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Krieg und ökonomische Interessen.
Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 7.9.2009 @ 15:12 In Krieg und Frieden, Spuren/Gefunden | Keine Kommentare
Unter dem bezeichnenden Titel „Die Triebfeder des Krieges“ findet sich [1] hier ein interessanter Beitrag aus dem Jahre 2001. An Bedeutung hat er eigentlich nichts verloren und die Ereignisse seit erscheinen des Beitrages bestätigen weitgehend die Aussagen.
Ein interessanter Bericht, letztendlich bleibt er aber etwas an der Oberfläche, oder besser am Öl kleben und das, obwohl er gelegentlich in die „Tiefe“ abgleitet. Die Triebfeder des Krieges liegt im System selbst begründet, es ist der beständige Zwang zur Kapitalakkumulation, welcher letztendlich nur durch beständiges Wachstum zu realisieren ist.
Öl ist zwar der primäre Rohstoff des zwanzigsten Jahrhundert und wird dieses sicher noch in der ersten Hälfte des einundzwanzigsten Jahrhunderts sein, nur ist es nicht Ursächlich für die Aggressivität dieses Systems.
„Im Jahr 2000 haben die USA 19,5 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht; diese Zahl soll bis zum Jahr 2020 auf 25,8 Millionen gesteigert werden.
Mit 4% der Weltbevölkerung verbrauchen die USA ein Viertel der weltweiten Energieproduktion. Dieses enorme Missverhältnis ist vielfach beobachtet und verurteilt worden. Es wirft ein doppeltes, ökologisches und ökonomisches Dilemma auf. Denn was ökologisch sinnvoll ist, erweist sich als ein Todesurteil für die private Kapitalakkumulation, und dies umso mehr, je bedeutender der Wirtschaftsraum ist. Die US-Ökonomie ist Gefangene ihrer eigenen Größe. Die Abhängigkeit vom Öl ist die treibende Kraft hinter dem Hegemonieanspruch der USA. Der Zwang, sich den Großteil der Ressourcen der Erde zu unterwerfen, diktiert ihr Streben zu einer imperialen und militärischen Supermacht.“
Auch hier ist es nicht in erster Linie die Abhängigkeit vom Öl, wie schon geschrieben, dieses könnte auch erworben werden, und wird es auch, trotz Krieg, sondern der Zwang zum ungebremsten Wachstum, dem Zwang zur Kapitalakkumulation, und der daraus resultierende Zwang optimaler Verwertungsbedingungen! Dieses lässt sich im eigenem Interesse am besten realisieren, wenn die entsprechende ökonomische Macht, durch die entsprechende politische Macht ergänzt wird, und so die Bedingungen für die Akkumulation optimal gestalten werden können.
Der Widerspruch von Ökonomie und Ökologie könnte ja auch zu Gunsten der Ökologie gelöst werden, welches letztendlich in einer Symbiose von Ökonomie und Ökologie im Interesse der Menschen enden würde, unter kapitalistischen Bedingungen aber nicht zu realisieren, diese Symbiose würde sich nicht nur als Todesurteil für die private Kapitalakkumulation erweisen, sondern für die Kapitalakkumulation schlecht hin.
„Die Abhängigkeit der Regierung von den Ölkonzernen, der Druck der Konzerne auf eine Steigerung der Ölproduktion um 25%, Unilaterialismus in der Außenpolitik und erhöhten Druck für militärische Intervention überall dort, wo Ölinteressen auf dem Spiel stehen — das ist das Grundmuster der derzeitigen US-Politik, und es ist der wahre Hintergrund für den Krieg gegen Afghanistan.“
Es ist übrigens irrelevant von welchen Konzernen eine Regierung abhängig ist, am Grundproblem des Systems ändert sich dadurch nichts. Gedacht sei nur am militärisch, industriellen Komplex, dessen Einfluss auf die Regierung sicher nicht geringer ist, als der der Ölkonzerne.
Und wie schon geschrieben, wer die ökonomische Macht inne hat, ist auch bestrebt die politische Macht inne zu haben. So konnten sich die USA zum Beispiel die ökonomische Macht in Afghanistan erkauften, dass mittelalterliche, politische System, welches die Taliban errichteten, wurde ihren politischen Anforderungen, welche Notwendig sind um die eigenen ökonomischen Interessen durchzusetzen, aber nicht gerecht.
Die folgenden Zitate wurden einem „Sitzungsprotokoll von einer Anhörung des Unterausschusses Asien und Pazifik des Auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses.“ entnommen und im oben genannten Beitrag wiedergegeben:
„Erklärte energiepolitische Ziele der USA in dieser Region umfassen: die Stärkung der Unabhängigkeit dieser Staaten und ihrer Bindungen an den Westen; Russlands Monopol über die Transportwege für Öl und Gas zu brechen; die Sicherheit der Energieversorgung des Westens durch eine Vervielfältigung der Anbieter zu fördern; den Bau einer Ost-West-Pipeline zu betreiben, die nicht durch den Iran führt; Iran die gefährliche Kontrolle über zentralasiatische Ökonomien zu entziehen.“
Nun handelt es sich hier durchaus um politische Ziele, es geht um die Vormachtstellung in einer Region und zwar als Rohstofflieferant, Investitionsmöglichkeit, und Absatzmarkt, es geht um die Neuaufteilung der Welt in Interessensphären. Es geht um Unabhängigkeit, in dem neue Abhängigkeiten geschaffen werden, erst ökonomische, dann politische.
„Darüber hinaus wollen die USA verhindern, dass ein einzelnes Land die Kontrolle über die Region erlangt; stattdessen drängen sie alle verantwortlichen Staaten, bei der Ausbeutung der regionalen Öl- und anderen Vorkommen miteinander zu kooperieren.“
Wollen das die USA? Eigentlich doch nicht, eigentlich wollen sie selbst die Kontrolle und wenn darauf gedrängt wird, dass die „verantwortlichen Staaten, bei der Ausbeutung der regionalen Öl- und anderen Vorkommen miteinander zu kooperieren.“ haben, so doch nur im Interesse der USA.
„Zentralasien bietet bedeutende neue Investitionsmöglichkeiten für eine große Vielzahl amerikanischer Unternehmen; im Gegenzug wird dies die wirtschaftliche Entwicklung in der Region erheblich voranbringen. Japan, die Türkei, der Iran, Westeuropa und China — sie alle suchen nach wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten und fordern die Vorherrschaft Russlands in dieser Region heraus. Für US-Politiker ist es unerlässlich, dass sie verstehen, was in Zentralasien auf dem Spiel steht. Wir versuchen eine Politik zu formulieren, die die Interessen der USA und der US-Wirtschaft bedient.”
Es geht um die Vormachtstellung in einer Region, es geht um die Optimierung der Verwertungsbedingungen des Kapitals und zu diesem Zweck ist es nicht nur wichtig die ökonomische Macht in dieser Region zu erringen, sondern dieses auch durch politischen Macht zu untermauern. Dabei ist es erst einmal unbedeutend welcher Rohstoff zum Gegenstand der Betrachtung erhoben wird. Wenn es nämlich nur um die Rohstoffe gehen würde, so könnten diese sicher auch erworben werden, der „Freie Markt“ soll ja solches durchaus ermöglichen. Hier geht es aber auch um Investitionsmöglichkeiten und um Absatz von Waren, letztendlich um Kapitalakkumulation, welche dieses System benötigt wie die Luft zum atmen. Zu guter Letzt bieten Kriege selbst hervorragende Möglichkeiten um Kapital akkumulieren zu lassen.
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