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Eine Antwort mit Zitaten!

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 7.10.2009 @ 14:35 In Gedanken | 5 Kommentare

Eine Antwort mit Zitaten!

So ist es nun mal und ursprüngliche Gegenstände einer Diskussion werden durch andere Themen überdeckt. Nicht ohne Grund, da Zusammenhänge und Querverbindungen meistens gegeben sind und gern auf historische Begebenheiten zurückgegriffen wird, um Aussagen zu gegenwärtigen Ereignissen zu untermauern. Dieses ist nicht neu und wurde gerade auch von Marx, Engels und Lenin hervorragend praktiziert. So kann auf ein umfangreiches Werk zurückgegriffen werden, auch um sich mit der angewandten Methode vertraut zu machen. Die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse, als wirkungsvollstes Instrument in ihrem Kampfe, ist in den letzten Jahren bewusst verschüttet worden, in dem bürgerlicher Idealismus diese zum großen Teil ersetzte. Die Entwicklungen in unserer heutigen Gesellschaft schreiten aber voran, Widersprüche spitzen sich zu und es wird immer offensichtlicher, dass dieser bürgerliche Idealismus nicht in der Lage ist, eine entsprechende, befreiende Wirkung zu generieren. Ganz im Gegenteil, er manifestiert die gegebenen Verhältnisse und erklärt diese als unantastbar, unabänderlich, alternativlos.

Zu diesem [1] Thema gab es einige Anmerkungen, in welchen auch auf die Schrift von Friedrich Engels „Der deutsche Bauernkrieg“ verwiesen wurde.

So habe ich eine Antwort geschrieben, welche ich hier mit einem Verweiß als neues Thema veröffentliche.

Hallo Angela,

Sepp hat in seinem letzten Kommentar auf eine differenziertere Einschätzung Luthers verwiesen. Und so möchte ich noch mal darauf verweisen, dass es gerade bei der Beurteilung von historischen Ereignissen wichtig ist, diese in ihrer Zeit entsprechend einzuordnen.

Du berufst Dich auf die von Sepp gegebenen Literaturhinweise, und so habe ich zwar nicht den ganzen „Bauernkrieg“ gelesen, sondern mir „nur“ die Vorworte komplett gegönnt. In den Haupttext habe ich an den verschiedensten Stellen hineingelesen und werde zur gegebenen Zeit mir dieses Werk vornehmen. Diese Vorbemerkungen sind übrigens auch bezeichnet für die Herangehensweise von Marx und Engels an die verschiedensten  Probleme.

Die Zitate, welche ich herausgesucht habe und das Lesen des Textes nicht ersparen sollen, können den Links folgend nachgelesen werden.

Der deutsche [2] Bauernkrieg,

eine interessante Schrift und Wertung dieser historischen Ereignisse aus proletarischer Sicht unter konsequenter Anwendung des dialektischen und historischen Materialismus.

Hier einige Zitate aus der [3] Vorbemerkung von 1870:

„Wenn dagegen der Zimmermannschen Darstellung der innere Zusammenhang fehlt; wenn es ihr nicht gelingt, die religiös-politischen Streitfragen jener Epoche als das Spiegelbild der gleichzeitigen Klassenkämpfe nachzuweisen; wenn sie in diesen Klassenkämpfen nur Unterdrücker und Unterdrückte, Böse und Gute und den schließlichen Sieg der Bösen sieht; wenn ihre Einsicht in die gesellschaftlichen Zustände, die sowohl den Ausbruch wie den Ausgang des Kampfes bedingten, höchst mangelhaft ist, so war dies der Fehler der Zeit, in der das Buch entstand.

Unsre großen Bürger handeln 1870 noch geradeso, wie die Mittelbürger von 1525 gehandelt haben. Was die Kleinbürger, Handwerksmeister und Krämer betrifft, so werden sie sich immer gleichbleiben. Sie hoffen in das Großbürgertum sich emporzuschwindeln, sie fürchten ins Proletariat hinabgestoßen zu werden. Zwischen Furcht und Hoffnung werden sie während des Kampfes ihre werte Haut salvieren und nach dem Kampf sich dem Sieger anschließen. Das ist ihre Natur.

Aber auch das Proletariat ist der Parallele mit 1525 noch nicht entwachsen. Die ausschließlich und lebenslänglich auf den Arbeitslohn angewiesene Klasse bildet noch immer bei weitem nicht die Mehrzahl des deutschen Volkes. Sie ist also auch auf Bundesgenossen angewiesen. Und diese können nur gesucht werden unter den Kleinbürgern, unter dem Lumpenproletariat der Städte, unter den kleinen Bauern und den Ackerbautaglöhnern.“

Dieses Vorwort von Friedrich Engels endet mit dem Satz:

„Von dem Tage an, wo die Masse der Landtaglöhner ihre eigenen Interessen verstehen gelernt hat, von dem Tage an ist eine reaktionäre, feudale, bürokratische oder bürgerliche Regierung in Deutschland unmöglich.“

In der gegenwärtigen Situation könnte man getrost den Landtaglöhner durch Proletarier ersetzen, da gegenwärtig nur ein geringer Teil über entsprechende Einsichten verfügt.

In einer [4] Ergänzung zum oben genannten Vorwort ist folgende Aussage zu finden:

„Die deutschen Arbeiter haben vor denen des übrigen Europas zwei wesentliche Vorteile voraus. Erstens, daß sie dem theoretischsten Volk Europas angehören und daß sie sich den theoretischen Sinn bewahrt haben, der den sogenannten “Gebildeten” Deutschlands so gänzlich abhanden gekommen ist. Ohne Vorausgang der deutschen Philosophie, namentlich Hegels, wäre der deutsche wissenschaftliche Sozialismus - der einzige wissenschaftliche Sozialismus, der je existiert hat - nie zustande gekommen. Ohne theoretischen Sinn unter den Arbeitern wäre dieser wissenschaftliche Sozialismus nie so sehr in ihr Fleisch und Blut übergegangen, wie dies der Fall ist. Und welch ein unermeßlicher Vorzug dies ist, zeigt sich einerseits an der Gleichgültigkeit gegen alle Theorie, die eine der Hauptursachen ist, weshalb die englische Arbeiterbewegung, trotz aller ausgezeichneten Organisation der einzelnen Gewerke, so langsam vom Flecke kommt, und andererseits an dem Unfug und der Verwirrung, die der Proudhonismus in seiner ursprünglichen Gestalt bei Franzosen und Belgiern, in seiner durch Bakunin weiter karikierten Form bei Spaniern und Italienern angerichtet hat.

Der zweite Vorteil ist der, daß die Deutschen in der Arbeiterbewegung der Zeit nach ziemlich zuletzt gekommen sind. Wie der deutsche theoretische Sozialismus nie vergessen wird, daß er auf den Schultern Saint-Simons, Fouriers und Owens steht, dreier Männer, die bei aller Phantasterei und bei allem Utopismus zu den bedeutendsten Köpfen aller Zeiten gehören und zahllose Dinge genial antizipierten, deren Richtigkeit wir jetzt wissenschaftlich nachweisen - so darf die deutsche praktische Arbeiterbewegung nie vergessen, daß sie auf den Schultern der englischen und französischen Bewegung sich entwickelt hat, ihre teuer erkauften Erfahrungen sich einfach zunutze machen, ihre damals meist unvermeidlichen Fehler jetzt vermeiden konnte. Ohne den Vorgang der englischen Trade-Unions und der französischen politischen Arbeiterkämpfe, ohne den riesenhaften Anstoß, den namentlich die Pariser Kommune gegeben, wo wären wir jetzt?

Man muß den deutschen Arbeitern nachsagen, daß sie die Vorteile ihrer Lage mit seltnem Verständnis ausgebeutet haben. Zum erstenmal, seit eine Arbeiterbewegung besteht, wird der Kampf nach seinen drei Seiten hin - nach der theoretischen, der politischen und der praktisch-ökonomischen (Widerstand gegen die Kapitalisten) - im Einklang und Zusammenhang| und planmäßig geführt. In diesem sozusagen konzentrischen Angriffe liegt gerade die Stärke und Unbesiegbarkeit der deutschen Bewegung.“

Es gibt viele Gründe darüber nachzudenken. Auch über die Abschließende Aussage F. Engels:

„Es wird namentlich die Pflicht der Führer sein, sich über alle theoretischen Fragen mehr und mehr aufzuklären, sich mehr und mehr von dem Einfluß überkommener, der alten Weltanschauung angehöriger Phrasen zu befreien und stets im Auge zu behalten, daß der Sozialismus, seitdem er eine Wissenschaft geworden, auch wie eine Wissenschaft betrieben, d.h. studiert werden will. Es wird darauf ankommen, die so gewonnene, immer mehr geklärte Einsicht unter den Arbeitermassen mit gesteigertem Eifer zu verbreiten, die Organisation der Partei wie der Gewerksgenossenschaften immer fester zusammenzuschließen. … Es gilt also nicht zu ermatten im Kampf, es gilt dem Feinde eine Stadt, einen Wahlkreis nach dem andern zu entreißen; vor allem aber gilt es, sich den echt internationalen Sinn zu wahren, der keinen patriotischen Chauvinismus aufkommen läßt und der jeden neuen Schritt in der proletarischen Bewegung mit Freuden begrüßt, einerlei von welcher Nation er ausgeht. Wenn die deutschen Arbeiter so vorangehen, so werden sie nicht gerade an der Spitze der Bewegung marschieren - es ist gar nicht im Interesse dieser Bewegung, daß die Arbeiter irgendeiner einzelnen Nation an ihrer Spitze marschieren -, aber doch einen ehrenvollen Platz in der Schlachtlinie einnehmen; und sie werden gerüstet dastehen, wenn entweder unerwartet schwere Prüfungen oder gewaltige Ereignisse von ihnen erhöhten Mut, erhöhte Entschlossenheit und Tatkraft erheischen.“

 


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[1] Thema: http://kucaf.de/2009/10/05/kein-erfolgreicher-kampf-ohne-ursachenbekampfung/
[2] Bauernkrieg: http://www.mlwerke.de/me/me07/me07_327.htm
[3] Vorbemerkung: http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_393.htm
[4] Ergänzung: http://www.mlwerke.de/me/me18/me18_512.htm

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