit dem Stift verbunden, Emanzipationsbestrebungen wurde erfolgreich entgegengewirkt. So wurden die Bestrebungen der Stadt, neben der Mitgliedschaft in der Hanse, auch noch freie Reichsstadt zu werden, mit 1477 mit Gewalt unterdrückt und die Bindung ans Stift wieder verfestigt. Somit wurde die Stadt, am Ausgang des Mittelalters, in ihrem Streben gehemmt und lange in den damaligen Grenzen beschränkt. Ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung war die Abgabe aller Privilegien, und dazu gehörte auch das Recht Stadtbefestigungen zu errichten. Da Städte entsprechende Befestigungen benötigten, war eine weitere flächenmäßige Ausdehnung der Stadt nicht möglich. Andererseits blieb so ein großer Teil der Stadtbefestigungen bis in unsere Zeit erhalten. Einen Feind konnten diese Mauern schon zur Zeit des dreißigjährigen Krieges nicht mehr abhalten. Das Mittelalter hat seine Spuren hinterlassen, zwar nicht nur am Markt, aber eben auch da. So sind neben der Marktkirche und dem altem Rathaus, mit „neuer“ Fassade, auch das Gebäude der Adler- und Ratsapotheke und das Haus Marktkirchhof 5 Zeugen der Zeit. Wird der Markt Richtung Schlossberg verlassen, so kommt man an weiteren Zeugen dieser Zeit vorbei. Da wären nicht nur die Türme der Blasiikirche zu nennen, welche 1222 erstmalig erwähnt wurde, deren älteste Teile wohl aus dem 10 Jahrhundert stammen, die heute Barocke Form erhielt die Kirche 1714 – 1718. Sie ist ein Beispiel dafür, wie schlicht barock auch sein kann, heute wird sie von der Stadt als Veranstaltungs- und Ausstellungsort genutzt. Gleich um die Ecke findet sich in der Wortgasse 3 das älteste Fachwerkhaus der Stadt, es stammt aus dem 14 Jahrhundert und in ihm befindet sich das Fachwerkmuseum. Wenn man sich dann, über die Blasiistraße und Hohe Straße, in Richtung Schloss begibt, kommt man am Finkenherd zu dem historischen Ort, an dem Heinrich I. der Legende nach, die Königswürde angetragen wurde. An die Stadt Quedlinburg war damals noch nicht zu denken.
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