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Ja, der Kapitalismus.
Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 1.7.2009 @ 12:01 In Spuren/Gefunden | 3 Kommentare
Ja, der Kapitalismus.
Das Thema war eigentlich ein anderes, gegangen ist es um den Tod einer jungen Frau, welches im Zusammenhang mit den Wahlen im Iran missbraucht wurde. Nun ist es um diese Wahlen ruhiger geworden, viele interessante, lesenswerte und realistische Berichte sind erschienen, welche den Verkündern westlicher Heilslehren, mit der Kraft der Ruhe, ihrer Argumente beraubten. Auch wurde in einigen Berichten die Frage nach dem Nutzen gestellt, wer profitiert von den Auseinandersetzungen, wer kann Nutzen daraus ziehen und wie sind sie eigentlich motiviert? Was am Anfang als spontane Erhebung dargestellt wurde, entpuppte sich als langfristig geplant, im Verlauf aggressiver Politik gegen den Iran und sich gegenüberstehende Gruppierungen wurden erkannt. Widersprüche spitzen sich zu, sie streben einer Lösung entgegen und in Zeiten von Krisen tritt vieles wesentlich klare in Erscheinung. Im Zusammenhang mit den Ereignissen im Iran wurden so auch vergessene Tatsachen wieder in den Vordergrund gerückt, so das Entwicklungen und deren Ursachen allgemein verständlicher wurden.
Diese ganze Diskussion wirft aber auch grundsätzliche Fragen auf und so kann es schon einmal vorkommen, dass selbst gesellschaftliche Formationen diskutiert werden, es zu Missverständnissen kommt, und sich in gleicher Richtung argumentativ begegnet wird. Ich hatte wieder einen Kommentar geschrieben, erschienen ist er ohne Inhalt und so werde ich hier zur Antwort Stellung nehmen. Solche Diskussionen sind durchaus hilfreich, auf meiner Suche nach Erkenntnis und fördern nicht nur das Selbstverständnis.
Hier nun die Antwort auf meinen Kommentar, welcher [1] hier nicht erschienen, aber [2] hier nachzulesen ist.
“Hallo Thomas
Haben wir “schon immer Kapitalismus” ?
Ich finde, man sollte Kapitalismus, Feudalismus und Sklaverei schon unterscheiden. Das sind wirklich verschiedene Gesellschaftsordnungen, die sich v.a. dadurch unterscheiden, dass die Menschen in jeder in einem jeweils bestimmten Verhältnis zu den Produktionsmitteln stehen. Gemeinsam ist freilich allen drei Typen, dass sie auf der Grundlage der Ziertrennung der Gesellschaft in soziale Klassen und auf der Ausbeutung der jeweiligen arbeitenden Klasse durch die herrschende Klasse beruhen.
Die begriffliche Trennung dieser drei Ausbeuterordnungen voneinander bedeutet allerdings nicht, dass sie auch konkret-historisch sauber voneinander getrennt sind. So gab es in den entwickelten Sklavenhaltegesellschaften schon feudale und sogar kapitalistische Einsprengsel, und andererseits ist selbst heute noch der Kapitalismus in gar nicht so kleinem Umfang mit feudalen und Sklavenhalter-Resten durchmengt. Aber das bedeutet nicht einfach Nebeneinander-Existenz. Es ist schon so, dass bestimmte Produktionsverhältnisse - im Kern: Eigentumsordnungen - vorherrschen und den Charakter der Ordnung bestimmen, so dass auch die jeweils koexistierenden “fremden Einsprengsel” von diesem überformt werden.
In einer Gesamtschau könnte sich später einmal rückblickend die Phase der Menschheitsentwicklung, in der Ausbeuterordnungen existierten, als Episode erweisen, glücklichen Verlauf der Geschichte vorausgesetzt. Immerhin gab es ja in weit mehr als 90 % des Zeitraums, in dem Menschen existieren, keine Ausbeutung, ist die kapitalistische die letzte denkbare (mögliche) und pfeift der Kapitalismus auf dem letzten Loch.
Meine Antwort:
Hallo Sepp,
ob nun der Kapitalismus auf dem letzten Loch pfeift, kann ich so nicht sagen, vielleicht pfeift er ja auch erst auf dem vorletzten Loch? Wie dem auch sein, sein Ende wird kommen, es ist “nur” noch eine Frage der Entwicklung!
Da meine Kommentare auf Deiner Seite ohne Inhalt erscheinen, ist es für eventuelle Mitleser schwer Zusammenhänge nach zu vollziehen. Aus diesem Grund bin ich versucht, dieses auf meiner Seite zu realisieren.
Aber nun zu Deinen Kommentar, welchen ich diesen hier voranstelle und auf meiner Seite veröffentliche.
Sicher hatte wir nicht immer Kapitalismus, selbst heute ist er nicht überall präsent, nur möchten es die Verteidiger des Systems so haben. Und so werden Theorien entwickelt, welche dem Ewigkeitsdenken entlehnt sind, um weitere Existenz zu rechtfertigen. Dem Motto entsprechend, was immer schon da war, wird auch weiter da sein, es gibt eigentlich nichts anderes. Solche Theorien waren mir eigentlich im praktischem Denken fremd, bis ich in einem Forum mit diesen konfrontiert wurde. Das eine spaltende Entwicklung der Menschheit erst vor ca. 6000 Jahren einsetzte, also den geringsten Teil menschlicher Entwicklung ausmacht, spielt da keine Rolle. Wobei Du auch damit recht hast, es gab ein System nie in Reinform, außer vielleicht den einen oder anderen Kreuzfahrerstaat, welcher einen reinen Feudalismus zelebrierte. Darauf kommt es auch weniger an, entscheidender ist, wie Du feststellst, die vorherrschende Produktionsweise. Diese wiederum wird entscheiden von den bestehenden Eigentumsverhältnisse bestimmt, welche Grundlage für die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums sind.
Auch Dein Rückblick in ehren, nur hätte, wenn und aber, alles nur Gelaber, wir leben im Hier und Jetzt, es ist die Gegenwart, welche uns bewegt und welche wir bewegen, die Vergangenheit kann uns lehren, die Zukunft wird nie über eine Vision hinauskommen. Veränderungen finden nicht in der Vergangenheit statt, genauso wenig wie in der Zukunft, sie finden immer nur in der Gegenwart statt, immer nur der gegenwärtig, existierende Mensch ist in der Lage die Gesellschaft zu verändern. Den Kapitalismus als ewige Ordnung zu manifestieren, dient dem Negieren von Entwicklungen, außerhalb dieser gesellschaftlichen Formation, denn wenn er von Anbeginn war, so wird er auch weiter sein. Das er erst auf einer ganz bestimmten Stufe der entwickelten Produktivkräfte entstehen konnte und seine Entfaltung weitere Entwicklung voraussetzte, wird gern negiert. Und so wie diese Erkenntnis sein Ende enthält, da er zwangsläufig auf einer anderen, höheren Stufe dieser Produktivkraftentwicklung wieder im Strom der Entwicklung verschwinden wird, so wird in eine Welt ewiger Wahrheiten geflüchtet, welche gesellschaftliche Entwicklung negiert und Verhältnisse als naturgegeben festschreibt, welche eigentlich nur dem Handeln der Menschen selbst geschuldet sind.
Gestern hatte ich eine interessante Diskussion, ausgehendes Thema war ein Film und die verschiedensten Privatisierungen öffentlichen Eigentums, der Weg zur gegenwärtigen Krise war zwangsläufig. Ja, um was für eine Krise handelt es sich eigentlich, diese interessante Frage tat sich so nicht auf, was aber diskutiert wurde, war die Defizitkonjunktur der letzten Jahre, dass platzen der verschiedensten Blasen und dass diese Krise schon seit Jahrzehnten permanent ist. Vieles wurde gut erkannt, ein Schluss, welcher mir entgegengebracht wurde, war der persönliche Vorteil, welcher ein jeder Mensch daraus ziehen kann. Einmal davon abgesehen, dass dieses die einzigen Vorteile sind, welche gezogen werden können, aber nur den Wenigsten, ist es schon verwunderlich, wie dieser Mechanismus bis auf den Einzelnen herabgebrochen wird, dem Prinzip Hoffnung folgend, dass ein jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, so er sich doch nur müht! Ja, der Kapitalismus, auch für sein Ende gilt, wie Friedrich Engels schon feststellte: „Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muß durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab.“ MEW Band 21, Seite 298, Ditze Verlag Berlin 1984.
Solidarischen Gruß
Thomas
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