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Und die Diskussion geht weiter!

Dieser Eintrag stammt von kucaf Am 5.10.2009 @ 00:34 In Spuren/Gefunden, Gedanken | 12 Kommentare

Und die Diskussion geht weiter!

[1] Hier hatte ich auf eine sich entwickelnde Diskussion verwiesen, und gestern sind einige interessante Beiträge hin zu gekommen, darunter auch unten veröffentlichte [2] Betrachtung von mir. Ob diese zu den interessanten Beiträgen gehört, nun ja, für konstruktive Kritik bin ich immer dankbar!

 

@Lupe,

nun ist mir fremd woher Du stammst, ich stamme aus dem Osten des Landes und habe dort nach wie vor meinen Lebensmittelpunkt, daher reflektiere ich das eine und andere vielleicht etwas anders. Dieses ist meiner Erfahrungswelt geschuldet, was aber sicher ist; bei der Beurteilung der kommunistischen Bewegung in diesem Land, sollten die historischen Begebenheiten und Umstände nicht außer acht gelassen werden. Übrigens ist es von untergeordneter Bedeutung wie sich die Entwicklung während der Zeit des kalten Krieges vollzogen hat, viel wichtiger ist der Zustand, wie er gegenwärtig anzutreffen ist. Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern, nur noch Lehren aus dieser ziehen, die Zukunft kann ich nicht voraussagen und deren Problem nicht lösen, das einzige was übrig bleibt ist die Gegenwart zu nutzen. Was nun das Verhältnis von [3] DKP und KPD anbelangt, so würde ich mich der Auffassung von Sepp anschließen, wobei es wenig Sinn macht ein nicht mehr existentes Verhältnis zu diskutieren. Viel wichtiger ist doch, wie die DKP heute agiert, welchen Einfluss sie hat und wie sie an die Probleme der Gegenwart herangeht!

Aber nun zu den Kritikpunkten meinem Text entsprechend.

  1. Synonyme haben immer eine Aufgabe zu erfüllen und so sollten diese durchaus treffend sein, der Begriff Mutter steht für ganz bestimmte Aussagen, wie auch der Begriff Lehrer, und diese sind alles andere als übereinstimmend.

    Hilfe zur Selbsthilfe, ja vielleicht, aber geht es um Hilfe, welche gewährt werden soll? Eigentlich doch nicht, es geht um Erkenntnisse, welche es zu gewinnen und zu vermitteln gilt. Der Begriff Hilfe, wie auch der Begriff der Mutter negieren das Subjekt und schaffen das Objekt. Die Arbeiterklasse ist aber kein Objekt, sie ist Subjekt, sie ist eine schöpferisch tätige Klasse, sie agiert, unabhängig ob wir dieses wollen, oder auch nicht, ihr Agieren unterliegt den Gesetzmäßigkeiten dieses Systems! Eigentlich hat die Arbeiterklasse alle Macht dieses Systems inne, allein, sie ist sich dessen nicht bewusst. Ohne die Arbeiterklasse würde im Kapitalismus nichts gehen! Aber was ist die Arbeiterklasse, wie wird sie definiert und wie definiert sie sich selbst?

    Und die Besetzung der Fahrradfabrik in Nordhausen (war es Nordhausen, nicht Sangerhausen?) kann eigentlich nicht hoch genug bewertet werden. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn das Ergebnis nicht das ist, was sich viele vorgestellt haben. Vor einigen Jahren war so etwas noch undenkbar! Es gibt keine fertigen Rezepte, es entwickelt sich und nur wer etwas tut, kann aus seinen Taten lernen und nur wer Kämpft, kann aus den Kämpfen lernen. Was aber auch gerade in solchen Fällen notwendig ist, ist Solidarität und daran mangelt es heute noch etwas, liegt auch daran, dass dieser Begriff auf die verschiedenste Art auch missbraucht wird.

  2. Was ein kommunistische Parteiorganisation zur Zeit leisten kann, kann ich nicht sagen, ich gehöre keiner an. Egal wie immer man jetzt auch organisiert ist, es gilt den Organisierungsgrad den Erfordernissen entsprechen zu erhöhen und er wird sich mit gegebener Notwendigkeit erhöhen. Eine jede Entwicklung sollte aber auch immer im Kontext ihrer Zeit, unter Berücksichtigung der Vielschichtigkeit von Zusammenhängen gesehen werden. Nichts ist losgelöst oder steht für sich allein! All zu oft wird über die Vergangenheit mit dem Wissen von heute geurteilt, ohne die zu dieser Zeit herrschenden Bedingungen zu berücksichtigen. Das führt nicht nur zu falschen Urteilen, sondern auch zu falschen Schlüssen!

    Praktische Taten sind auch unabhängig von praktizierter Organisation möglich, es kann einiges getan werden, dieses allein schon durch Interessenwahrnehmung. Da braucht es nicht einmal den Verweis auf große Interessenkonstrukte, der Verweis auf die eigenen Interessen und das Aufzeigen gegebener Interessenübereinstimmungen sind in der täglichen Arbeit oft schon ausreichend. Übrigens sollte sich keiner selbst in möglicher Organisationsvielfalt behindert sehen. Es gibt die verschiedensten Initiative, welche es wert sind unterstützt zu werden und breite Bündnisse zur Durchsetzung von Interessen sind eine gute Sache! Heute ist es wichtig für bestehende Probleme zu sensibilisieren, sich mit den verschiedensten Argumenten auseinander zusetzen und Interessen- spezifische Lösungen zu erarbeiten und durchsetzen. Da gibt es viel zu tun, im Kleinen, wie im Großen. Es ist die tägliche Arbeit im Kleinen, es ist der erfolgreiche und greifbare Einsatz für die direkten Interessen der Menschen vor Ort, welcher Vertrauen schafft. Damit man dazu befähigt ist, in der Lösungsfindung, wie auch in der direkten Auseinandersetzung, bestehen zu können, ist eine gute Organisation, welche das notwendige Rüstzeug vermittelt, aber auch eine Basis für den Austausch von Erfahrungen ist, von Nöten.

Nun zu Nr. 10.

Ja Du hast recht, ich habe nichts gesagt, ich habe etwas aufgeschrieben und dieses macht durchaus Sinn! Und ich kann auch nicht verstehen, warum eine Inhaltliche Aussage fehlt, wenn ich schreibe (auf die Frage nach den Adressaten zur Gewinnung von Mitstreitern): „… den Kontakten entsprechend und entspringend!“ und auch zu den Formen wie dieses meines Erachtens erfolgen sollte habe ich etwas geschrieben: „Die Ansprache sollte persönlich sein und persönlicher Erfahrung folgend. Was ebenfalls wichtig ist, wenn sich jemand für diese Bewegung interessiert, so sollte in jedem Fall persönlich Kontakt aufgenommen werden.“ Alles nichts? Was möchtest Du, fertige Rezepte? Die gibt es nicht und wird es auch nicht geben, das Kochbuch des Kommunismus vielleicht, erstes Kapitel, wie backe ich mir einen Kommunisten?

 

Und zu guter Letzt, die revolutionäre Tradition!

Einmal davon abgesehen, dass die meisten Revolutionen in der Geschichte nicht erfolgreich zu Ende geführt wurden, sollten die historischen Umstände in den einzelnen Ländern schon berücksichtigt werden. Zwar haben Deutschland und Frankreich die selben Wurzeln, sie sind beide aus dem Reich [4] Karl des Großen hervorgegangen, doch hat sich nach der Wahl des Sachsenherzogs [5] Heinrich I. im Jahre 919 zum ersten nicht fränkischen König des Ostfrankenreichs, einiges anders entwickelt. Während sich in Frankreich der [6] Absolutismus durchsetzte, war es im Reich der Deutschen die [7] Kleinstaaterei, also völlig verschiedene Voraussetzungen für eine Revolution. Dabei sollte auch bedacht werden, das die frühbürgerliche Revolution (Bauernkrieg) in Deutschland zu einem Zeitpunkt stattfand, da keimte in Frankreich gerade der Absolutismus auf. Erinnern wir uns, 1517 schlug Luther seine [8] Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg, welches allein schon zu einer Spaltung unter den Landesherren führte. Eine völlig andere Situation als zur Zeit der französischen Revolution 1789 bis 1799, wo es galt EINEN absoluten Herrscher zu bezwingen. Auch darf nicht ohne Berücksichtigung bleiben, das die deutschen Länder durch den [9] 30jährigen Krieg 1618 -1648 besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden, da dieser hauptsächlich auf dem Gebiet des heiligen römischen Reiches ausgetragen wurde. Ganze Landstriche wurden endvölkert und weite Gebiete brauchten 100 Jahre um sich von den Folgen des Krieges zu erholen und es dauerte ca. 200 Jahre bis dieses Land überhaupt wieder eine Rolle in Europa spielte.

Aber es gilt nicht nur das historische Umfeld zu betrachten und zu berücksichtigen, sondern auch die entspreche Einordnung in die gesellschaftliche Entwicklung. So sind die von Dir genannten Aufstände keine proletarischen, auch wenn sie nicht erfolgreich waren, so fallen sie doch in die Zeit bürgerlichen Emanzipationsstrebens. Bevor die Arbeiterklasse überhaupt an Machtübernahme denken konnte, musste sie erst einmal als Klasse entstehen und diese Entstehung ist nun mal an die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft gebunden. Bevor nicht das Bürgertum, das Kapital die Macht übernommen hatte, war an eine proletarische Revolution nicht zu denken. Auch [10] 1848 war keine proletarische Revolution, es war eine bürgerliche, welche durch das Bürgertum selbst verraten wurde, im Zweifelsfall kann dieses bei K. Marx nachgelesen werden. Er war nicht nur Zeitzeuge, er war auch Teilnehmer! So kam in diesem Land, das Kapital mittels Kompromisse, im Zuge eines evolutionären Prozesses an die Macht. Die erste proletarische Revolution war die [11] Pariser Kommune, und auch in diesem Zusammenhang verweise ich gern auf Marx und Engels. Auch dieser wird man nicht gerecht, wenn die historischen Umstände keine Berücksichtigung finden. Die erste erfolgreiche proletarische Revolution fand 1917 in Russland statt, ihr ging aber auch eine bürgerliche Revolution voran, die Februarrevolution 1917. Ohne die entsprechenden historischen Hintergründe ist auch diese nicht zu verstehen.

Letztendlich hilft uns einen oberflächliche Betrachtungsweise nicht weiter, einige theoretische Grundlagen sollten schon vorhanden sein und der dialektische und historische Materialismus einem nicht fremd, er ist ein untrennbarer Bestandteil der Weltanschauung der Arbeiterklasse, aber dieses ist schon wieder ein anderes Thema!

Gruß

Thomas


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[1] Hier: http://kucaf.de/2009/10/04/kommunistische-bewegung-wie-und-wohin/
[2] Betrachtung: http://www.woschod.de/2009/09/29/die-kpd-das-juedische-finanzkapital-der-ackerma
nn-und-die-kpdb/#comment-11746

[3] DKP: http://www.dkp.de/
[4] Karl des Großen: http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe
[5] Heinrich I: http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Ostfrankenreich)
[6] Absolutismus: http://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus
[7] Kleinstaaterei: http://de.wikipedia.org/wiki/Kleinstaaterei
[8] Thesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther#Ablass_und_95_Thesen
[9] 30jährigen Krieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg
[10] 1848: http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_265.htm
[11] Pariser Kommune: http://www.mlwerke.de/me/me17/me17_319.htm

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