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2,5 Stunden in den Fluren der ARGE!
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 17.12.2009 @ 22:18 In Regionales, Gedanken | Keine Kommentare
2,5 Stunden in den Fluren der ARGE!
Wie es so ist, heute war ich bei der ARGE SGB II in Quedlinburg und musste ca. 2,5 Stunden auf einen Antrag zur Fahrtkostenerstattung warten. Nun war ich dort schon länger nicht mehr, aber wie ich mich erinnerte gab es diese Unterlagen früher beim „Pförtner“. Aber was ist schon früher, da soll es sogar mal einen Kaiser gegeben haben, den gibt es immerhin auch nicht mehr. So wartete ich auf dem Flur und betrachtete die dort hängenden Bilder und Stellenangebote und was es noch alles zu sehen gabt. Die Mitarbeiter welche vorbei gingen grüßten freundlich, was man von dem Mitarbeiter welcher mich irgendwann aufrief nicht sagen konnte. Der schien eher der Bundeswehr entsprungen zu sein und scheinbar nicht in der Lage seiner tragischen Vergangenheit entkommen zu können. Nach dem er meinen Namen aufgerufen hatte, woraufhin ich mich in seine Richtung umdrehte und meldete, kam ein zackiges, im Befehlston eines nicht allzu hellen Unteroffiziers, „kommen sie schnell rein“. Ein Befehl, welcher mich an den Unteroffizier Machulke aus dem Roman „Bitte sterben zu dürfen“ von Hans von Oettingen erinnerte und mich veranlasste der Aufforderung in aller Ruhe und besonders langsam nachzukommen. Die Angelegenheit konnte relativ schnell erledigt werden und mir wurden die frisch gedruckten Unterlagen ausgehändigt. Auf meine Frage, warum es diese Unterlagen nicht mehr wie früher, also auf einfachen Wege gab, bekam ich zu hören, dass dieses aus Gründen des Datenschutzes nicht mehr anders ginge. Und ich dachte doch glatt man hätte sich eine neue Schikane einfallen lassen, wie man sich doch irren kann! So nahem ich meine Unterlagen und zog von dannen.
In der Zeit des Wartens lass ich mir die Stellenanzeigen durch und musste feststellen, dass Hilfstätigkeiten sehr unterschiedlich bezahlt werden, so verdienen zum Beispiel Bauhelfer/in 400,-€ im Monat, wenn sie 14,9 Stunden die Woche Arbeiten, wogegen eine Küchenhilfe nur 165,-€ im Monat für 14,9 Stunden die Woche erhält. So kommt der Bauhelfer immerhin auf einen stattlichen Stundenlohn von 6,71€, wogegen die Küchenhilfe sich mit 2,76 € zufrieden geben muss. Zum Leben ist beides zu wenig, aber eben keine unübliche Methode die leidgeprüfte Wirtschaft zu fördern. Ob dieser Unterschied dadurch zu rechtfertigen ist, dass der Bauhelfer als Voraussetzung neben Zuverlässigkeit auch körperliche Belastbarkeit mit bringen muss und die Küchenhilfe nur Zuverlässigkeit, ist fraglich, da die Tätigkeit einer Küchenhilfe durchaus auch belastend sein kann. Sicher noch wesentlich belastender, wenn die üppige Bezahlung Berücksichtigung findet. Aber egal und wie dem auch sei, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit, kann für diese üppige Bezahlung eigentlich nicht ernsthaft erwartet werden. Da ist es mit dem Angebot des Schaustellers schon anders, der zahlt ortsüblich, was immer auch ortsüblich ist, entscheidend scheint da der Ort zu sein. Und so wurde noch das eine oder andere Schnäppchen vom Arbeitsmarkt gesucht, aber auch für diese Ware gilt letztendlich, wer billig kauft, kauft meistens zweimal!
Nun waren die Stellenangebote aber nicht das Einzige was auf den Fluren an den Wänden zu sehen war, sondern an mancher Ecke hing auch ein Feuerlöscher und an den Wänden Bilder, oder so etwas ähnliches. Am interessantesten fand ich aber ein Plakat, welches für sich sprach, oder besser für den Vertretenen Irrationalismus in dieser Gesellschaft. Auf dem Plakat sind zwei Schuhe mit hohen Pfennigabsätzen zu sehen, welche mit Stützräder versehen sind! Mit diesem Vehikel wird für die Jobbörse im Internet geworben. Aber wer braucht schon solche Schuhe? Sie mögen vielleicht schön anzuschauen sein und vielleicht gibt es auch Frauen die diese für bequem, praktisch und notwendig halten, aber zum Leben sind sie sicher nicht notwendig. Und so lenkt dieses Plakat eigentlich die Aufmerksamkeit auf etwas vollkommen überflüssiges, welches im Text entsprechend noch mystifiziert wird. Ja, mystisch sind die Tools, besonders der Matching-Tool, welcher die Einen und die Anderen zusammenbringen soll. Der [5] Werbung im Internet (klick auf Arbeitnehmer) ist zu entnehmen, dass es bis jetzt eine harte Nuss war Arbeit zu finden, aber dieses ändert sich mit dem neuen Internetauftritt der Jobbörse. Jetzt ist es wahrscheinlich möglich, mit dem Hammer, welcher im Werbefilm die Nuss knackt, die 3.887.882* Bewerberprofile mit den 381.498* Stellen zu vereinen. Das ist schon eine harte Nuss und so geht es nun spielerisch von Job zu Job und die 3.887.882 Erfolgsverwöhnten werden sich mit Leichtigkeit auf die 381.498 Stellen verteilen. Sicher zum Nachteil derer, deren Bewerberprofil nicht hinterlegt ist, sollen ja auch noch ein paar Millionen sein.
Ja, wie in der Wirtschaft so üblich, wird die Arge und die Arbeitsagentur ihren Anforderungen als Dienstleister gerecht, in dem kräftig geworben wird. Werbung ist eben alles und ohne Werbung ist nichts, oder lässt sich nichts verkaufen. Aber wer soll hier verkauft werden und dieses in erster Linie als dumm? Was man nicht so alles erfährt, wenn man wartend auf den Fluren der ARGE hin und her läuft und später noch einen Blick ins Internet wirft. Und noch eins ist mir aufgefallen, an fast jeder Ecke hängen Zettel mit der Bitte die Handys auszuschalten, aber wie es im Leben so ist, einer Bitte muss man ja nicht nachkommen. So sagte auch niemand etwas, als ich auf dem Gang telefonierte, oder Fotos machte! Wobei, das Fotografieren nicht erwünscht ist, habe ich nirgends gelesen, ist schon ein Kreuz, mit diesen modernen multifunktionalen Geräten!
*stand heute Abend 17.12.2009 21.30Uhr
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[5] Werbung im Internet: http://www.endlich-benutzerfreundlich.de/main.html
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