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Die Landwirtschaft und ihre Probleme?

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 7.8.2009 @ 16:17 In Gedanken | Keine Kommentare

Die Landwirtschaft und ihre Probleme?

Nun findet sich auf der Wirtschaftsseite der MZ, Seite 16, unter „IN KÜRZE“ heute ein Beitrag mit dem viel sagenden Titel „Bauern sollen Milchmenge reduzieren“. Darin wird auf eine Forderung der Milchbauern verwiesen, auf Grund der „niedrigen Milchpreise, einen Teil der Produktion stillzulegen.“ Ziel der Aktion ist es, die Milchproduktion um bis zu 10% zu senken, welches „der Überschussmenge am Markt“ entsprechen würde. Die Molkereien müssten einen Ausgleich dafür zahlen.

Nun ja, alles schön und gut und einmal davon abgesehen, dass es eigentlich keine Überproduktion von Lebensmitteln geben kann, solange es Menschen auf dieser Welt gibt welche Hungern oder gar an den Folgen des Hungers sterben, so ist das Milchangebot in diesem Land mehr als reichlich. In erster Linie sind die Ursachen aber im gegenwärtigem Wirtschaftssystem zu sehen. Zum einen muss eine jede Ware sich über den Markt realisieren und zum anderen herrscht auch in der landwirtschaftlichen Produktion, die für dieses System typische, blanke Anarchie. Es wird nicht für den Bedarf der Bevölkerung produziert, sondern in erster Linie um Gewinne zu erwirtschaften und da kommt es schon vor, dass der eine oder/und der andere auf der Strecke bleibt. Nun ist es in diesem System auch relativ egal wie Gewinne erzielt werden, wichtig ist, dass sie erzielt werden. Das viele Unternehmen nur noch Gewinne auf Grund von Subventionen ausweisen können, trifft besonders für die Landwirtschaft zu. So eben auch für die Milchbauern, dass nun Preise soweit fallen, dass selbst die Subventionen die Verluste nicht mehr auffangen können, ist auch nicht unbedingt ungewöhnlich. Nur wem nutzen letztendlich diese Subventionen? Dem Endverbraucher, über einen niedrigen Preis für Milch und Milchprodukte? Eigentlich nicht, denn dieser muss letztendlich für jegliche Subventionen aufkommen! Nutzen diese dem Bauern? Eigentlich nur solange, solange Verluste damit auszugleichen sind und sein Einkommen garantieren, welches nun nicht mehr der Fall zu sein scheint.

Die Anarchie des Wirtschaftens macht es möglich und in erster Linie partizipieren die großen Unternehmen, egal ob in der Produktion oder im Handel. Auch eine angestrebte Verringerung der Produktionsmenge an Milch um 10% würde nur den großen Produzenten nutzen, auch wäre das Problem damit nicht zu lösen. Das einzige was erreicht werden könnte, dass bestehende Subventionen für den Verlustausgleich ausreichend sein würden.

Innerhalb dieses Wirtschaftssystems sind strukturelle Defizite nicht zu lösen, maximal mittels Subventionen zu kompensieren. Heute existiert eine Landwirtschaft, welche nach den Erfordernissen des Marktes strukturiert ist, ihr obliegt nicht mehr die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu gewährleisten, sondern sie ist in erster Linie Rohstofflieferant für die Industrie. Der Markt bestimmt was die Bauern produzieren wogegen das Versorgungsbedürfnis der Bevölkerung nur noch Mittel zum Zweck ist. Und der Markt braucht viel Milch, zu viel Milch, zum einen drückt der Überschuss die Preise und zum anderen werden Überschüsse gebraucht um Verluste zu kompensieren, welche zwangsläufig bei kurzlebigen Waren in großflächigen Strukturen entstehen, allein schon durch das ständigen Vorhalten der Waren im anarchistischen „Wettbewerb“ der verschiedensten Händler. Da reicht es schon lange nicht mehr, dass Milchprodukte z.B. immer länger haltbar gemacht werden.

Marktwirtschaft setzt die Produktion am gesamtgesellschaftlichen Bedarf vorbei voraus. So auch bei der Milch. Damit der Handel mit Milchprodukten, solange diese nicht nur reines Lockmittel sind, noch Gewinne erwirtschaften kann, reicht es nicht mehr diese immer länger haltbar zu machen, um sie immer länger in den Regalen halten zu können, sondern es müssen auch die Abschriften, die Verluste, die nicht verkauften überschüssigen Produkte, in Gewinn verwandelt werden. Zu diesem Zwecke werden gern Subventionen in Anspruch genommen, da es aber leichter ist der Bevölkerung die Notwendigkeit solcher über Arbeit zu vermitteln, als über den Handel, werden die Produzenten subventioniert, welche sich in den seltensten Fällen bewusst sind, das sie diese eigentlich nur durch zureichen haben.

Eine Minder-Produktion von Milch wird so die Probleme nicht lösen können, da sich die Industrie die darüber hinaus benötigte Ware woanders besorgen wird. Einen kosten-deckenden Preis zu erzielen und entsprechende Möglichkeiten zu erschließen, setzt voraus sich erst einmal mit der eigenen Stellung im Reproduktionsprozess zu beschäftigen und die Rolle von Subventionen richtig einzuschätzen. Um aber eine Verbesserung der Situation vieler Bauern zu erreichen, müssten sich diese ihrer ursprünglichen Rolle bewusst werden und die damit verbundene Macht erkennen und konsequent nutzen. Über den Preis lassen sich diese Probleme nicht lösen, genauso wenig wie mit Hilfe von Subventionen.

 


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