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Gedanken zu religiösem Glauben.

Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 30.9.2009 @ 23:57 In Spuren/Gefunden, Gedanken | 1 Kommentar

Gedanken zu religiösem Glauben.

Nun gab es auf meinen Kommentar eine Antwort und wie es scheint bin ich vielleicht etwas undifferenziert an die Problematik herangegangen. Undifferenziert dahingehend, dass bestimmte Praktiken der Religionsausübung durchaus befreienden Charakter haben können. Befreiend aber nur im Sinne von entlasten, durch Beeinflussung bestimmter Machtstrukturen, nicht aber deren Negierung. Einen Punkt, eine Voraussetzung für Freiheit schließt Religion an sich schon aus, nämlich die Freiheit des Denkens. Die Freiheit des Denkens vollbringen auch nicht die Freiheitstheologen, sie geben ihrem Gott aber dem ihm genommenen Charakter zurück.

Bevor der christliche Gott ein allgemeiner, alles und damit nichts Gott wurde, war er ein befreiender Gott, er führte das Volk Israel aus die Knechtschaft, er befreitet es. Diese Eigenschaft wurde ihm genommen, wäre ja noch schöner, wenn ein Glaube, welcher der Manifestierung von Herrschaft dienen soll, sich auf einen befreienden Gott berufen würde. Religion ist auch immer Mittel zum Zweck, nie Selbstzweck, denn verschiedensten Interessen geschuldet, für die verschiedensten Interessen genutzt, gebraucht und missbraucht, wird sie dem jeweiligem Zweck entsprechend eingesetzt. Auch sie unterliegt den Wandlungen der Zeit, den gesellschaftlichen Entwicklungen und entspringt den sozialökonomischen Verhältnissen. Aber selbst die Rückkehr zu den Ursprüngen beendet die Unfreiheit religiösen Glaubens nicht. So wie Religion nicht wissenschaftlich sein kann und ist, so ist religiöses Denken auch in keiner Weise frei, es unterliegt den jeweiligen, religiösen Konventionen und Vorstellungen.

Dieses bedeutet aber nicht, dass nicht gemeinsam mit religiös gläubigen Menschen für gesellschaftlichen Fortschritt gekämpft werden kann. Ein gemeinsamer Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung, gegen Krieg, für Frieden ist durchaus möglich und notwendig, auch ein gemeinsamer Einsatz für Toleranz und gegenseitige Achtung.

Jede Religion hat ihre sanften und harten Seiten und in jeder Religion steckt der Keim des Extremen, Unversöhnlichen, Absoluten, welches entscheidend durch die jeweiligen sozialökonomischen Verhältnisse beeinflusst wird. Auch werden Religionen, ob durch, oder gegen den Willen der Gläubigen oft instrumentalisiert und dieses besonders in Zeiten von Krisen. Sie werden zum polarisieren genutzt und gern auf der Suche nach Sündenböcken verwandt, in dem religiöse Motivationen unterstellt werden, wo es eigentlich um rein ökonomische Interesse geht. Ablenkung ist alles und so wird selbst versucht diverse Formen des Kampfes (z.B. nationale Befreiungskämpfe, oder/und Klassenkämpfe) auf eine religiöse Grundlage zu ziehen, um von den eigentlichen wirtschaftlichen Interessenlagen abzulenken. Schaut man aber hinter die Kulissen muss man feststellen, dass es sich letztendlich um knallharte, ökonomische Interessen handelt.

Religiöser Glaube kann nicht frei sein, aber die verschiedensten Arten religiösen Glaubens verdienen es gleich behandelt zu werden.

Hier ein Kommentar, dessen Gegenstand [1] hier nachzulesen ist.    

Hallo Sepp,

recht hast Du und ich muss mal wieder feststellen, dass Übung Not tut.

Es geht um die Menschen und aus welchen Beweggründen sie immer auch Veränderungen anstreben, wichtig ist die Richtung dieses Streben. Je nach Stand der gesellschaftlichen Entwicklung sind die Menschen im unterschiedlichen Maße religiös geprägt. Diesem nicht Rechnung zu tragen wäre töricht, viel wichtiger ist es die Gleichberechtigung der einzelnen Religionen zu gewährleisten. Dieses gilt auch für den Staat und insbesondere für das Bildungssystem. Ich bin zwar für eine strikte und konsequente Trennung von Staat und Kirche, aber wenn dieses nicht gewollt ist, wie in diesem Land üblich, so gilt der Kampf bis zur Durchsetzung dieser Forderung, der Gleichbehandlung der verschiedenen Religionen.

Andererseits werden Religionen gern genutzt um diverse kriegerische Ambitionen hinter einem religiösen Denkmantel zu verstecken, wie gegenwärtig im Kampf gegen den Terrorismus zu beachten ist.

Ja, es geht um die Menschen und um ihre Interessen, dass Übereinstimmende sollte herausgestellt werden und über das trennende kann geredet werden. In jedem Fall darf kein Mensch wegen seines religiösen Glaubens benachteilig, aber auch nicht bevorteilt und/oder für fremde Interessen instrumentalisiert werden. Du hat auch Recht, eine jede Diskussion über Religion sollte letztendlich in der Grundfrage  aller Philosophie enden.

Gruß

 


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