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Nun doch,

Dieser Eintrag stammt von kucaf Am 26.2.2009 @ 11:03 In Leserbrief | 1 Kommentar

Nun doch,

 

nach reiflicher Überlegung und dem Abwarten einiger Ereignisse, habe ich mich nun doch entschlossen dieses [1] Text, in gekürzter Form, als Leserbrief zu versenden.

Es bleibt abzuwarten ob er erscheint und in welcher Form, ob gekürzt oder nicht, da er trotz Kürzung doch noch etwas lang geblieben ist. Vielleicht gelingt es mir nicht mich kurz zu fassen, andererseits gibt es dazu noch wesentlich mehr zu sagen/schreiben.

 

Hier die endgültige Fassung als Leserbrief:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Leserbrief zum Beitrag: „Brecht: Es tut richtig weh, Quedlinburger Bürgermeister bedauert, dass die Walzengießerei nach Thale/Nord abwandert“

MZ vom 20. Februar 2009 Quedlinburger Harzbote.

 

Ein Nachspiel?

Ja, es tut richtig weh! Oder wird man nur Opfer eigener Taten?

Hier fängt der Bürgermeister fast an zu weinen, ein Unternehmen der Stadt möchte investieren, sich erweitern und geht dafür in eine andere Stadt, nicht weit weg, aber immerhin. Das Schlechte daran, das Unternehmen hat vor woanders zu investieren, das Gute daran, es wird in der Region investiert.

Auch wenn der Bürgermeister eine wichtige Erkenntnis gewonnen hat, wenn zu lesen ist: “Wir können keinem Unternehmen vorschreiben, wo es investieren soll. Es liegt in der unternehmerischen Freiheit, ohne Rechtfertigung gegenüber Dritten derartige Standortentscheidungen zu treffen”, sagte Brecht und erläuterte die vielfältigen Anstrengungen der Verwaltung.“ So hindert ihn diese Erkenntnis aber nicht daran seinem Schmerz über eine andere Niederlage, wie zu lesen ist, wiedereinmal Ausdruck zu verleihen: „“Wir wollten eigentlich auch einen Teil des Geldes aus dem Stadtwerkeverkauf dazu benutzen, um ein Industriegebiet zu erschließen”, meinte er weiter. Doch der Verkauf ist nun per Bürgerentscheid verhindert worden.“ Das die Erschließung des Gewerbegebietes ohnehin zu spät gekommen wäre spielt dabei natürlich keine Rolle, aber immerhin, man hat einen Schuldigen!

Das Fatale seiner Logik scheint dem Bürgermeister nicht einmal bewusst zu sein, auf der einen Seite stellt er fest: “Wir können keinem Unternehmen vorschreiben, wo es investieren soll. Es liegt in der unternehmerischen Freiheit, ohne Rechtfertigung gegenüber Dritten derartige Standortentscheidungen zu treffen” und auf der anderen Seite wollte er ein Unternehmen verkaufen, wo gerade die Stadt über dieses „Privileg“ verfügt. Hier spricht jemand mit gespaltener Zunge und offenbart anschaulich den Irrationalismus seines Denkens. Die Stadtwerke wollte er verkaufen, koste es was es wolle und nun ist er von den Konsequenzen privatwirtschaftlicher Entscheidungen enttäuscht. Das er mit dem Verkauf der Stadtwerke auch jede entscheidende Einflussnahme über eines der größten, primär wirtschaftlichen Unternehmen der Stadt verloren hätte, spielt keine Rolle, der Schmerz sitzt einfach zu tief.

Aber nicht nur das Schmerzen blind machen können, und der Blick fürs Wesentliche verloren geht, so hatte sich der Bürgermeister mit allen Mitteln für den Verkauf der Stadtwerke eingesetzt und dabei scheinbar nicht einmal bemerkt, das er sich selbst und der Stadt nicht nur entscheidender Substanz berauben wollte, sondern auch die verschiedensten Kollateralschäden billigend in Kauf genommen hat. Und obwohl der Kampf verloren wurde, führt er diesen weiter, sich der Konsequenzen nicht bewusst.

Nun haben die Quedlinburger ihren Bürgermeister ganz gut als jemanden kennen gelernt, welcher es durchaus versteht auf hohem Niveau, Schulter zuckend zu jammern, welches nicht nur im obigen Fall zu beobachten ist. So hat er im Zusammenhang mit der Stadtwerksprivatisierung aber nicht nur gejammert, nein, er war derjenige welcher die Stadt selbst madig gemacht hat, ein Untergansszenario heraufbeschwörte, durchaus erzielte Erfolge negiert, Situationen falsch dargestellt, Informationen zurückhielt, oder falsch interpretiert. Da half ihm ein teilweises zurück rudern und relativieren im Fortgang der Auseinandersetzung auch nicht mehr. Und nun frage ich, welches Unternehmen würde unter solchen Umständen in dieser Stadt investieren? Der Bürgermeister hat sich selbst als unglaubwürdig präsentiert und in seinem Wahn die Stadtwerke zu verkaufen, wie es scheint, alles andere aus dem Blick verloren. Oder war er wirklich der Meinung das diese Auseinandersetzungen nicht aufmerksam beobachtet wurden? Positiver Nebeneffekt, in einer Zeit sich zuspitzender Widersprüche gelangt man schneller zu des Pudels Kern.

Nun, sicher wird ihm keiner den Vorwurf machen, außer die potenziellen Käufer der Stadtwerke vielleicht, das er diese Auseinandersetzung verloren hat, dieses ist Ergebnis eines demokratischen Prozesses, welcher basisdemokratisch, getragen von einer außerparlamentarischen Opposition, motiviert war. Nicht diese Niederlage wirft ein bezeichnendes Licht auf die Politik des Bürgermeisters, sondern die Art und Weise wie diese Auseinandersetzung von ihm geführt wurde und vor allen auch, wie er mit dem Ergebnis umgeht!

Da nun aber gerade der Bürgermeister so oft auf marktwirtschaftliche Prämissen, Gesetzmäßigkeiten, Gepflogenheiten und unternehmerische Freiheiten verweist, ist es schon verwunderlich das er die „Ware“ Quedlinburg so schlecht verkauft, ja sein Produkt sogar schlecht redet und letztendlich sich wundert das es keiner mehr haben möchte!

Im Vergleich zum Quedlinburger Bürgermeister, schauen andere Bürgermeister nach vorn und für so geprägte Standorte entscheiden sich Investoren gegebenenfalls eher! Ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Unterschied!

 


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