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Kommunistische Bewegung, wie und wohin?
Dieser Eintrag stammt von kucaf Am 4.10.2009 @ 02:25 In Spuren/Gefunden, Gedanken | 5 Kommentare
Kommunistische Bewegung, wie und wohin?
Eine interessante Diskussion ergibt sich [1] hier, das ursprüngliche [2] Thema eigentlich verlassend, geht es um die Zukunft kommunistischen Seins. Eigentlich eher der Zukunft der kommunistischen Bewegung. [3] Hier ein anders Thema, welches im Zwiegespräch der Kommentare selbes Problem mit anspricht. So habe ich mich erdreistet einen [4] Kommentar zu schreiben, wobei ich den Beitrag eines Diskutanten unter die Lupe nahm und meine Meinung äußerte.
Hallo Lupe,
Du hast zwar an Sepp geschrieben, da ich aber diese Diskussion durchaus interessant und notwendig finde möchte ich einige Gedanken dazu Äußern.
Insgesamt sind es interessante Gedanken welche hier geäußert werden, aber nicht nur eine Tradition ist wichtig, sondern auch das sich Bewusstseins dieser. Und sicher hast Du recht, wenn auf die mangelnde revolutionäre Tradition der Deutschen verwiesen wird, aber nur auf die jüngere Geschichte bezogen. Geht man etwas weiter zurück, so kann man eigentlich erstaunliches entdecken, nämlich dass dieses Volk durchaus revolutionäre Traditionen hat. Vielleicht sind gerade diese Traditionen ursächlich für spätere, revolutionäre Trägheit oder Erfolglosigkeit?
Interessante wäre zum Beispiel zu ergründen warum jüngere Revolutionen in diesem Land von Erfolglosigkeit geprägt waren. Und welche Ursachen sind dafür verantwortlich, dass in anderen Ländern gerade proletarische Aktionen erfolgreicher durchzuführen sind? Historisch betrachtet sollten Argumente nicht zu kurz greifen und einfache Feststellungen helfen in den seltensten Fällen weiter.
Was nun die jüngere Geschichte, gerade im Zusammenhang mit einer kommunistischen Bewegung betrifft, so ist differenzierte Betrachtungsweise gefragt, nicht nur weil sich eine Bewegung nicht so einfach entsorgen lässt. Eine Antwort ist schwerlich möglich ohne die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges mit zu berücksichtigen. Deutschland wurde nicht nur in zwei Staaten geteilt, welche eine unterschiedliche, gesellschaftliche Entwicklung nahmen, sondern durch dieses Land lief auch die Trennlinie zwischen den zwei System und der kalte Krieg tobte hier am heftigsten. Gleichzeitig polarisierten im Ergebnis dessen aber auch die zwei deutschen Staaten, was nicht ohne Bedeutung für die kommunistische Bewegung war. Und nach der Wiedervereinigung war keine kommunistische Kraft in der Lage das Erbe der deutschen Teilung zu bewältigen, bis heute nicht.
Die Kettentheorie ist nicht uninteressant, aber es wurde keine Kette zerrissen, sie ist nur reichlich dünn geworden, ein wahres Wirrwarr aus vielen Fäden, welche zum Teil kreuz und quer durcheinander laufen, und danach verlangen geordnet, sortier, und zu einen Strick verwoben zu werden.
Die vertretene Muttertheorie ist auch nicht schlecht, wenn man die Mutterrolle übernehmen möchte, doch der Faden wird mit dem Verbot der KPD zu spät aufgenommen, denn auch diese war nur eine Tochter, welche aber ohne direkte Nachkommen gemeuchelt wurde und es nicht vermochte sich selbst wieder zu erheben. Und welches Erbe hat die KPD verwaltet? Ist dieses Erbe verloren gegangen? Nein, es besteht fort und es gilt sich eigentlich dieses Erbe wieder zu erschließen.
Andererseits, das nun die Töchter nicht den Mütter gleichen, sondern ihnen maximal ähnlich sind, liegt in der Natur der Dinge. Geschichte ist kein statischer Prozess, sondern bedeutet Entwicklung und Veränderung, so wurden die Töchter in eine andere Zeit hineingeboren als die Mutter. Was die Mutter wusste, müssen die Töchter heute wieder lernen, nämlich entsprechend der herrschenden Bedingungen und vertretenen Interessen zu agieren. Wenn sich in diesem System vieles zu wiederholen scheint, so ist es doch von beständiger Veränderung betroffen, es entwickelt sich und so ändern sich auch die Anforderungen an eine kommunistische Bewegung.
Ich bezweifle auch, dass das Proletariat eine Mutter braucht, ein jeder Proletarier hat selbst ein und eine jede Proletarierin auch, sie haben auch einen Vater und von beiden sind sie mehr oder weniger geprägt worden. Und einmal ehrlich, ich habe lange den lenischen Gedanken von der Avantgarde zurückgewiesen, nun beginne ich mich mit diesen wieder anzufreunden und das nicht ohne Grund. Nein, das Proletariat, was sich erst einmal wieder selbst erkennen muss, braucht keine Mutter, welche sich um seine Interessen kümmert, das kann es ganz gut allein, sondern es braucht einen Lehrer, welcher es befähigt seine wirklichen Interessen zu erkennen und diese auch durchzusetzen. Die kommunistische Bewegung in diesem Land ist aber weit davon entfernt in einer solchen Rolle akzeptiert zu werden. Sie muss sich erst einmal selbst wieder finden und sich dieser Rolle als Würdig erweisen.
Noch einmal zum Muttergedanken, eine Mutter ist auch immer eine Leitfigur und seien wir doch ehrlich, gibt es nicht genug Leithammel welche versuchen das Proletariat in ihre Spur zu bringen? Nein, es kommt darauf an das Proletariat zu befähigen in seiner eigenen Spur zu gehen und dazu muss diese erst einmal gefunden werden.
Du führst 12 Punkte an, welche zu klären seien, hier meine Vorschläge:
Zu 1.) es ist besser den Muttergedanken zu den Akten zu legen und sich seiner historischen Wurzeln zu besinnen.
Zu 2.) Vielfalt richtet erstmal keinen Schaden an, ganz im Gegenteil, sie ist ein Fund mit dem man durchaus wuchern kann, diese lässt sich in organisatorischer Einheit aber wesentlich besser entfalten.
Zu 3.) Es geht ja jetzt schon nicht gut, mit der bloßen Existenz! Andererseits, in wie fern macht es Sinn das Fahrrad neu zu erfinden, wo es eigentlich gilt es zu verbessern, den aktuellen Bedürfnissen anzupassen?
Zu 4.) Den Kommunismus saugt keiner mit der Muttermilch ein, er muss durch den Kopf, frei nach F. Engels, alles was die Menschen in Bewegung setzt muss durch ihren Kopf hindurch, welche Form es darin annimmt hängt sehr von den Umständen ab!
Zu 5.) Nicht aufs Ziehen kommt es an, eher gilt es anzuleiten, aufzuklären, Anstöße zu geben. Auch ist das Rüstzeug längst vorhanden, verbesserungswürdig zwar, nun sollt man es auch nutzen.
Zu 6.) Irgendwo ist sinngemäß zu lesen, im Kommunistischem Manifest, dass die Kommunisten keine Interessen haben, welche los gelöst von den Interessen der arbeitenden Bevölkerung sind, daraus leitet sich auch ihre Rolle ab. Die Identität entsteht über die Interessen.
Zu 7.) Wie ist die Frage gemeint? Als Reparaturwerkstadt?
Zu 8.) Wozu, weshalb, warum, wieso? Und warum nicht, wenn sie sich innerhalb der kommunistischen Bewegung als Notwendig erweisen!
Zu 9.) dito
Zu 10.) Phrase hin und Phrase her, den Kontakten entsprechend und entspringend! Die Ansprache sollte persönlich sein und persönlicher Erfahrung folgend. Was ebenfalls wichtig ist, wenn sich jemand für diese Bewegung interessiert, so sollte in jedem Fall persönlich Kontakt aufgenommen werden. Beitrittserklärungen via Internet oder ähnliches sind in die Tonne zu drücken.
Zu 11.) Genossen: klassisch, traditionell, bekennend, verbindend
Zu 12.) Nun wird es kompliziert, diese Frage ist sicher nicht in Kürze zu beantworten, lohnt aber in jedem Fall drüber nachzudenken. Dieses unter den Gesichtspunkt, welche Bedingung und Strukturen befördern Sektierertum und was ist Opportunismus?
Nun war ich nicht gefragt, werde trotzdem meine Meinung sagen, und da habe ich auch eine zur DKP. Vor Jahren habe ich versucht direkten Kontakt auf zu nehmen, da ich mir nicht anders zu helfen wusste und im Internet nur die Telefonnummer der Zentrale gefunden habe, habe ich dort angerufen, mit der Bitte mir mitzuteilen wo ich in meiner Gegend Ansprechpartner der Partei finde. Ja, da gäbe es jemanden, wurde mir mitgeteilt und dieser würde sich mit mir in Verbindung setzen. So habe ich Name, Adresse, Telefonnummer etc. hinterlassen, auf die Kontaktaufnahme warte ich heute noch. Übrigens hatte ich insgesamt viermal angerufen, Material wollte man mir zuschicken, Statut, Programm, was ich aber dankend ablehnte, weil ich dieses im Internet schon durchgelesen hatte. Soviel dazu und ich möchte behaupten, dass es noch einige solcher vereinzelter Subjekte wie mich gibt.
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[2] Thema: http://kucaf.de/2009/10/01/kommunistische-schattenspiele/
[3] Hier: http://kucaf.de/2009/10/01/beginnt-jetzt-erst-die-wirtschaftskrise/
[4] Kommentar: http://www.woschod.de/2009/09/29/die-kpd-das-juedische-finanzkapital-der-ackerma
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