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Konfrontiert mit Religion.

Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 24.5.2009 @ 23:53 In Gedanken | Keine Kommentare

Konfrontiert mit Religion.

Wie es im Leben so ist, gestern Abend, nein gestern Nacht, vielleicht war es auch schon heute, ganz früh, wurde ich wiedereinmal mit dem „göttlichen“ Gedanken konfrontiert. Ohne das ich direkt Anlass gegeben hatte, wurden scheinbare Wunder offenbart und bemerkt, dass gerade der Glaube an Gott, welcher die Geschicke der Menschen lenkt und so auch den Zufall der Bekanntschaft, welche helfend sein kann, verantwortlich für manche Heilung in späterer Zeit zeichnet. Da gab es einen Unfall in Kinderjahren und es wurde gelebt mit den Folgen, sie waren nicht gravierend, aber konnten durchaus unangenehm sein, bis ein Mensch ins Leben trat und Abhilfe schaffte, nach ca. sechzig Jahren. Warum sich gepriesener Gott solange Zeit gelassen hat, oder ob es doch reiner Zufall war, welchen letztendlich auch Gesetzmäßigkeiten innewohnen, sei einmal dahin gestellt. Jedenfalls wurde ich wiedereinmal mit dem Göttlichen konfrontiert, auch wurde festgestellt das meine Fähigkeiten und Fertigkeiten durch diesen bedingt seien. Einmal davon abgesehen, das es mir heute, auf Grund meiner ursprünglichen sozialen Stellung, kaum möglich sein würde, eine solche Schulbildung zu absolvieren, wie sie nicht nur mir zuteil wurde, gilt mein Dank doch eher den Menschen, welche mein Leben über viele Jahre beeinflusst und geprägt haben und da in erster Linie meinen Eltern.

Den Ausführungen der älteren Dame folgte ich und es war ja nicht das erste mal das ich mit solchen Gedanken konfrontiert wurde. Als sie Ihre Ausführungen beendet hatte, bemerkte ich nur, das ein jeder Mensch selbst über seinen Glauben entscheiden solle. Und wie es eben auch Menschen gibt, welche einen Gott brauchen, da er gelegentlich dem Wunder dient und somit die Mühe mancher Erklärung spart, gibt es eben auch Menschen, welche aus den verschiedensten Gründen auf religiösen Glauben verzichten, diesen für sich ablehnen. Glaube sollte prinzipiell Privatsache sein und eine Angelegenheit in welche man sich nicht unbedingt einmischen soll, er ist eine Erkenntnis, welche einen entsprechenden Entwicklungsstand entspricht und repräsentiert, religiöser Glaube hat darüber hinaus mit erkenntnistheoretischer Negation zu tun. Letzterer Satz war nicht Gegenstand des Gespräches und um weiterer „Missionierungsversuche“ zu entgehen, holte ich mir ein Bier, das letzte des Morgens.

Es ist schon komisch, aber auch ernst, wie ich doch in letzter Zeit direkt und indirekt mit solchen  Missionierungsversuchen konfrontiert wurde. Nicht nur das Kirche überproportional in den Medien wahrzunehmen ist, nein, es sind selbst von staatlicher Seite Bestrebungen zu beobachten dem religiösem Glauben Vorschub zu gewähren. Erst letztens hatte ich ein Gespräch mit der Ethiklehrerin meiner Tochter, nach dem diese in einer Arbeit eine drei bekommen hatte. Nicht das ich Zensuren diskutieren würde, nein, darum ist es nicht gegangen, eher um den Gegenstand der Arbeit und aller anderen Ethikkontrollen, welche im laufenden Schuljahr geschrieben wurden. Alle beinhalteten das Christentum, hatten dieses zum Gegenstand, wie ich nach Durchsicht der Unterlagen feststellen musste und die letzte Arbeit bezog sich auf religiöse Feiertage und deren Hintergründe. Insgesamt gibt es im Arbeitsheft Ethik 7 interessante Themen, aber bis jetzt wurde sich im laufendem Schuljahr scheinbar nur mit einem beschäftigt. Die Ethiklehrerin verwies darauf, dass die christliche Lehre eben auch zum Unterricht gehöre und andere Religionen später noch behandelt werden.

Aber doch nicht nur und wie umfassend ist diese Behandlung, Gloria Halleluja bietet wohl nur ein sehr eingeschränktes, verklärendes Bild? Religion gehört in den Geschichtsunterricht und da gehören die Inquisition genauso dazu, wie Hexenverbrennungen und die Kreuzigung Jesus,  im Kontext der Zeit. Hätte ich gewollt das meine Tochter in Religion unterrichtet wird, so hätte ich direkt dieses Fach für sie gewählt, welches ebenfalls an der Schule angeboten wird. Was meines Erachtens, bei konsequenter Trennung von Staat und Kirche, nichts an Schulen zu suchen hat. Fraglich nur, ob es im Ermessen der Lehrerin liegt oder System hat, wie die Schwerpunkte im Unterricht gesetzt werden. Hat sich eine Lehrerin in den Kopf gesetzt junge Menschen zu Missionieren, oder ist es gar die Aufgabe dieses Unterrichtes? Sie scheint dabei freie Hand zu haben. Mit meiner Tochter selbst hatte ich schon mehrfach gesprochen und in der nächsten Arbeit hatte sie wieder eine Eins, Thema wie gehabt, sie hatte sich vor der Arbeit ihre Unterlagen angesehen, wohl wissend, dass es gerade in solchen Fächern notwendig ist, um eine gute Note zu bekommen, auch einmal etwas Falsches zu schreiben. Leider wird anderes Denken nicht honoriert und Widerspruch bestraft. Was soll es, in einem System, wo die Lüge System hat und ist, wo Dogmen gebraucht werden, um Macht zu erhalten, die Schäfchen in der Herde zu laufen haben, damit man sie besser hüten kann, da wird die Lüge befördert, in dem auch Inhalte religiösen Glaubens als Wahrheit postuliert werden. Wer religiösen Glauben favorisiert, wer Dogmen als allgemeingültig postuliert, der ist nicht nur von Wahrheiten weit entfernt, nein, es wird sogar die Lüge gefordert und gefördert, letztendlich auch gegen sich selbst.

Den meisten Menschen hierzulande tangiert religiöser Glaube nur, was nicht daran hindert, oder auch gerade darum, sie besonders vehement und penetrant mit diesen zu konfrontieren. Es gibt kaum etwas, was sich besser gegen Menschen Instrumentalisieren lässt, als religiöser Glaube und das um so mehr, um so mehr sie diesem Verfallen sind. Religiöses Denken lässt kein freies Denken zu, Denken wird gefangen in einem Korsett aus Dogmen, Lehrsätzen, Illusionen, Wunschvorstellungen, Hoffnungen und lähmt somit nicht nur das Handeln der Menschen.

Nichts für Ungut, einem jedem sei seine Krücke gegönnt, nur sollte nicht ein jeder gezwungen werden diese zu nutzen, die meisten Menschen sind durchaus in der Lage ohne eine solche Krücke durchs Leben zu gehen und das trifft erst recht auf jene Menschen zu, welche unter Verhältnissen gelebt haben, wo die Trennung zwischen Stadt und Kirche absolut war und religiöser Glaube eine private Angelegenheit.

 

 


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