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Stadtfest!

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 15.9.2009 @ 20:04 In Quedlinburg, Gedanken | 3 Kommentare

Stadtfest!

Nun fand am letzten Wochenende nicht nur der Tag des offenen Denkmals in Quedlinburg statt, sondern auch ein Stadtfest. Thema dieses Jahr, „[1] Kaleidoskop der Zwanziger“ oder die goldenen Zwanziger. Glorreich die Zeit, glorreich die Erinnerung und Parallelen durchaus auszumachen. Da zwängt man sich gern in Kostüme, kleidet sich der Zeit entsprechend und Frohlockt der heilen Welt. Kleinbürgerliche Ausschweifungen werden als der Inbegriff vergangener Kultur gefeiert, ohne die Kehrseite der Medaille auch nur in Betracht zu ziehen. Vom [2] Absint gezeichnete Menschen, versinnbildlicht im Hochgefühl von Kultur, vom Schnupfen des [3] Kokain verursachte Illusionen folgend, der wirklichen Welt zu entrinnen trachtend, entwickelte sich diese Kultur der zwanziger Jahre, in einer Zeit, welche durch Bürgerkriege, Wirtschaftskrisen, [4] Hyperinflation und wachsender Massenverelendung gekennzeichnet war.

Heute wird diese Zeit glorifiziert, verklärt und sehr einseitig betrachtet. Es ist Streben, dass kleinbürgerliche Lebensgefühl von damals auferstehen zu lassen,  und Parallelen sind durchaus offensichtlich. Nur wird diese Flucht, heute, wie auch damals, die Probleme der Zeit nicht lösen und es sei auch erinnert, welcher Katzenjammer dem Exzess damals folgte. Nach dem die Flucht in einen extensiven Lebensstiel nicht fruchtete und immer mehr Kleinbürger „abstützten“, von der Massenverelendung tangiert, oder gar in ihr eintauchten, besann man sich alter Tugenden, schwenkte um und rekrutierte die braunen Horden. Den goldenen Zwanzigern, folgten die braunen Dreißiger und die vernichtenden Vierziger.

[5] Kaleidoskop, also das Schöne ansehen, was ist schon dagegen zu sagen, nur wo Licht ist, ist auch Schatten und wenn historische Epochen betrachtet werden, werden diese oft zum Gegenstand der Verklärung. Und wer hat nicht als Kind gern in ein Kaleidoskop geschaut und der Fantasie freien Lauf gelassen? Was für eine Zeit, was für eine Erfahrung, was für eine Realität!

Nun war ich am Samstag nicht auf dem Markt, um die Buntheit der zwanziger Jahre, welche für die Mehrheit der damals lebenden eher grau waren, zu zelebrieren. Am Sonntag Morgen habe ich aber beim Aufbau eines Standes geholfen und war dazu mit einem Bekannten um 8.30Uhr an der Marktkirche. Dort trafen wir auf einen Bekannten des Bekannten und mir Unbekannten, welcher den Abend des Vortages folgendermaßen beschrieb: „kurz könnte man sagen, auf dem Markt waren jene die sich einbildeten etwas Besseres zu sein und am Matildenbrunnen feierte das Volk.“ Vielleicht hat er damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

Wie es in Quedlinburg so ist, es ist immer für jeden etwas dabei! Die einen Zelebrieren ihre Flucht aus der Gegenwart, in dem sie sich der Vergangenheit ergeben und die anderen feiern einfach, was auch immer, der Gelegenheit entsprechend. Wobei heute zu beobachten ist, dass auch eine wachsende Zahl von Quedlinburgern sich solche Feier nicht mehr leisten können, oder besser, sich bei solchen Feiern nichts leisten können und als Zaungäste am Rande stehen. Vielleicht mit der Flasche Bier aus dem Supermarkt in der Hand. Nun, die Zeiten ähneln sich und die Zeiten ändern sich!

 

 


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l&aid=1246046568828&openMenu=1121028317468&calledPageId=1121028317468&listid=1121028317460

[2] Absint: http://de.wikipedia.org/wiki/Absint
[3] Kokain: http://de.wikipedia.org/wiki/Kokain
[4] Hyperinflation: http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperinflation
[5] Kaleidoskop: http://de.wikipedia.org/wiki/Kaleidoskop

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