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Gebraucht wird der IM!
Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 11.2.2009 @ 12:12 In Tätigsein | Keine Kommentare
Eine Anzeige in der Zeitung und es wird gesucht!
In der MZ vom letztem Wochenende wurde unter Stellenmarkt gefragt, ob man für den MDR tätig sein wolle.
Aber keine Illusionen, nicht Moderatoren, Techniker, Kameraleute, Rundfunk- oder Fernsehbeauftragte wurden gesucht, auch keine Statisten, Kantinenpersonal, Reinigungskräfte oder ähnliches, nein:
Selbst für Seiteneinsteiger ist diese Tätigkeit geeignet, Voraussetzung ist natürlich das man Leistungsorientiert ist und auf der Suche nach einer neuen, seriösen Herausforderung. Wenn dieses der Fall ist, so erwartet einem ein „zukunftssicheres Betätigungsfeld auf gesetzlicher Grundlage mit guten bis sehr guten Verdienstmöglichkeiten, die je nach persönlichem Einsatz auch überdurchschnittlich sein können.“
Nicht nur das die Erkenntnis von Steigerungsmöglichkeiten des Einkommens, gut, sehr gut, überdurchschnittlich vermittelt wird, es wird auch ein Verweis aufs [2] Internet gegeben. Dort können „weitere Informationen zum Stellenangebot und zur Bewerbung“ gewonnen werden.
Das man für den MDR tätig sein darf, konnte der Anzeige schon entnommen werden, auch das dieses als a.) „Rundfunkgebührenbeauftragte für den Privathaushaltbereich“ oder als b.) „Beauftragter für Außenprüfungen im Geschäftskundenbereich“. Also eine ganz normale „Spitzel- und Denunziantentätigkeit“ auf der Suche nach „Gebührenbetrüger“. Was hingegen nicht der Anzeige zu entnehmen ist, ist die Rechtsform der Tätigkeit, dieses kann wiederum der Internetseite entnommen werden. Dort steht zu lesen, das diese Tätigkeit „als freie Unternehmer (Haupt- oder Nebenerwerb) im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks“ auszuüben ist. Also nicht als hauptberuflicher Informationssammler, sondern als IM, Informeller Mitarbeiter mit beratender Funktion.
So kann weiter erfahren werden, wenn dem Link zu a.) gefolgt wird, das die Aufgabe darin besteht:
potentielle und Bestands-Rundfunkteilnehmer im (privaten) P-Bereich (Haushalte, Familienangehörige, Lebensgemeinschaften, Nebenwohnungen, saisonale Unterkünfte u. ä.) im Haupt- oder Nebenerwerb zu beraten
Gebührensachverhalte zu analysieren und zu protokollieren
Neuanmeldungen und Änderungsanmeldungen zur Akzeptanz durch den / die Rundfunkteilnehmer/in zu bringen und vorzunehmen
Um diese Aufgabe zu erfüllen ist natürlich wichtig was man mitbringt, also die Anforderungen welche erfüllt werden sollten:
abgeschlossene Berufsausbildung und Lebenserfahrung
Leistungsorientierung und Ausdauer
Leidenschaft für Kommunikation und verbindliches, seriöses Auftreten sowie gute Umgangsformen
eine gute Auffassungsaufgabe und Pflichtbewusstsein
starkes Selbstvertrauen und souveräner Umgang mit Stresssituationen
Gesetzestreue und einen einwandfreien Leumund (polizeiliches Führungszeugnis erforderlich)
keine frühere Tätigkeit (offiziell oder inoffiziell) für das MfS oder AfNS
Führerschein Klasse B (III) und eigenes Fahrzeug
sicheren Umgang mit MS-Office und Internet
möglichst Erfahrung im Aussendienst (nicht Bedingung)
Eigentlich könnte ich mich glatt bewerben, alle diese Voraussetzungen würde ich erfüllen, nur eine nicht, ich taugte/tauge nicht zum Bespitzeln und Denunzieren!
Aber für den, welcher keine Probleme mit überwachender, bespitzelnder, denunzierender Tätigkeit hat, dem wird folgendes geboten:
ein attraktives und erfolgsorientiertes Provisionsmodell
eine eigenverantwortliche Tätigkeit bei freier Zeiteinteilung in Wohnortnähe
zielgerichtete, professionelle Schulung der Gesetzesgrundlagen und Durchführungsverordnungen
Trainings in Workshops und on-the-Job
Einbindung in ein erfolgreiches Team und kontinuierliche Betreuung
Einmal davon abgesehen das diese Tätigkeit keinerlei soziale Sicherheit bietet und durchaus mit Risiken verbunden ist, ist letztendlich jeder dafür geeignet, selbst Bezieher von „ALG-II-Leistungen“. Wahrscheinlich sind diese am besten dafür geeignet, da sie zum einen schon an ein minimales Maß sozialer Sicherheit gewöhnt sind und durch ihre Befreiung von den Rundfunkgebühren sich, nach Aufnahme der Tätigkeit, zur Probe gleich selbst erfolgreich kontrollieren können.
Eine viel versprechende Tätigkeit also, für jenen der sich wagt und keine Skrupel hat seine Mitmenschen erfolgsorientiert zu beobachten (Bespitzeln) und zu beraten (Informationen sammeln), darüber kann selbst die Tarnung als eine beratende Tätigkeit nicht hinwegtäuschen.
Der Not gehorchend wird sicher diese Anzeige auch Interesse wecken und so werden für den Außendienst in den beworbenen Gebieten sich Bewerber finden. Wie zukunftsträchtig diese Tätigkeit und wie hoch die Fluktuation ist, kann daran gesehen werden, wo überall die Außendienstorganisation ausgebaut werden soll. Da wird gesucht „für die Bereiche Halle/Saale (Stadt), Saalekreis (ehem. Saalkreis), Landkreis Mansfeld-Südharz (ehem. Landkreis Mansfelder Land), Landkreis Harz sowie für den Landkreis Anhalt/Bitterfeld (ehem. Landkreis Köthen [Anhalt])“
Eines ist sicher, die IM s des MDR werden es nicht leicht haben und unter einem enormen Erfolgsdruck zu leiden haben. Da sie freiberuflich tätig sind, werden sie auf Grund ihrer Erfolge bezahlt und das bedeutet letztendlich das sie um nicht zu verhungern erfolgreich sein müssen, koste es was es wolle. Eine Folge solchen Erfolgsdrucks ist dann die Denunziation anderer Menschen und um die entsprechenden Informationen zu erhalten müssen ausgeprägte spitzelhafte Eigenschaften vorhanden sein, oder ausgeprägt werden. Aber keine Angst, zu diesem Zweck werden entsprechende Qualifikationen angeboten.
Verwunderlich nur, warum Menschen welche schon Erfahrungen mit solchen Tätigkeiten gesammelt haben beim MDR nicht erwünscht sind? Nicht nur das diese direkte Ablehnung auf die Art der Tätigkeit verweist und die bespitzelnde Ausrichtung bestätigt, so steckt dahinter wohl eher eine ideologische Motivation. Das Bespitzelung Denunziation nach sich zieht ist ein alter Hut und wie schon geschrieben, der Erfolgsdruck wird sein übriges tun.
Nicht nur die Ambitionen des Innenministers zeugen also von gesteigertem Überwachungswahn, sonder er hat alle Gebiete des wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Lebens schon längst erreicht. Es werden Informationen gesammelt und verwaltet, dieses nicht nur auf staatlicher Ebene, sondern auch privatwirtschaftlich, allen voran Banken und Versicherungsunternehmen und wie freizügig gehen wir oft mit unseren Daten um? Ehrlich wie wir sind offenbaren wir uns im guten Glauben es sei gut so und sind dann um so erschreckter, wenn unsere Daten irgendwo, in irgendeinem Zusammenhang auftauchen wo wir es nie vermutet hätten. Verwundern sollte dieses nicht, denn desto bedrohter sich ein System in seinen Grundfesten sieht, desto mehr wird alles daran gesetzt eventuelle Bedrohungen so früh wie möglich zu erkennen und zu diesem Zweck werden eben immer mehr Informationen benötigt. Da nun die Menschen sensibler werden und nicht alle Informationen immer offenbaren, greift man auch gern auf die alten Methoden der Informationsbeschaffung zurück. Dieses um so mehr, um so mehr Menschen lernen mit ihren Informationen sorgsam umzugehen.
Die ferngesteuerte Methode, „erzähle mir was von Dir und Du bekommst einen Bonbon (einen Vorteil) dafür“, verfängt immer seltener. Das ist zum Beispiel auch daran zu erkenne, das verschiedene Umfrageergebnisse heute mehr von der Realität abweichen als früher. Dieses kann zwar manipulative Ursachen haben, ist aber auch einer wachsenden Verweigerungshaltung vieler Aussagender zuzuschreiben.
Nun ja, [3] Stasi 2.0 und auch der IM wird wieder gebraucht!
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[2] Internet: http://www.jobs.mdr-bd.de/
[3] Stasi 2.0: http://www.stasizwopunktnull.de/
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