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Ja auch in Quedlinburg tobte …

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 24.10.2009 @ 23:59 In Spuren/Gefunden, Gedanken | 9 Kommentare

Ja auch in Quedlinburg tobte die „friedliche Revolution“ und das ist mit der Weile auch schon zwanzig Jahre her. Und zwanzig Jahre, das ist doch was, ein richtiges Jubiläum, ein rundes sogar und da gilt es sich auch in Quedlinburg offiziell zu bekennen. Da aber dieses Jubiläum scheinbar vergessen wurde, oder auch die Erinnerung zu spät einsetzte, wurde kurzerhand der Fraktionsvorsitzende der CDU und Landtagsabgeordnete beauftragt eine Resolution zu entwerfen, weiß die [1] MZ zu berichten. Der Merkeljünger gab sich sicher Mühe und legte einen Entwurf vor, welcher in der knapp zur Verfügung stehender Zeit an Oberflächlichkeit nicht zu wünschen übrig lässt. Da die Zeit, wie schon erwähnt, knapp war, wurde dieser Entwurf den Stadträten per E-Mail kundgetan, um deren Meinung einzuholen. So kam der Entwurf auf den Tisch und erntetet berechtigter Weise Kritik! (In der Druckausgabe der MZ war der Entwurf abgedruckt, im Internet habe ich ihn bis jetzt nicht gefunden und so werde ich diesen den Text anhängen.) Zu schnell, zu oberflächlich, zu einseitig und auch ein genereller Verzicht auf eine solche Resolution wurde empfohlen.

Nun verfügen aber konservative und liberale Kräfte im Rat über eine Mehrheit und diese spiegelt sich natürlich auch in den Ausschüssen wieder und so wurden entsprechende Bedenken gegen die Einwände geäußert und auf die kürze und prägnante Ausführung einer solchen Petition verwiesen. So wurden der Stadtsanierung als die entscheidende Nachwendeerrungenschaft gehuldigt und viele Probleme auf der Strecke gelassen. Es ist schon was dran, in dieser Stadt, mit Welterbestatus, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten viel saniert, aber auch davor schon! Geld floss in die Stadt und zeigte Wirkung, dieses ist besonders an schön sanierten Häusern zu sehen. Aber auch die schrumpfende Einwohnerzahl spricht Bände, immerhin hat Quedlinburg zurzeit etwas über 21.000 Einwohner, noch, Tendenz fallend. Vor der „friedlichen Revolution“ waren es über 28.000 Einwohner! Auch ein Erfolg der „Revolution“, aber kein gern genannter und so verweist man lieber auf die Fassade, welche all zu oft für Erfolge herhalten muss.

Ja, eine Resolution soll ein Signal sein, nur für was? Das kann dem Artikel in der MZ nicht entnommen werden, aber wahrscheinlich für ein Weiter so, immerhin wurde sie ja von einem Merkeljünger verfasst!

So erkennt der Stadtratsvorsitzende „letztlich eine Mehrheit für den Text“, welches auch nicht zu verwundern braucht, wenn die Mehrheitsverhältnisse im Rat berücksichtigt werden. Und so kann eben auch der Bürgermeister seine Feststellungen machen. Ja, es ist „eine einfache Botschaft, hinter der wir uns versammeln können“, vermeint er so verkünden zu können.

Nun ja, so einfach die Botschaft auch ist, so einfältig ist sie auch und das nicht nur weil die Entwicklung nach der Wende sehr einfältig betrachtet wird. Es wird der Heros beschrieben, die Gegenwart und gegenwärtige Errungenschaften aber außer Acht gelassen. Was hat uns die Wende gebracht, außer einem einigermaßen sanierten Stadtbild? Einigermaßen deshalb, weil es immer noch erheblichen Sanierungsbedarf gibt und was meistens bei solchen Anlässen auch nicht berücksichtigt wird, ist das Erbe welches die DDR übernommen hatte. Ja, was hat die Wende gebracht, neben einer Arbeitslosenquote, welche um die zwanzig Prozent und darüber liegt und das trotz des Verlustes von ca. ¼ der Bevölkerung?

Quedlinburg ist eine schöne Stadt, in welcher es sich leben lässt, aber für immer weniger Menschen! Quedlinburg ist eine interessante Stadt, welche viele Besucher anlockt, in der man auf Spurensuche gehen und viel entdecken kann, aber welche allein von Tourismus nicht leben kann!

Ja, gedenken wir der Wende und mit ihr dem historischem Rückschritt, da die Möglichkeiten, welche der Drang nach Veränderung geschaffen hatte, nicht genutzt wurden, sondern einer simplen Annexion, im wahrem Warenrausch geopfert wurden.

Nun gibt es am Montag eine festliche Ratsitzung, anschließend ein Friedensgebet und danach eine Podiumsdiskussion, in welcher Wendeerfahrungen geschildert werden können. Was immer auch so sein wird, in Verklärung der Vergangenheit um Frieden zu beten, zeugt, in einem Land welches sich im Krieg befindet, von reinster Heuchelei!

So hat ein jeder seine eigenen Wendeerfahrungen gesammelt, was heute nicht einmal mehr von Bedeutung ist und das schon allein aus dem Grund heraus, das niemand zu Schaden gekommen ist! Wesendlich bedeutender sind da die Nachwendeerfahrungen, diese sind aber nicht Gegenstand des offiziellen Gedenkens!

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