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Klassenkampf vor dem Spiegel!
Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 8.1.2010 @ 23:10 In Spuren/Gefunden, Gedanken | 1 Kommentar
Klassenkampf vor dem Spiegel!
So wird vor dem Spiegel gefochten, und das im Spiegel gesehene beschrieben. Nur täuscht sehr oft das Spiegelbild und es entspricht nur scheinbar dem Original!
Mit Klassenkampf ist dieser Beitrag [1] hier überschrieben, nur gerecht wird er dem Thema nicht!
Nun beginnt der Beitrag durchaus Hoffnungsvoll und Bismarck hat die ersten Sozialgesetze nun wirklich nicht aus Liebe zu den einfachen Menschen durchgeboxt, sondern auf Grund der Stärke der Arbeiterbewegung, welcher Bismarck durch eine Politik von „Zuckerbrot und Peitsche“ begegnen wollte. An das Zuckerbrot, die Sozialgesetzgebung, wird sich gern erinnert, an die Peitsche, das Sozialistengesetz, hingegen nicht, dabei ergänzten sich diese Elemente einer Politik, welche gegen die emanzipatorischen Interessen der Arbeiterkasse gerichtet war.
Klassenkampf vor dem Spiegel ausgefochten! Da wird schon mal festgestellt: „vor der industriellen Revolution war “Wirtschaft” ein isolierter Bereich der oberen Schichten, in dem die unteren Schichten lediglich möglichst billige Produktionskräfte waren.“ Ja, was immer so unter Wirtschaft verstanden wird, nur gehören nicht letztendlich die „billigen Produktivkräfte“ auch dazu? Sind diese nicht gar entscheidend, denn was würden wohl die oberen Schichten ohne diese machen?
Aber was soll es, vordem wurde schon festgestellt: „es ist ein grandioses Missverständnis, dass die Oberschicht die Unterschicht materiell aushungern lassen wolle, wenn sie die Gelegenheit dazu hätte. Oberschicht und Unterschicht, das ist eine Symbiose, ein Erfolgsmodell, das in Bismarcks Zeiten seinen Siegeszug antrat.“ Nun gibt es diese Symbiose nicht erst seit Bismarcks Zeiten, sie ist eine Grundbedingung eines jeden gesellschaftlichen Systems welches auf Herrschaft beruht. Somit würden die Oberschichten zwar die Unterschichten möglichst kurz halten, gegebenenfalls sogar hungern lassen, aber nicht verhungern lassen, denn wer sollte dann ihren Reichtum garantieren? Wenn nicht diese Unterschicht? Andererseits ist der Beitrag mit Klassenkampf überschrieben und nun geht es nicht einmal auf die konkrete Ebene des Klassenkampfes, sondern in ein relativ verwaschenes und verwirrendes Schichtenmodell. Auch wird völlig verkannt, dass Wirtschaft ein Mittel zum Zweck ist, und welches der Zweck des Wirtschaftens im Kapitalismus eigentlich ist! So kann man natürlich auch zu dem Schluss gelangen, das die „Kunden der Manufakturwaren und der frühen Kolonialwaren waren ausschließlich die oberen Schichten. Mit der industriellen Revolution und der damit verbundenen Senkung der Herstellungskosten wurden jedoch plötzlich auch die Arbeiter selbst zu Kunden.“ Welch segensreicher Fortschritt, endlich wurden die Arbeiter auch Kunden und konnten die von ihnen hergestellten Produkte auch erwerben. Aber einmal davon abgesehen, dass die Arbeiter sicher nicht von Luft und Liebe leben konnten, fand die erste industrielle Revolution doch schon etwas früher statt. Sie war geprägt von der Erfindung der Dampfmaschine, welche es ermöglichte nicht nur die Produktion zu revolutionieren, sondern auch den Transport der produzierten Waren. Das der Arbeiter im Kapitalismus seiner Arbeit entfremdet wird und die Ursachen des Klassenkampfes spielen bis jetzt noch keine Rolle. Nun ja, sollte ja auch nur um [2] Klassenkampf gehen, aber wenn der Weg in eine heile Welt beschritten wird, wozu da noch Klassenkampf? Wie auch immer: „Seitdem produzieren die Arbeiter und Angestellten hauptsächlich für sich selbst. Industrielle, Banker und Händler stellen die Infrastruktur und kassieren dafür die Gewinne. Früher waren es die Krupps und Thyssens, deren Stahl nicht nur in Kanonen, sondern vor allem in Kochtöpfe und den Bau von Gebäuden für Arbeiter ging, die mit der Kohle der Haniels und Stinnes geheizt wurden. Mit dem Verkauf von Waren an die Arbeiter selbst konnte man seit dieser Zeit sehr viel Geld verdienen, solange sie bei Laune gehalten werden.“ Nun habe ich es nicht gewusst, aber geahnt schon lange, auf die Laune kommt es an, aber wenn die Arbeiter hauptsächlich für sich selbst produzieren, warum produzieren sie mehr als sie eigentlich brauchen und brauchen sie überhaupt das was sie produzieren? Und warum kaufen die Arbeiter überhaupt Waren, wenn sie diese doch selbst produzieren können, oder kaufen sie weil sie bei Laune gehalten werden? Die Welt könnte ja so schön und heil sein, wenn nicht „Industrielle, Banker und Händler“ für die gestellte Infrastruktur die Gewinne einkassieren würden. Ist schon traurig, aber was ist hier eigentlich Infrastruktur?
Jetzt aber weiter im Text und die nächste Zwischenüberschrift verrät das sich ein Modell durchsetzt, welches das wohl sein wird? Die Sklavenhaltergesellschaft ist es nicht, da die Haltung eines Sklaven unproduktiv ist, wie festgestellt wird, immerhin muss dieser ja unterhalten werden und ist auf Grund seiner Unfreiheit auch schlecht motiviert. Nur warum gab es Gesellschaftsformation in welchen es als sehr lukrativ angesehen wurde Sklaven zu halten? Und wie soll ein Lohnarbeiter funktionieren, der muss auch wohnen, sich kleiden, ernähren und fortpflanzen, um seine Arbeitskraft zu erhalten und zu reproduzieren. Dieses alles muss der Lohn hergeben, unterm Strich also nicht billiger als ein Sklave! Da wird es wohl noch andere Unterschiede geben und ob in der Sklavenhaltergesellschaft der Markt schon diese Rolle gespielt hat wie heute, kann nicht nur bezweifelt werden. Und das lag sicher nicht daran, dass Sklaven keine Waren kaufen konnten. Der Zwangsarbeiter ist auch nicht die Lösung, aber der Einsatz von freien Arbeitern macht Sinn, diese sind Hoch-motiviert und aus diesem Grund natürlich auch Hoch-produktiv, ist zu lesen. Ja, die Freiheit macht den Unterschied, selbst wenn diese sich letztendlich als Illusion erweist, denn auch der freie Lohnarbeiter ist gezwungen seine Arbeitskraft zu verkaufen, wenn er leben möchte. Auf der anderen Seite wird auch diese freie Arbeitskraft benötigt, denn nur diese kann sich als Ware frei auf dem Markt bewegen. Im Kapitalismus ist es durchaus üblich, dass die meisten Bewegungen über dem Markt realisiert werden, dieses ist schon allein auf Grund der Kapitalakkumulation zwingend. Die Bourgeoisie macht alles zu einer Ware und diese lässt sich eben nur über den Markt realisieren. Auch akkumulieren die Gewinne nicht in der Oberschicht, dort sammeln sie sich höchstens an, akkumuliert wird in der Produktion, von nichtproduktiver Akkumulation, welche letztendlich fiktives Kapital schafft und dem wir diverse und in beständiger Regelmäßigkeit platzende Blasen zu verdanken haben, einmal abgesehen. Nun mögen auch hergebrachter und moderner religiöser Glaube Opium für das Volk sein, die Sozialsysteme sind es nicht! Die sozialen System sind dem Klassenkampf geschuldet, womit eigentlich dem Thema entsprochen wird und in diesem mühevoll errungen wurden, sie wurden alles andere als freiwillig zugestanden. Wenn dem nämlich so wäre, dann würde wohl kaum einer auf den Gedanken kommen diese zu schleifen und soziale Leistungen nach und nach zu reduzieren!
Um den Pfad der Schichten zu verlassen und dem eigentlichem Thema, Klassenkampf, gerecht zu werden, sei hier gefragt: zahlt die herrschende Klasse wirklich in die Sozialsysteme ein, wie behauptet, oder handelt es sich nicht vielmehr um eine Teil von dem, welches die Werktätigen so und so erwirtschaften? Dieser Anteil ist nichts anderes als ein Teil des erkämpfen Lohnes, welcher von den Unternehmern nur direkt in das soziale System eingezahlt wird. Somit ist jede Kürzung dieser Abgaben gleichzeitig eine Lohnkürzung und eine Erhöhung des Gewinnes der Unternehmen. Einmal davon abgesehen, dass der Begriff des Sozialstaates für einen kapitalistischen Staat eher verwischende, verschleiernde Funktion hat, ist die Sozialgesetzgebung durchaus ein Mittel zum Schutz der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse und auch wenn die Sozialgesetzgebung von Bismarck in erste Linie die Arbeiterklasse damals korrumpieren und von der revolutionären Sozialdemokratie fernhalten sollte, so war sie letztendlich aber ein Produkt und Erfolg des Klassenkampfes.
Das nun Sozialabbau stattfindet ist auch ein Ergebnis des Klassenkampfes, solange das sozialistische Lager existierte war vieles nicht möglich, der Klassenkampf hatte eine neue Qualität erreicht und wurde auch auf internationalem Paket ausgefochten. Die herrschende Klasse im Kapitalismus war dadurch nicht nur gezwungen diese Auseinandersetzung friedlich zu führen, sondern musste auch gegenüber dem eigenem Volk das Gesicht waren und entsprechende Zugeständnisse machen. Dabei ist es weniger um Umverteilung des Reichtums gegangen, sondern um die Verteilung der Arbeitsergebnisse, speziell um den Mehrwert. Letztendlich kann auch nur umverteilt werden, was schon einmal verteilt wurde. Dafür gibt es dann den Staat! Nach Wegbrechen des sozialistischen Lagers hat sich die Situation gravierend zu Ungunsten des Proletariats verschlechtert, mit dem staatlich manifestierten Antipoden ging auch eine entscheidende und wirkungsvolle Kraft im Klassenkampf verloren, erschwerend kam noch hinzu, dass die Arbeiterklasse es verlernt hatte sich selbst zu definieren und der bürgerlichen Ideologie auf den Leim gegangen ist. Was übrigens auch am ursächlichem Beitrag zu erkennen ist, welcher zwar mit Klassenkampf überschrieben ist, aber in dem Klassen nicht einmal Gegenstand der Betrachtung sind, sondern ein verwirrendes Geschwätz von Unter- und Oberschichten angestimmt wird. Das so in diesem Fall dann auch Sozialismus als Alternative zu diesem System verneint wird, ist nicht weiter verwunderlich, denn es scheint, das Klassenkampf nur dazu dient, die allgemeine Klassenharmonie herzustellen. So geht es eben nicht um Verteilung, sondern nur um Umverteilung, es geht nicht um Teilhabe, sondern um vermittelte Teilhabe. Und so gibt es eben nur noch soziale Leistungen, wenn das Wirtschaftswachstums aufrecht erhalten wird. Aber ist die Wirtschaft nicht gewachsen, in den letzten Jahrzehnten und fand nicht trotzdem nach Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus fortschreitender Sozialabbau statt? Also Wachstum allein wird es nicht richten, genauso wenig wie sozialer Unfriede die hohe Schule des Klassenkampfes ist, welcher so und so kaum erfolgreich möglich sein wird, ohne einem entsprechenden Klassenbewusstsein.
Zu den wachsenden Problemen kommt erschwerend noch hinzu, ist zu lesen, dass die heutige Volkswirtschaft globalisiert ist „und der real existierende Sozialismus als Gegenmodell zum Kapitalismus nicht nur weggebrochen“ ist, sondern „sich als Alternative … selbst diskreditiert“ hat. Ja so ist es und die Illusion lässt uns hoffen, möge man meinen und so wird festgestellt, dass durch den Export zwar Geld in das Land fließt, „aber vom Wachstum profitieren nur noch die oberen Schichten, während die Arbeiter und Arbeitslosen bestenfalls auf der Stelle treten.“ Und da treten sie, die kalten Füße wärmend und nicht wissen was sie tun sollen! Ja, was soll schon Klassenkampf in einer Welt wo es Klassen nicht einmal gibt?
Trotzdem gibt es Widersprüche in der Gesellschaft und diese verdienen es gelöst zu werden, dazu sollten die Grundzüge des Systems erst einmal erkannt werden. Der Autor des Beitrages wendet sich dann aber dem sozialem Frieden zu, der entsprechende Abschnitt ist viel sagend mit „Rohstoff Sozialstaat“ überschrieben. Der Sozialstaat ist ein treffendes Bild, aber nicht in dem Sinne, wie vom Autor verwandt, sondern in dem Sinne, dass dieser Rohstoff fleißig abgebaut wird und wenn es so weiter geht, wird sich auch dieser Rohstoffes erschöpft haben. Vielleicht kommt man ja dann zum angekündigten Klassenkampf! Darum geht es aber eigentlich nicht, im Text geht es darum, dass der sogenannte Sozialstaat die Voraussetzungen schafft, dass ein jeder fleißig konsumieren kann und dieser Konsumeifer wird von den Handelsketten kräftig abgeschöpft. Also konsumieren um des konsumierens Willen, der Mensch als Konsumschwein, in seinem Sein beschränkt aufs konsumieren. Das es auch in diesem Land eine wachsende Zahl von Menschen gibt, welche nicht einmal das Nötigste zum konsumieren hat, spielt dabei keine Rolle, wichtig ist, dass die gezahlten Transferleistungen zurück in den Konsum fließen. Und sicher hat dieses auch Einfluss auf die Binnenwirtschaft, nur im gewünschtem Maße, es ist alles andere als eine Win-Win-Situation. Hier wird nicht nur eine völlige Unkenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge offenbart, sondern auch eine reichlich oberflächliche Betrachtungsweise an den Tag gelegt. Vom eigentlichem Thema wird sich immer weiter entfernt und die Gesellschaft in konsumierende- und profitierende Schichten unterteilt. Das sich damit noch weiter vom eigentlichem Problem entfernt wird, scheint nicht einmal aufzufallen, es fällt auch nicht auf, dass der allgemeine Lockruf in die Tempel des Konsums zu stürmen, auch ganz reale Ursachen hat, nämlich das sich Waren letztendlich nur über den Konsum realisieren und mit diesem der Reproduktionsprozess abgeschlossen wird. Wenn nun immer breitere Schichten immer weniger Geld zur Verfügung haben, sinkt die Kaufkraft und somit auch der Anreiz zur Produktion selbst. Und das nun gerade Handelskonzerne reiche Menschen hervorbringt, liegt nicht nur an der Struktur dieser Unternehmen selbst, sondern auch an der Bedeutung, welche der Handel im Reproduktionsprozess, in Zeiten permanenter Überproduktion, gewonnen hat. Nur was soll mit dieser oberflächlichen Betrachtungsweise erreicht werden? Ablenkung von den eigentlichen Problemen, von den eigentlichen Widersprüchen innerhalb der Gesellschaft und im Zusammenhang mit dem selbst gesetzten Thema eine Negieren des Klassenkampfes?
Aber es geht ja weiter und so wird nach Schuldigen gesucht und festgestellt: „während die Güterproduzenten und Händler vom Modell Sozialstaat sehr gut leben können, hat ein anderer Teil der Oberschicht dieses symbiotische Modell in die Schieflage gebracht.“ Also doch eigentlich eine heile Welt, alle könnten vom Sozialstaat sehr gut leben, wenn da nicht einige Störenfriede wären! Da hat doch glatt jemand Unordnung gestiftet, warum, bleibt offen, nur es hat etwas mit den Banken zu tun, mit ihrer Rolle in der kapitalistischen Wirtschaft, soweit wird sich hinaus gelehnt. Dabei wird eigentlich weniger nach den Ursachen gesucht, es wird nur festgestellt das diese „das gut eingependelte Gleichgewicht zwischen Unten und Oben durcheinandergebracht“ haben. Nun einmal von den, zu was auch immer, mutierten Banken abgesehen, gab es dieses „gut eingependelte Gleichgewicht zwischen Unten und Oben“ überhaupt? Wenn natürlich davon ausgegangen wird, dass es einmal so war, und wir die Klassenkämpfe der Vergangenheit außer acht lassen, welche im Fluss alt hergebrachter Harmonie ja nicht stattgefunden haben dürften und wie oben zu erfahren der Sozialismus als Alternative nicht mehr in Frage kommt, so kann unsere Zukunft nur in der Vergangenheit liegen! Aber wie sollen wir dort hin gelangen, durch die Beschneidung der Macht der Banken, die Befriedung großer Teile der Bevölkerung mit Almosen, damit sie sich im Konsum entfalten können? Ja, der sogenannte Sozialstaat steht zur Disposition, weniger der Staat, denn dieser ist nur Mittel zu Zweck, aber die sozialen Errungenschaften, welche Ergebnis des Klassenkampfes vergangener Zeiten sind. Und dieses in erster Linie auch dank solcher Pamphlete, welche sich wie hier als Überschrift den Klassenkampf wählen, letztendlich aber nur die Heiligsprechung des Kapitalismus vergangener Tage zum Ziel haben.
Das dieser Beitrag dann noch einen positiven Ausblick bietet, steht außer Frage, immerhin muss es ja eine Lösung geben, könnte ja ansonsten jemand auf den Gedanken kommen, das gesamte System in Frage zu stellen. So befindet sich der „Sozialstaat im Aufbruch“, selbst wenn er dafür erst einmal untergehen muss, denn wenn er dann untergegangen ist, dann sterben mit ihm die Parasiten, welche von ihm leben, so das Credo des letzten Abschnittes. Also nicht so schlimm, warten wir es ab und desto schneller der Sozialstaat sein Ende findet, desto schneller wird er wieder entstehen, wie der Phönix aus der Asche. Dabei sollte „man … die Geschichte nicht durch einen Mangel an Fantasie beleidigen.“ Ja, die Geschichte, ein Produkt der Fantasie und nicht des menschlichen Lebens, Produkt menschlicher Tat welche den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht und entscheidend von dem Verhältnisse des Menschen zu den Produktionsmitteln geprägt wird. Nein, hier erzeugt nicht die ökonomische [3] Basis einen ihr entsprechenden Überbau, sondern der Überbau verfügt über die Gestaltungshoheit und zeugt sich eine Basis. So leben wir eben in einer heilen Welt und auch die richtige Regierungsform ist längst gefunden, wenn zu lesen ist: „die Politik demokratischer Staaten ist eigentlich sehr flexibel – sobald sich ein Ungleichgewicht so weit entwickelt, dass der soziale Frieden in Gefahr ist, reagieren demokratische Staaten stets durch ein Gegensteuern. Daher ist die marktwirtschaftliche, liberale Parteiendemokratie auch vollkommen zu Recht zum Erfolgsmodell des letzten Jahrhunderts geworden.“ Ja, Erfolgsmodell, die Frage ist nur für wem, für welche Klasse, darum sollte es ja eigentlich gehen, und wird vom Staat automatisch gegen gesteuert, wenn sich Ungleichgewichte zu weit entwickeln? Dazu wäre erst einmal zu klären, was der [4] Staat eigentlich ist, im Beitrag selbst wurde ja nicht einmal geklärt was [5] Klassen sind und das wäre eigentlich mindestens zu erwarten, wenn es um Klassenkampf geht. Zwar wirft dieses Thema einige Fragen auf, welche nicht beantwortet werden, darunter auch einige grundsätzliche Fragen, aber es ist kaum anzunehmen das überhaupt ein Interesse besteht diese zu beantworten. Auf eine Frage möchte der Autor am Ende doch noch verweisen: „Die Frage, die wir uns in Zukunft stellen müssen, ist jedoch, ob der Staat überhaupt noch die Kraft hat, gegenzusteuern.“ Obwohl diese Frage erst in Zukunft gestellt werden muss, wird sie gleich beantwortet: „Es scheint vielmehr so, als habe sich das Finanzsystem wie ein Virus über seinen Wirt hergemacht. Doch wenn der Wirt stirbt, stirbt auch das Virus.“ Also warten wir bis der Wirt stirbt, aber wer ist der Wirt, selbst dazu gibt es keine Aussage, ist es der Staat, ist es das wirtschaftliche System, sind es die Klassen, ja, was/wer ist der Wirt, an welchen sich das Finanzsystem wie ein Virus zu schaffen macht? Wahrscheinlich das Wirtschaftssystem, aber ist das Finanzsystem nicht auch ein Bestandteil diese Wirtschaftssystems?
Nachsatz:
Mit Klassenkampf ist dieser Beitrag überschrieben, allein von Klassenkampf handelt er nicht, nicht einmal Klassen sind Gegenstand der Betrachtung, auch keine Widersprüchen, auf deren Grundlage es zu den besagten Kämpfen kommt. Dafür wird undifferenziert von Schichten geschrieben und der angeblichen Harmonie in vergangener Zeit, welche getrübt wird durch die jüngsten, wirtschaftlichen Entwicklungen, durch das Platzen von Blasen und die dadurch hervorgerufenen Finanzkrisen. So scheint die heile Welt in Frage gestellt zu sein. Aber selbst dieses ist kein Grund für Klassenkampf, sondern nur schicksalhaft und die selbst-reinigenden und selbst-regulierenden Mechanismen des kapitalistischen Systems werden es schon richten. Auch sind die sozialen Errungenschaften nicht Ergebnis vergangenen Klassenkampfes, sonder Geschenke der „Oberschicht“ an die „Unterschicht“ um die Wirtschaft anzukurbeln und der Unterschicht die Mutation zum reinen Konsumenten zu ermöglichen. Aktive Subjekte gibt es nur auf der einen Seiten, die andere hat sich in ihr Schicksal zu fügen! Nur setzt Klassenkampf selbstständige und eigenständig agierende Subjekte voraus, aber darum scheint es nun wirklich nicht zu gehen. Hier handelt es sich um eine klare bürgerliche Ideologie, welche versucht den Klassenkampf zu widerlegen und die antagonistischen Klassengegensätze zu verschleiern, in dem Klassenharmonie im Kapitalismus gepredigt wird. Eigentlich wird solches Bestreben vom Klasseninteresse der Bourgeoisie bestimmt, um die historisch überlebte kapitalistische Gesellschaft zu erhalten.
Aber wie schon geschrieben, um Klassenkampf geht es hier eigentlich nur, um diesen zu negieren, und die eigentlichen Widersprüche des kapitalistischen Systems zu verschleiern! Also doch eine Form des Klassenkampfes, eine ideologische!
Ja, es ist an der Zeit sich dieses Themas anzunehmen, in letzter Zeit waren einige Beiträge zu diesem Thema im Internet zu finden, etliche der Auseinandersetzung wert. Die betreffenden Diskussionen, Beiträge, Gedanken spiegeln letztendlich eine sich verändernde objektive Situation wieder. Das kapitalistische System entblößt sein wahres Gesicht in einem beschleunigtem Maße und so wird intensiver über viele Probleme nachgedacht, und zum Thema erhoben. Auch stehen neue Klassenkämpfe auf der Tagesordnung, noch befindet sich gerade das Proletariat in einer Phase der Selbstfindung, die bürgerliche Ideologie hat ihre Spuren hinterlassen, die weitestgehend gleich geschalteten Medien tun ihr übriges. Von einem Klassenbewusstsein kann im Moment beim Proletariat keine Rede sein, zu tief sitzen die Folgen der Spaltung, welche auf Grund jüngster Entwicklungen aber Veränderungen durchlaufen. Die allgemeine Gleichmachung im Kapitalismus tritt immer offener zu Tage und mit dieser kommen auch die eigentlichen gemeinsamen Interesse zu tage. Zudem seht das kapitalistische System immer offener den Raubau an der Natur und der Gesellschaft fort, bis hin zur Bedrohung der menschlichen Existenz!
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[1] hier: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1510/klassenkampf
[2] Klassenkampf: http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2010/01/09/klassenkampf/
[3] Basis: http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2009/12/27/basis-und-uberbau/
[4] Staat: http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2009/12/10/geschichte-staat-und-klassenkampf
/
[5] Klassen: http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2010/01/03/klasse/
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