Gedanken zu religiösem Glauben.
Nun gab es auf meinen Kommentar eine Antwort und wie es scheint bin ich vielleicht etwas undifferenziert an die Problematik herangegangen. Undifferenziert dahingehend, dass bestimmte Praktiken der Religionsausübung durchaus befreienden Charakter haben können. Befreiend aber nur im Sinne von entlasten, durch Beeinflussung bestimmter Machtstrukturen, nicht aber deren Negierung. Einen Punkt, eine Voraussetzung für Freiheit schließt Religion an sich schon aus, nämlich die Freiheit des Denkens. Die Freiheit des Denkens vollbringen auch nicht die Freiheitstheologen, sie geben ihrem Gott aber dem ihm genommenen Charakter zurück.
Bevor der christliche Gott ein allgemeiner, alles und damit nichts Gott wurde, war er ein befreiender Gott, er führte das Volk Israel aus die Knechtschaft, er befreitet es. Diese Eigenschaft wurde ihm genommen, wäre ja noch schöner, wenn ein Glaube, welcher der Manifestierung von Herrschaft dienen soll, sich auf einen befreienden Gott berufen würde. Religion ist auch immer Mittel zum Zweck, nie Selbstzweck, denn verschiedensten Interessen geschuldet, für die verschiedensten Interessen genutzt, gebraucht und missbraucht, wird sie dem jeweiligem Zweck entsprechend eingesetzt. Auch sie unterliegt den Wandlungen der Zeit, den gesellschaftlichen Entwicklungen und entspringt den sozialökonomischen Verhältnissen. Aber selbst die Rückkehr zu den Ursprüngen beendet die Unfreiheit religiösen Glaubens nicht. So wie Religion nicht wissenschaftlich sein kann und ist, so ist religiöses Denken auch in keiner Weise frei, es unterliegt den jeweiligen, religiösen Konventionen und Vorstellungen.
Dieses bedeutet aber nicht, dass nicht gemeinsam mit religiös gläubigen Menschen für gesellschaftlichen Fortschritt gekämpft werden kann. Ein gemeinsamer Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung, gegen Krieg, für Frieden ist durchaus möglich und notwendig, auch ein gemeinsamer Einsatz für Toleranz und gegenseitige Achtung.
