- Was so bewegt! - http://kucaf.de -
Praktikum, es war einmal!
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 9.4.2009 @ 21:23 In Tätigsein | Keine Kommentare
Praktikum, es war einmal!
Nun ist Schluss mit Lustig, oder mit dem Praktikum!
Nach dem es gelegentlich Unstimmigkeiten gegeben und die Inhaberin des Geschäftes, in welchem ich praktizierte, ihre dreiwöchige Kur beendet hatte, beendete ich mein Praktikum. Eigentlich wollte ich dieses schon vor mehr als drei Wochen tun, nur wollte ich die junge Frau mit ihrem Laden nicht einfach sitzen lassen, obwohl, verdient hatte sie es allemal.
Aber wie kam es dazu? Nachdem ich das Praktikum begonnen hatte, verlief die erste Zeit relativ ruhig, es war nicht besonders viel zu tun und es gelang mir durchaus mehr Umsatz zu generieren als der Inhaberin selbst. Auch hatte ich den [1] Praktikumsplatz selbst gesucht, in der Annahme hier wäre Hilfe angebracht und die Wahrscheinlichkeit einfach nur Ausgenutzt zu werden gering. Das eine Übernahme illusionär war stand für mich von Anfang an fest. Diese Größenordnung von Geschäft und die spezifische Ausrichtung, sind typische Einmann-, oder Einfrauunternehmen, wenn es eine Familie nähren kann, ist das schon viel und immerhin hat die Inhaberin drei Kinder. Hier handelt es sich um ein typisches Unternehmen, welches maximal zur Optimierung von Selbstausbeutung taugt. Aber was soll es, als Praktikant muss mich das nicht stören und so machte ich mich an die Arbeit und verkaufte Waren, plauderte mit den Kunden, wurde so manche Information über die Stadt los, wofür sich wiederum mancher Tourist mit guten Einkäufen bedankte.
Irgendwann, etwas nach drei Wochen kam ich ins Geschäft und wurde darauf Aufmerksam gemacht, das Geld fehle. Dazu wäre vielleicht anzumerken, das es eine Kasse gab, welche auch von mir benutzt wurde, das Geld aus der Kasse wurde nach Ladenschluss entnommen und in einer Papiertüte in der Ladentheke versteckt. Da ich mir nun nichts vorzuwerfen hatte, fragte ich wie viel den fehle. Es seinen ca. 86,-€ und das ist nicht gerade wenig, wenn bedacht wird, das die Umsätze nicht hoch waren und sich ansonsten noch 100,-€ Wechselgeld in der Tüte befanden. Ich nahm die Tüte und schaute rein und siehe da, es fand sich ein 50,-€ Schein, nur fehlten noch ca. 36,-€ und der Verdacht und das aufsteigende Misstrauen schmerzten sehr, ich hatte nichts genommen, warum auch. An diesem Tag machte die Arbeit keinen rechten Spaß und ich überlegte damals schon das Praktikum zu beenden. Es gibt Dinge, welche man sich einfach nicht antun muss. Zum Feierabend, als die Kasse abgerechnet wurde, fiel der jungen Frau ein, das sie ja 36,-€, nach Öffnung des Ladens, für Käse bezahlt hatte. Auf eine Entschuldigung wartet ich heute noch. Bevor ich ging, machte ich sie darauf aufmerksam, das sie ja einen Zettel in die Kasse legen könne, wenn sie schon Geld während der Öffnungszeit heraus nimmt.
Nun konnte ich mich über die Arbeitszeit nicht beschweren, außer den Aktionen ihres persönlichen Kleinkrieges, welchen sie mit einen ehemaligen Lebenspartner führte, war es auch ganz verträglich. Im Rahmen dieses Kleinkrieges konnte es schon vorkommen, das sie eines Abends anrief, um am nächsten Tag Gegenstände vom Hof des ehemaligen Partners zu holen, meistens dann, wenn das gemeinsame Kind beim Ex war. Die letzte Fahrt war sehr aufschlussreich, da sie es immer so dargestellt hatte, als sei der Ex an allem Schuld, würde das Kind vereinnahmen und sie kämme auch nicht an ihre Sachen heran.
Diese lehrreiche Fahrt fand im März statt, nicht nur das ich Getreidesäcke (50kg) aus dem Obergeschoss des Hauses, über den Hof zum Transporter schleppen musste, wobei nicht einmal zugefasst wurde und ich so die Säcke selbst auf meine Schulter bugsierte, welches nicht einmal so einfach ist und von Sack zu Sack schwerer wurde, so wurde ich auch Zeuge eines längeren Disputes. Dieser Disput war sehr aufschlussreich und ich musste erkennen, das die Probleme nicht vom Expartner verursacht wurden, sondern von der jungen Frau selbst. (Sie versteht es aber hervorragend andere Menschen für ihre Interessen zu vereinnahmen, nur sollte man nicht hinter die Fassade schauen und hinterfragen.) Ein Ergebnis dieses Disput war es, das sie eine Frist gesetzt bekam, bis zu welcher ihre Sachen auszuräumen seien, drei Termine könne sie sich aussuchen. Der erste Termin den sie nannte, war der Geburtstag des gemeinsamen Kindes, worauf die Frage kam; ob sie dieses wirklich wolle? Ja, warum den nicht? Das konnte nicht nur ihr Expartner nicht verstehen, auch mir war solches eigentlich fremd, da ging es um pure Eitelkeit und das einem Pragmatiker gegenüber. Nun ja, das ganze gab mir arg zu denken und ich war anschließend vorsichtiger. Nachdem ich den Transporter beladen hatte, fuhren wir zu ihrer Wohnung, dort wurde ein Teil abgeladen, ein weiterer Teil kam in den Laden und die Getreidesäcke, auf Grund meines Vorschlages, nach Westerhausen. Und ehrlich gesagt, ich hatte keine Lust diese in die Wohnung der jungen Frau zu buggeln.
Was soll es, die Arbeit ging weiter und die Zeiten meiner Anwesenheit im Laden wurden geplant, zwei bis drei Wochen im Voraus und das Erlebnis rückte etwas in den Hintergrund. Auch war mir zwischenzeitlich eröffnet worden, das die junge Frau, (ganz so jung ist sie nun auch wieder nicht, aber jünger als ich) vom 17.03. bis zum 07.04. zur Kur fahren würde und ich in der Zeit den Laden allein führen müsse. Das allein stellt sicher kein Problem da, nur gab es im Vorfeld wieder eine Diskrepanz, dieses mal war ich der Verursacher, oder besser das kaputte Auto meiner Frau.
Da meine Frau eine neue Tätigkeit aufgenommen hatte, nach dem ihr alter Arbeitgeber den Lohn schuldig geblieben ist und die ersten 14 Tage zu einem Lehrgang nach Dresden musste, tat sich ein nicht unerhebliches Problem auf. Da die Reparatur des Autos sich als schwerer erwies als ursprünglich angenommen, musste nach anderen Möglichkeiten gesucht werden. Es gelang mir für die Fahrten ein Auto zu besorgen, mit dem ich meine Frau bis Leipzig brachte und von dort wurde sie von einem Kollegen mitgenommen. Nur der letzte Freitag bereitet ein Problem, da ich nachmittags arbeiten sollte. Da der Lehrgang aber schon um 14.30Uhr endete und meine Frau somit schon um 16.30Uhr in Leipzig sein konnte. Dieses teilte ich meiner Praktikumsgeberin mit, worauf ich den Vorwurf bekam, das ich mich nicht an Absprachen halten würde, und das gerade wenn sie ihren jüngsten Spross bei sich hat. Einmal davon abgesehen das dieser oft mit im Laden war, hat sie auch noch zwei größere Söhne, welche durchaus in der Lage sind auf den jüngeren Bruder einmal zwei Stunden lang anzupassen. Nun gut, ich war der Böse und es galt für mich zu entscheiden, im Praktikum nicht in Ungnade zu fallen und der sagenhaften Aufwandsentschädigung für den Tag (5,-€) verlustig zu werden, oder meiner Frau bei ihrer neuen Tätigkeit zu helfen, welche letztendlich die finanzielle Grundlage unseres Sein bietet? Ich entschied mich für letzteres und eröffnete der Praktikumsgeberin das ich am Freitag von 10.00Uhr bis 14.30Uhr (der Laden hatte bis 17.00Uhr geöffnet) arbeite, um anschließend meine Tochter aus dem Hort zu holen und mit ihr meine Frau abzuholen. Wie es im Leben aber gelegentlich so ist, manchmal kommt es anders, als man denkt. So hatte ich am Donnerstag Abend nochmals mit meinen Eltern, welche am Samstag zum Geburtstag ihrer Enkelin kommen wollten, telefoniert und sie gebeten doch schon am Freitag zu kommen, anstelle der A2, die A9 zu nutzen und ihre Schwiegertochter in Leipzig zusteigen zu lassen. Glücklicherweise waren meine Eltern dazu bereit, ich brauchte mir also kein Auto zu leihen und wäre so wie so zu spät gekommen. Meine Ablösung war zwar um 15.00Uhr da, musste aber noch das Auto wegbringen, welches dann 45 Minuten gedauert hat. In der Zeit hab ich zwar noch gut verkauft, aber pünktlich wäre ich mit Sicherheit nicht mehr in Leipzig gewesen. Nachdem ich endlich abgelöst war, holte ich meine Tochter aus dem Hort ab, ging mit ihr nach Hause und wir begannen ihren Geburtstag vorzubereiten. Da aber die große Praktikumsgeberin so „verständnisvoll“ gewesen ist, solch Aufhebens gemacht hat und mein ganzes „Bösmenschentum“ festgestellt hatte, verkündete ich ihr am Samstag nicht im Laden zu sein, und mit meiner Tochter Geburtstag zu feiern, was ich auch tat.
Am Montag war ich wieder pünktlich im Geschäft und hatte eigentlich die große Chefin erwartet, aber Fehlanzeige. Leider, denn ich hatte alle Unterlagen mitgebracht, welche ich genutzt habe um an ein Erweiterungskonzept für ihr Geschäft zu arbeiten und wollte diese mit dem Ladenschlüssel zurückgeben und das Praktikum für beendet erklären. So machte ich mich aber an die Arbeit, (Inkonsequenz ist eine leidliche Schwäche) fegte und wünschte den Laden und als ich so beim Wischen war fuhr die junge Frau mit ihrem Auto vorbei, sie hatte es nicht einmal nötig herein zuschauen, dieses fiel sogar der Inhaberin des Nachtbargeschäftes auf. Irgendwie kamen ein paar Umsätze jeden Tag zusammen, auch an dem Montag, zum Feierabend schloss ich die Tür ab und ging nach Hause. Eigentlich hätte ich mein Vorhaben durchziehen müssen, da selbst der Versuch sie telefonisch zu erreichen nicht glückte. Als ich das nächste mal den Laden öffnete, konnte ich feststellen das sie am Montag noch Ware gebracht hatte, eine Übergabe war nicht erfolgt und ich wandte mich den Pflanzen zu, welche auf der Terrasse standen und zu vertrocknen drohten, da sie nicht eingepflanzt waren. So nahm ich mich dieser an, pflanzte sie ein und führte das Geschäft bis heute weiter. Von der Kur zurück, beendete ich das Praktikumsverhältnis. Es gibt Dinge die muss sich ein Mensch einfach nicht antun, zwar hätte ich an anderer Stelle das Praktikum fortsetzen können, aber die gesammelten Erfahrungen sind durchaus ausreichend. Zu bemerken sei noch, das die junge Frau es gerade einmal zweimal fertig brachte während der drei Wochen im Laden anzurufen, dabei interessierte das Geschäft weniger, sie teilte mir nur mit wo sie Einzahlungsscheine hingelegt hatte, damit ich die gemachten Umsätze auf ihr Konto zahlen könne. Welches ich auch tat. Da frage ich mich doch wirklich, wieso soll man sich für ein Geschäft engagieren, wenn es die Inhaberin nicht einmal selbst tut.
Nun werde ich dieses, mein Tun, unter Erfahrung ablegen und das Thema für mich abschließen, in dem ich diese Zeilen schreibe. Über das Praktikum an sich werden ich noch etwas nachdenken, aber eines hat es gezeigt, wenn man sich auf diese Ebene herab lässt, so kann es einen passieren das man als billige, ungebildete, alles machen müssende und ertragende Arbeitskraft angesehen und auch so behandelt wird.
Was nichts kostet, ist nichts wert!
Das war also mein Praktikum und jetzt haben wir Frühling, es wird Zeit wieder etwas Sinn- und Anspruchsvolles zu tun!
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Was so bewegt!: http://kucaf.de
URL zum Artikel: http://kucaf.de/2009/04/09/praktikum-es-war-einmal/
URLs in this post:
[1] Praktikumsplatz: http://www.harzer-naturkueche.de/
[2] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2009/04/02-03-09_1340.jpg
[3] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2009/04/02-03-09_1339.jpg
[4] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2009/04/02-03-09_1342.jpg
[5] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2009/04/05-04-09_1115.jpg
[6] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2009/03/02-03-09_1358.jpg
Klicken hier zum Drucken.