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Eine weitere Entgegnung!
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 12.10.2009 @ 15:05 In Gedanken | 9 Kommentare
Eine weitere Entgegnung!
Eine Antwort, welche ich wieder aus dem ursprünglichem Thema, nicht nur auf Grund ihrer Länge herausgenommen habe und hier separat platziere.
Hallo Angela,
es hat etwas gedauert, nun aber einige Gedanken zu Deinen Beitrag. Dabei ist der Bogen den Du spannst nicht gerade klein und ich werden versuchen meine Ausführungen an diesen festzumachen.
Ja die Ablassbriefe, kritikwürdig wurden diese auf Grund ihres pauschalen Schulderlasses, wer Geld hatte, konnte sich von seinen Sünden frei kaufen und es wurde ein regelrechter Handel damit betrieben. Dieses bedeutet im Umkehrschluss, dass ein jedes Verbrechen nur eine Frage des Geldes war und der Herr gegen einen entsprechenden Obolus, in einer Zeit wo Staat und Kirche eine Einheit bildeten, jede Sünde vergab. Wer diesen Obolus nicht zahlen konnte oder wollte, dem traf die Strafe dafür besonders hart. Aber wie es auch mit den Ablasshandel gewesen ist, das einfache Volk wurde gern verheizt und in den Klassenkämpfen der Zeit aufgerieben. Die frühbürgerliche Revolution brachte trotzt ihrer Niederlage die bürgerliche Entwicklung voran und so auch die Entwicklung der Arbeiterklasse, jene Klasse also, welche auf Grund ihrer Stellung zu den Produktionsmitteln, ausgerüstet mit einer wissenschaftlichen Lehre, in der Lage ist, ein jedes Ausbeutungsverhältnis des Menschen durch den Menschen zu beenden. Davon konnte zur Zeit der frühbürgerlichen Revolution aber noch keine Rede sein. In der Zeit der frühbürgerlichen Revolution hingegen waren gesellschaftliche Umbrüche ohne eine entsprechende Religion als Transportmittel nicht möglich, immerhin waren die Menschen gerade erst dabei das finstere Mittelalter, das Bildungs- und Wahrheitsmonopol der Kirche in Frage zu stellen. Der Beitrags Luthers ist gerade auch in diesem Zusammenhang zu sehen, immerhin hat er die Bibel übersetzt und die Erfindung des Buchdruckes machte eine entsprechende Verbreitung möglich. Es handelt sich damals durchaus auch um eine Reform des Wissens. Dieses ändert natürlich nichts daran, das Religion immer auch ein Mittel zur Sicherung von Macht ist und bleibt. So wie die katholischen Kirche das feudale System stützte, ja ihm letztendlich entsprach, wurde die protestantische eine Stütze der bürgerlichen Macht, sie bedingte so auch die Aufklärung, welche in den folgenden Jahren eine Religion als ideellen Träger revolutionärer Bestrebungen überflüssig machte. Aber erst mit der Arbeiterklasse entwickelte sich eine wissenschaftliche Lehre, welche zur Durchsetzung ihrer Interessen auch zwingend notwendig ist. Desto konsequenter diese eingesetzt wurde/wird, desto erfolgreicher ihr Kampf und desto inkonsequenter ihre Anwendung, desto verklärter ihre Anwendung, desto erfolgloser der Kampf! Ihre Erhebung zum Dogma, aber allein schon eine dogmatische Anwendung, kann nur in einer Niederlage enden. Marx, Engel und Lenin haben diese Lehre begründet und ausgebaut, es wurden in den Auseinandersetzungen ihrer Zeit Erfahrungen gesammelt und so weit es möglich war, verallgemeinert. Leider werden diese Erfahrungen all zu oft kritiklos auf die Gegenwart übertragen, sie werden dogmatisch verwendet und nicht ihrem Wesen nach, als Beispiel fürs dialektisches und historisches Handeln gesehen, in dem sie kritisch, den historischen Erfordernissen und Entwicklungen entsprechend angewandt werden. Aus Aussagen werden Lehrsätze gemacht, welche damit der Lehre beraubt werden und zu Leersätzen verkommen. Marx, Engels, Lenin und andere Führer des Proletariats werden zu Ikonen erhoben und so eine wissenschaftliche Lehre zur Religion verklärt!
Dabei gilt es historische Ereignisse und ihre Ergebnisse gesellschaftlich richtig einzuordnen, ihre Ursachen zu erkennen und sie ihrer Wirkung nach zu benennen. Marx, Engels und Lenin waren auch nur in der Lage die konkreten Ereignisse der Vergangenheit und ihrer Zeit einzuschätzen, zu werten, zukünftige Entwicklungen daraus zu prognostizieren, Notwendigkeiten abzuleiten und entsprechende Schlüsse für den täglichen Kampf in ihrer Zeit zu ziehen. Und gerade letzteres müssen wir, die wir im hier und heute leben, unter Berücksichtigung gegenwärtiger Entwicklungen selbst tun, dieses wird uns nicht erspart bleiben und es wird uns auch keiner abnehmen.
Es geht auch nicht darum zu jammern, dass die deutsche Sozialdemokratie die Arbeiterklasse verraten hat, sondern aufzuzeigen welche und wessen Interesse sie damit vertritt und warum?! Gerade in der Auswirkung historischer Ereignisse ist eine umfassende Herangehensweise von Nöten und das die russische Revolution 1917 erfolgreich war hatte konkrete historische Ursache. Der Erfolg war, neben den historischen Umständen (erster Weltkrieg, Verrat der Februarrevolution) auch der konsequenten Anwendung der wissenschaftlichen Lehre des Proletariats zu verdanken, die weitere Entwicklung wurde dann auch hauptsächlich durch die vorgefundenen historischen Bedienungen bestimmt.
Und auch die Entstehung der DDR, sie ist kein Geschenk Stalins, sondern ein Ergebnis historischer Entwicklungen. Die DDR wurde als Antwort auf die im Westen gegründete separatistische BRD gegründet. Die deutsche Teilung war ein Ergebnis des zweiten Weltkriegs, ihre spätere Manifestation eine Folge des Klassenkampfes in Form des kalten Krieges, wie wir heute wissen. 1945 wusste man nicht wie die Entwicklung nach 1945 weitergehen würde, dieses war schwerlich vorauszusehen. In jedem Fall und da waren sich die Siegermächte ein Zeit lang durchaus einig, weg vom Faschismus. Es ist aber auch eine Tatsache, dass in den westlichen Zonen relativ schnell begonnen wurde eigene politische Strukturen aufzubauen, in welche faschistische Kräfte mit einem Persilschein ausgestattet in verantwortungsvollen Positionen wieder wirken durften. Der Sowjetunion kam es damals weniger auf die Errichtung des Sozialismus in ihrer Zone an, sondern um die Sicherung des Friedens. In diesem Zusammenhang sei auch an die Stalinnote gedacht, welche die deutsche Einheit und Souveränität als neutraler Staat zu Ziel hatte. Nach dem dieses von westlicher Seite abgelehnt wurde, führte die weiter Entwicklung zu den uns bekannten Ergebnissen. In diesem Zusammenhang sollte auch nicht vergessen werden, das die SED im Osten aus der KPD und der SPD hervorgegangen ist und somit auch nicht nur beider gemeinsames Erbe übernommen hatte, sondern auch deren getrenntes. Diese Vereinigung fand auf Grund der Erfahrung statt, dass die Spaltung der deutschen Arbeiterklasse die Machtergreifung der Faschisten 1933 nicht unerheblich begünstigt hat und nur die vereinte Arbeiterklasse eine Wiederholung verhindern kann. Von Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft war man da noch weit entfernt. Übrigens wurde die Spaltung nicht nur von westlicher Seite betrieben, sondern auch das Schrittmaß angegeben. Ein einheitliches Deutschland hingegen wurde bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ernsthaft nur noch vom Osten angestrebt.
Auch kann die Schuld für den Untergang der DDR nicht einem Flüge in der SED zugeschoben werden, nicht nur das damit das historische Umfeld negiert wird, es würde auch zu den falschen Lehren führen. Die DDR war ein Staat, welcher nicht nur in das sozialistische Staatensystem eingebunden war, sondern auch im weltweitem Wirtschaftssystem. Sie existierte nicht losgelöst, schwebend im freien Raum, sie war nicht nur eine wirkende Kraft, sondern auch von den Wirkungen der verschiedensten politischen und ökonomischen Kräfte beeinflusst. Dementsprechend sind die Ursachen ihres Untergans sehr vielschichtig, sie reichen von eigenen politischen und wirtschaftlichen Defiziten, über den Einfluss der Sowjetunion, bis hin zum politischen und wirtschaftlichen Einfluss westlicher Mächte, speziell der BRD. Was die SED betrifft, so war es wohl weniger der sozialdemokratische Flügel, als vielmehr Parteistrukturen, welche nicht unerheblich auf Lenin zurückgingen, und nicht nur von Rosa Luxemburg zu Recht kritisiert wurden, welche den Niedergang beschleunigten. Letztendlich waren es aber auch die Produktivkräfte, welche sich nicht ihres Standes entsprechend entfalten konnten.
Auch kann ich die Behauptung nicht nachvollziehen, dass die Sozialsysteme heute hinter das Niveau von Bismarck zurückgefallen sind. Selbst wenn es Bestrebungen in diese Richtung gibt, so gibt es doch noch erhebliche Unterschiede.
Übriges wird Bismarck in diesem Zusammenhang zu viel Ehre angetan und auf bürgerliche Argumentationslinien eingeschwenkt. Zwar wurden erste Sozialgesetze unter Bismarck beschlossen, nur geschah diese alles andere als Freiwillig. Auch dieses gilt es historisch richtig einzuordnen, denn auf Grund der sich immer stärker entwickelnden sozialistischen Kräfte war Bismarck dazu gezwungen, um diese nicht noch weiter erstarken zu lassen. Dieser reformatorische Kurs tat dann sein übriges und zeigte später entsprechende Wirkung.
Und ist das politische Bewusstsein wirklich hinter 1848 oder gar 1525 zurückgefallen? Doch eher nicht, es entspricht nur nicht den (Wunsch)Vorstellungen! Aber was soll es, definiere doch einfach einmal Arbeiterkasse!
Zudem sollte nicht unbedingt der allgemeine Begriff politisches Bewusstsein genommen werden, wenn eigentlich Klassenbewusstsein gemeint ist. Da Bewusstsein, also das bewusste Sein des Menschen durch sein Sein bestimmt wird, so bestimmt auch sein politisches Sein, sein politisches Bewusstsein. Und dieses ist sicher nicht mit dem von 1848 oder gar 1525 zu vergleichen. Auch einmal davon abgesehen, dass sich viele Widersprüche verschärfen, so hat Elend noch nie die Welt verändert. Aufstände auf Grund von Elend und Armut liefen immer nach dem Strickmuster ab, tot dem König, es lebe der König! Aus diesem Grund ist auch das „Vielleicht“ Deines letzten Satzes nicht produktiv, eher ist das Gegenteil der Fall. Für linke Kräfte, dazu noch solche die sich kommunistisch nennen, sind „ja auch der EU bedingte Lohn-, Demokratie- und Sozialabbau“ kein Segen. Soweit ich mich entsinne kam in den 1970iger Jahren der Begriff der „neuen Armut“ auf und gerade diese wächst mit „Lohn-, Demokratie- und Sozialabbau“ weiter, da dieses immer auch ein absenken des Bildungsniveaus in diesem System bedeutet. Die neue Armut hat weniger mit Hunger und Not zu tun, sonder sie ist eine geistige Armut, welche andere Armut begünstigt und dem System dienlich ist. Der theoretische Sinn der deutschen Arbeiterklasse, von dem Friedrich Engels sprach, ist dort verloren gegangen, da ihm die Voraussetzungen genommen wurden.
Nun hatte ich einiges von Friedrich Engels aus den Vorbemerkungen zum „Deutschen Bauernkrieg“ [1] zitiert, erinnern möchte ich aber nochmal einmal an dieses Zitat: „Es wird namentlich die Pflicht der Führer sein, sich über alle theoretischen Fragen mehr und mehr aufzuklären, sich mehr und mehr von dem Einfluß überkommener, der alten Weltanschauung angehöriger Phrasen zu befreien und stets im Auge zu behalten, daß der Sozialismus, seitdem er eine Wissenschaft geworden, auch wie eine Wissenschaft betrieben, d.h. studiert werden will. Es wird darauf ankommen, die so gewonnene, immer mehr geklärte Einsicht unter den Arbeitermassen mit gesteigertem Eifer zu verbreiten, die Organisation der Partei wie der Gewerksgenossenschaften immer fester zusammenzuschließen.“
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