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Schwarzarbeit, überarbeitet.

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 5.3.2009 @ 10:05 In Gedanken | Keine Kommentare

Schwarzarbeit, überarbeitet.

 

Am 26.12.2006 hatte ich einen [1] Beitrag zur Schwarzarbeit geschrieben, dieser basierte auf einen Artikel der MZ. Da nun dieses Thema an Aktualität nicht verloren hat, werde ich den Beitrag überarbeiten.

 

Gedanken zur Schwarzarbeit!

 

Auch Schwarzarbeit ist Arbeit, nur nicht Gesetzeskonform, aber gewollt!

[2] Leider ist der Beitrag gesperrt. Schwarzarbeit ist schon ein interessantes Thema. Zum Artikel „Im Jahr finden bis zu 300 Kontrollen statt“ in der Mitteldeutschen Zeitung, vom 22.12.2006, Seite 9, Quedlinburger Hartz Bote.

Nun, der Kampf gegen die Schwarzarbeit wird von der Wirtschaft unterstützt, aber nur sofern die Wirtschaft nicht von der Schwarzarbeit profitiert. Denn beim Gewinn hört die Freundschaft auf, auch zum Gesetz und zu jenen, welche es durchsetzen müssen, das Gesetz. Wiederum sind Gesetze aber auch Grundlage für Schwarzarbeit, bedingen diese nicht unerheblich. So kann durchaus davon ausgegangen werden, das die Gesetzeslage im Zusammenhang mit Hartz IV nicht unerheblich zur potenzieren von Schwarzarbeit beiträgt. Selbes gilt für die weitestgehende Abwesenheit von Mindestlöhnen und der damit verbundene Ausbau des Sektor prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Somit gibt es nicht nur Gesetze welche Schwarzarbeit eindämmen sollen, sondern auch genügend welche diese befördern, ja sogar hervorbringen.

Es wird kontrolliert, als ob Kontrolle alles richten könnte, es werden Bußgelder verhängt, als ob dieses abschrecken würde. Und besteht wirklich die hohe Schule der Schwarzarbeit im Hausmeisterdienst, und in der Kfz-Pflege? Sind nicht gerade dieses Tätigkeitsfelder auf welchen sich jeder begeben kann, wenn er nicht mehr weiter weiß? Ich AG´s oder andere geförderte Selbständigkeit macht es möglich und schaue da, welche Gewerbe haben Hochkonjunktur, jene, welche mit geringer Qualifikation zu realisieren sind. Wobei nicht einmal geringe Qualifikation dieses befördert, es ist oft die Not, die zwingt! Zwar gibt es „Ich AG’s“ mit der Zeit nicht mehr, jedenfalls werden sie nicht mehr gefördert, aber dafür gibt es Praktika, eine Eingliederungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose, welche mit 100,-€ im Monat zu den Sozialbezügen versüßt wird. Welch bitterer Geschmack dabei aufkommt kann jeder erzählen, welcher sich eine solche Maßnahme gegönnt hat. Die Wirkung, die gewünschte Eingliederung ist gleich Null, aber immerhin, eine staatlich subventionierte Billigarbeitskraft, welche das Heer der prekär Beschäftigten maximal nährt und anwachsen lässt und vielleicht wird ja auch eine Schwarzarbeitertätigkeit daraus, dann nicht für 5,-€ pro Tag, sondern für 5,-€ pro Stunde. Und nun erzähle einmal einer, das dieses nicht gewollt ist?

Der Schein trügt all zu oft, aber ohne dem entsprechenden Schein funktioniert in diesem Lande eben nicht viel, zumindest ist man erheblichen Einschränkungen unterworfen, auch wenn es EU-weit oft anders aussieht. Im Handwerk hat sich einiges geändert, es wurden Gewerke geöffnet und Standesrecht geschliffen. Auch sei zu bedenken, dass manch ein Gewerbe/Gewerbeanmeldung nicht gerade wenig Geld kostet und aus diesem Grund oft auf die billigere Alternative zurückgegriffen wird. Der Schein trügt, oder kann es zumindest, aber gut, nicht die Fähigkeiten und Fertigkeiten sind von Bedeutung, sondern die Abschlüsse und Zeugnisse über welche man verfügt. Dieses ist gelegentlich nicht billig und mit Geld ist vieles möglich, da können auch Abschlüsse erworben (gekauft) werden, anstatt sie zu erwerben (erarbeiten, erlernen). Wir leben in einem System des Geldes und nicht der Leistung, wie so oft vorgegaukelt wird und Geld verlangt die entsprechende Anpassung. Und so passt es sich eben auch den schwarzen Arbeitsmarkt an und dieser entpuppt sich im doppeltem Sinne als sehr Vorteilhaft, zum einen bietet er unkompliziert und billig Arbeitskräfte und zum anderen ist er oft die einzige Möglichkeit den Lebensunterhalt für die Familie zu organisieren. Kapitalismus der Urform eben und wenn die Entwicklungen der letzten Jahre berücksichtigt werden, mit dem Abbau sozialer und wirtschaftlicher Sicherheiten, so scheinen Beschäftigungsverhältnisse, den Schwarzarbeitsverhältnissen entsprechend, das Ziel zu sein.

Nur alle Kontrollen, alle Bußgelder helfen wenig, wenn nicht an die Ursachen gegangen wird. Warum arbeiten Menschen schwarz, also außerhalb des gesetzlichen Rahmens? Weil der gesetzliche Rahmen oft nicht einmal mehr die Existenz sichert!

Der Bericht beschäftigt sich mit der gewerblichen Schwarzarbeit, es besteht ein Gewerbe, aber es werden Tätigkeiten ausgeübt welche die Grenzen des Gewerbes entsprechend der Anmeldung überschreiten. Also der angesprochene Hausmeisterservice, welcher Rohbauten für Einfamilienhäuser errichtet, oder eben der Autopflegedienst, welcher auch Reparaturen durchführt. Warum ist solches möglich, ja in gewisser Hinsicht sogar notwendig?

Und dann gibt es noch Schwarzarbeit welche ohne Gewerbe und Einhaltung rechtlicher Bestimmungen realisiert wird, vielfältig sind die Möglichkeiten und ich würde auch sagen, keine schlechten Wachstumsraten, welches aus der Aussage zu schlissen ist, das die Dunkelziffer wesentlich größer ist und das es so ist, liegt natürlich am Mangel an Kontrollpersonal. Offizieller Weise müssen die Ursachen sicher irgendwo festgemacht werden, dabei ist es zu vermeiden die wirklichen Ursachen zu benennen, also wird die Schuld mangelnder Kontrolltätigkeit zugeschoben, Kontrolle ist eben alles!

Aber warum gibt es Schwarzarbeit und warum nimmt sie zu? Liegt das etwa am mangelnden Kontrollpersonal? Da wäre die Lösung einfach und so nahe liegend, stellt man mehr Kontrollpersonal ein, das schafft zum einen Arbeitsplätze und Schluss wäre es mit der Schwarzarbeit! Genial, aber funktioniert nicht, und warum nicht? Mit Schwarzarbeit kann man Geld verdienen, viel Geld verdienen, leider haben die Schwarzarbeiter am wenigsten davon. Aber was soll es, bestraft werden sie und die Karawane zieht weiter, es gibt ein reichhaltiges und wachsendes Angebot auf dem schwarzen Arbeitsmarkt. Und wenn der Sachgebietsleiter feststellt, das Schwarzarbeit keine Bagatelle sei, so hat er recht, für viele Menschen ist es die einzig realistische Lebensgrundlage, neben und ergänzend zu Hartz IV! Nur ist dieses am verwerflichsten, wie dem Artikel zu entnehmen ist und wird am härtesten bestraft. Denn da geht es ja nur um die Existenz, der Not gehorchend!

Wogegen die „großen“ Schwarzarbeiter ihre Schwarzarbeit schon lange legalisiert haben und sie können ihre Zuverdienste unbeschnitten einstreichen. Da gibt es zum Beispiel die verschiedensten Bundestagsabgeordneten, welche vom Steuerzahler gut bezahlt werden, damit sie für ihm im Parlament Politik machen, und was machen diese Damen und Herren, sie sitzen noch in den verschiedensten Gremien der Wirtschaft zum Beispiel und lassen sich dafür auch noch bezahlen. Der Not gehorchend ist dieses nicht, eher der Gier verfallen. Ja die Damen und Herren Abgeordneten, sie sind zwar nicht die Einzigen, aber bei ihnen ist es am offensichtlichsten. Sie bekommen ihre Diäten und haben darüber hinaus noch das Privileg sich anderweitig zu verdingen, so entpuppen sie sich als Diener zweier Herren, nur welchen dienen sie wirklich, dem Volk, welches sie zu vertreten vorgeben, oder dem zweiten Herren, welcher die Diäten nicht unerheblich aufstockt? Letztendlich beschließen sie Gesetze welche für sie selbst nicht zutreffen, wäre ja auch noch schöner wenn sie von ihren eigenen Gesetzen betroffen wären und sich diesen beugen müssten. Wenn dem so wäre, würde manches Gesetz nie beschlossen werden, sie wären Opfer ihrer eigenen Tat.

So dürfen sie sich mehrere Arbeitgeber leisten und über mehrere Einkommen verfügen, im Gegensatz zu vielen gering verdienenden Normalbürgern, welchen von ihren Arbeitgebern oft ein anderes Beschäftigungsverhältnis untersagt wird, sie sollen für ihren Arbeitgeber immer und uneingeschränkt zur Verfügung stehen, und das für vielleicht 400,-€ im Monat und wenn es noch geht auch nur befristet.

Ein idealer Boden für Schwarzarbeit, die „Großen“ machen es vor, mit dem Unterschied das diese es nicht zum leben braucht, im Gegensatz zu den meisten anderen Schwarzarbeitern.

Wachsende Schwarzarbeit ist vor allem auch ein Ergebnis des vorherrschenden Politikverständnisses, die praktizierte neoliberale Globalisierung fordert ihren Tribut. Die immer weitere Ausbreitung von Schwarzarbeit ist auch dem Billigstreben geschuldet, eine Reaktion auf eine scheinbar unausweichliche Situation, so soll die Arbeitskraft zu immer niedrigen Preisen angeboten und letztendlich unter Wert verkauft werden. Eine Spirale ohne Ende, wie es scheint und dem heiligem Wettbewerb geschuldet, jedenfalls werden mehr Kontrollen, härtere Sanktionen die Schwarzarbeit nicht beenden, beenden kann man diese nur mit der Negierung ihrer Voraussetzungen. Dieses System braucht die Schwarzarbeit wie die Luft zum Atmen, billiger können Arbeitskräfte nicht zur Verfügung gestellt werden, außer vielleicht im Rahmen eines Praktikums. Sicher würde man gen mehr darauf zurückgreifen, nur tendiert in solchen Fällen die Motivation der Arbeitskraft gegen Null, was nicht ohne Einfluss auf die Arbeitsleistung bleibt.

Für dieses System ist Schwarzarbeit Luft zu atmen und zwar eine sehr reine, ihr Wachstum ist auch Ausdruck für fortschreitenden Sozialabbau und wachsendem Elend, oft ist sie einzige Möglichkeit dieses zu lindern. Schwarzarbeit ist gewollt und alle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, bis zu deren praktischer Umsetzung hin, weisen nur auf einen Weg dieser zu begegnen, in dem sie legalisiert wird! Mit den prekären Beschäftigungsverhältnissen ist man da schon ein ganzes Stück weiter gekommen.

 

Die zwei Seiten der Schwarzarbeit, einer der schwarz arbeitet und einer der schwarzarbeiten lässt, beim ersten wird angesetzt, der zweite wäscht seine Hände in Unschuld.

 


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