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Gedanken zum Gildefest.
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 8.8.2009 @ 23:32 In Leserbrief, Quedlinburg, Gedanken | Keine Kommentare
Gedanken zum Gildefest.
Nun berichtet heute die [1] MZ über die Eröffnung des Glidefestes in Quedlinburg. Der bezeichnende Titel: „Preußens Gloria bei Kaiserwetter“, Gloria Halleluja, mögen die Spiele beginnen, oder in diesem Fall die Schießübungen auf Scheiben und die Erstürmung des Einkaufstempels Innenstadt. Selbst der Kaiser, sofern wir noch einen hätten, würde dieses Wetter nutzen und seine Bediensteten zum Einkauf schicken, so die Intention. Glücklicherweise haben wir nun keinen Kaiser mehr und ob dieser nur bei schönen Wetter sein Schloss verlassen hat und sich dem Volke zeigte, ist durchaus fraglich, genauso wenig wie er für das Wetter verantwortlich gemacht werden könnte. Für den preußischen Militarismus aber schon, für welchen gerade der Letzte der deutschen Kaiser stand, und so wäre er wahrscheinlich eher bei den Schießübungen, als beim bummeln in der Innenstadt anzutreffen.
Ja aber, ja aber die Tradition und Tradition soll ja bekanntlich verpflichten, nur muss man sich ja nicht unbedingt verpflichten lassen.
Aber gut, die Zeiten sind hart, große Ereignisse (welche auch immer) werfen ihre Schatten voraus und so wird der Zeitungsbeitrag wie folgt eröffnet: „Den Appell, näher zusammenzurücken, richtete am Freitag Quedlinburgs Bürgermeister Eberhard Brecht an die Quedlinburger Händler und Gewerbetreibenden. Sie sollten dem Beispiel der Kaufmannsgilde und den Werbegemeinschaften Steinbrücke und Neustadt folgen, die das 9. Gildefest organisieren.“
Dem Gegenstand entsprechend ist hier natürlich die Kaufmannschaft Adressat für den Appell, die Akteure sind aber durchaus austauschbar, wie auch die Beweggründe von Appellen. Nur ist appellieren wie auch lamentieren selten dazu angetan Veränderungen zu bewirken und für manchen Appell ist es besser wen er verhalt und Widerhall ihm versagt bleibt. Das soll in keiner Weise die Notwendigkeit negieren Problem dieser Stadt gemeinsam zu lösen und wirtschaftliche Strukturen zu entwickeln, welche aus eigener Kraft wirken und die Region stärken helfen. Solche Beweggründe möchte ich dem Bürgermeister aber nun wirklich nicht unterstellen, dass dieses nicht seine Intention ist, war in jüngerer Vergangenheit an den Verkaufsbestrebungen betreffs der Stadtwerke zu sehen. Welche leider auch aus den Reihen der Gilde unterstützt wurden und letztendlich nur die Destabilisierung regionaler Wirtschaft bedeutet hätte.
Aber gut, zusammenrücken, die Reihen fest geschlossen, um den „Wirren“ der Gegenwart zu begegnen? Dazu passte auch das „die Rolandschützen zu zackiger Marschmusik vor das Rathaus marschiert“ sind und „der Kommunalpolitiker (Bürgermeister) hofft, dass die Stadt auch weiter bunt und nicht braun bleibe. Symbolisch dafür stiegen hunderte Luftballons gen Himmel.“ Einmal davon abgesehen, dass die Hoffnung ja zuletzt sterben soll, können auch bestimmte Probleme herbeigeredet werden. Andererseits, negieren nicht gerade uniformierte Menschen, marschierend zu „zackiger“ Marschmusik, eine bunte Stadt? Da stellt sich nicht unberechtigter Weise die Frage, was der Bürgermeister unter einer bunten Stadt versteht?
Wie ich an [2] anderer Stelle schon feststellte, sind die ausgemachte Zielgruppe, die Verursacher solcher Äußerungen, der Gegenstand der Betrachtung, die sich bekennenden „Braunen“, oder besser Faschisten, welche gelegentlich auch durch Quedlinburg marschieren und im Stadtbild anzutreffen sind, nicht aber der alltägliche Faschismus, welcher durchaus seine Wurzeln auch im Militarismus hat und sich nicht unerheblich aus dem absturzgefährdeten Kleinbürgertum (der absturzgefährdeten Mittelschicht) rekrutiert.
Nun hat dieses Volkskonsumfest durch die Beteiligung des Schützenvereins eine erweiterte Ausrichtung erhalten, welche sicher politisch gewollt ist. Es geht nicht mehr nur um Kaufmotivation durch Kulturangebote, sondern auch um die Akzeptanz einer gewissen militanten Ausstrahlung. Menschen in Uniform sind im Straßenbild präsent, erst einmal Hobbykrieger, welche sich in ihrer Freizeit im Gebrauch von Waffen üben. Da deutsche Konsuminteressen aber auch in Afghanistan verteidigt werden, wie von offizieller Politik verkündet, wird um Krieg zu führen auch das Volk gebraucht, wenn es auch bloß als Kanonenfutter ist.
Wer in fremden Ländern Kriege führt, braucht auch zu Hause eine entsprechende Stimmung.
Wer Kriege führt, braucht Helden in Uniform und schafft sich diese.
Wer Kriege führt, braucht Zwietracht, um der Gefahr der Eintracht zu begegnen.
Wer Kriege führt, muss Unterschiede manifestieren, um Gründe für Kriege zu installieren.
Wer Kriege führt, braucht Krieger, welche mit Waffen umgehen können.
Wer Kriege führt, braucht naiv gläubige Menschen, welche sich leicht missbrauchen lassen.
Wer Kriege führt, braucht Patriotismus, welcher sich missbrauchen lässt.
Wer Kriege führt, muss die Menschen an kriegerisches Ritual und Gewalt gewöhnen.
Nun wird Quedlinburg selbst keine Kriege führen, aber auch hier ist das Bestreben zu erkennen den Boden zu bereiten. Die Parteisoldaten der Kriegsparteien stehen Gewehr bei Fuß und nehmen Einfluss auf ihr Volk.
Gestern Abend und heute Morgen war ich unterwegs und schaute auf das Treiben. Die Straßen waren nicht so gut gefüllt wie in den letzten Jahren, auch waren weniger Stände vor Ort. Diese Tendenz war in den letzten Jahren aber auch schon zu beobachten, wobei heute noch einige Händler gegenüber Freitag hinzugekommen sind. Die Angebote der Straßenhändler sind von der billigsten Sorte und nicht besonders vielfältig. Meistens handelt es sich um Produkte welche eigentlich kein Mensch braucht, die gelegentlich trotzdem gekauft werden, wobei lange nicht mehr so intensiv und viel wie noch vor einigen Jahren. Die Straßenhändler machen nicht unbedingt einen zufriedenen Eindruck, die etablierten Geschäfte hingegen sind nicht schlecht besucht und so manch einer nutzt die Angebote des Sommerschlussverkauf.
Dem Gildefest ist eigentlich Erfolg zu wünschen, es wird einiges geboten, darunter Veranstaltungen für die verschiedensten Geschmäcker, den militanten Tatsch hätte man sich sparen können.
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l&aid=1246046531215&openMenu=1121028317468&calledPageId=1121028317468&listid=1121028317460
[2] anderer Stelle: http://privatisierung-stadtwerke-quedlinburg.kucaf.de/2009/08/07/martialischer-b
eginn-gildefest-in-quedlinburg/
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