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Schleichende Missionierung, Gedanken zum Ethikunterricht!
Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 19.1.2010 @ 12:53 In Gedanken | Keine Kommentare
Schleichende Missionierung, Gedanken zum Ethikunterricht!
Was ist eigentlich [1] Ethik und welche Aufgaben hat der Ethikunterricht an den Schulen? Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass Ethik angewandte Philosophie sei und an anderer Stelle, das sie eine Sittenlehre, eine philosophische Wissenschaft, die das Sittliche oder die Moral, d. h. die sittlichen Beziehungen, Verhaltensweisen, Werte, Normen und Anschauungen der Menschen untersucht. So gesehen müsste sich ein entsprechender Unterricht nun auch mit diesen Gegenständen beschäftigen. Macht er auch, nur wie? So wie es den gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht! Heute oft sehr platt und oberflächlich, da wird nicht nur auf weltanschaulich idealistischer Grundlage argumentiert, sondern religiös verklärt und mystifiziert. Da wird Kindern Wissen abverlangt, welches historisch nicht einmal belegbar und selbst in christlichen Glaubensrichtungen umstritten ist. Somit wird versucht verschiedene Dogmen als Wissen zu verkaufen. Warum werden die Kindern da nicht gleich nach Einzelheiten aus Grimms Märchen befragt und dieses als Grundlage zur Benotung genommen? Warum muss ein Schulkind z. B. wissen wie die heiligen drei Könige hießen und welche praktische Bedeutung hat dieses Wissen für ihr späteres Leben? Sicher ist Wissen nicht schlecht, nur handelt es sich hierbei um Glauben, um einen sehr speziellen Glauben, um religiösen Glauben, und sollten nicht gerade Schulen Wissen vermitteln und nicht Glauben? Aber vielleicht glaubt auch so mancher Lehrer, dass er Wissen vermittelt, wenn er Glaubenssätze predigt und nicht beweist?
So scheint dieses (Wissensvermittlung) nicht Aufgabe des Ethikunterrichtes zu sein, jedenfalls nicht in der Grundschule, welche meine Tochter besucht. Da werden Kinder schräg angeschaut, ernten Kritik, Spott und schlechte Noten, wenn sie christlich, religiöse Lehrsätze nicht her betten können, oder über kein tieferes Wissen vom Hintergrund religiösen Feiertagen haben.
In der Vergangenen Klassenstufe, und ich muss gestehen das ich eigentlich dieses Thema erst berücksichtigt habe, als meine Tochter mit einer schlechten Note in Ethik nach Hause kam, nur weil sie die Hintergründe einiger religiöser Feiertage nicht umfassend genug herbeten konnte, war dieses Grund für mich ein entsprechendes Gespräch mit der Lehrerin zu suchen. Vor dem Gespräch nahm ich die anderen Arbeiten in Augenschein und musste feststellen, dass nur Gegenstände christlicher Religion darin vor kamen. Daraufhin sprach ich die Ethiklehrerin an und musste erfahren, dass eben diese Religion zum Kulturgut gehört und zu behandeln ist. Dieses sei sicher so, mit dem Kulturgut, da gibt es aber durchaus noch mehr und es ist auch eine Frage wie über Religion gesprochen wird und dass es durchaus auch andere Religionen gebe, bemerkte ich. Zudem gab es ein Lehrbuch in welchen dieses ein Thema von vielen war, stellte ich fest. Somit war die Frage durchaus berechtigt, warum sich jede Klassenarbeit bis zu diesem Zeitpunkt um christliche Religion drehte? Wie ich jetzt feststellen konnte, war im letztem Schuljahr nicht Schluss damit, ganz im Gegenteil, es geht fröhlich weiter mit der Missionierung.
Wem verwundert es, hat doch die Schule durchaus einen Auftrag zu erfüllen und dazu gehört nicht nur die Vermittlung von Grundwissen, sondern dieses auch noch der herrschenden [2] Ideologie entsprechend. Nun zwar haben die Massenmedien die Religion als Opium für das Volk längst von der führenden Position verdrängt, trotzdem taugt sie, auch auf Grund ihrer Märchenhaftigkeit, weiter zur Vernebelung der Hirne von Kindern und zur Einschränkung freien Denkens! Wenn schon die überwiegende Zahl der Kinder den Ethikunterricht und nicht den Religionsunterricht besucht, so muss dieser eben die Aufgabe der Missionierung, sprich, ideologischen Prägung übernehmen, so die daraus folgende Intention. Das in diesem Zusammenhang mancher Lehrsatz sich als Leersatz entpuppt, bekommen die Kinder mit der Zeit selbst mit und werden sich entsprechend verhalten. So wird in Arbeiten und Leistungskontrollen, dass geschrieben, was sie schreiben müssen, um eine gute Note zu bekommen. Woraus sich durchaus eine weitere Gefahr ergibt, nämlich, das dieses Verhalten auf andere Unterrichtsfächer übertragen wird. Denn mit dem überbetonen religiösen Glaubens und der Erkenntnis des Dogmas, welches diesem innewohnt, wird im Zuge betriebener Gleichsetzung von religiösen Glauben mit Glauben allgemein, nicht nur Dogma und Wissen gleichgesetzt, sondern auch notwendiger Glaube, mangels Wissen, negiert, ohne diesen je durch Wissen zu ersetzen. Nicht nur das damit ein jeder Glaube religiöse Züge erhält, es wird auch, dass dem Glauben voraussetzende Vertrauen, in blindes Vertrauen gewandelt. Hinterfragen ist nicht gewünscht und schon gar nicht das Infragestellen diverser Glaubenssätze, so etwas könnte ja Zweifel zeugen, vielleicht auch an die Ewigkeit gegenwärtigen gesellschaftlichen Seins! Nicht das Viertklässler gleich das System den Kapitalismus in Frage stellen würden, da zu sind sie sicher noch zu unerfahren, aber wer einmal diesem Virus verfallen ist, ist schwerlich zu heilen, die damit verbundene Ansteckungsgefahr sollte nicht vergessen werden. Selbst denkende und hinterfragende Menschen, wo kommen wir da hin, in einem System, wo es auf den funktionierenden Menschen ankommt!?
Dabei gibt es mehr als Genug zu hinterfrage, der Zweifel ist durchaus eine treibende Kraft und das hinterfragen von Vorgängen, Verhältnissen und Erscheinungen bringt so manche Erkenntnis zu Tage. Was leider nicht gerade gewollt ist, wenn bestehende Verhältnisse erhalten werden sollen. So hat natürlich der Ethikunterricht an den Schulen seine Aufgabe zu erfüllen und diese besteht nicht darin kritische Menschen hervorzubringen, sondern System konforme! Dazu wird sich umfassend mit religiösen Ritualen beschäftigt, anstelle mit Lebens bestimmenden Verhältnissen. So sind die Namen der heiligen drei Könige wichtiger, als zum Beispiel die Art und Weise, wie Menschen in solchen Sendungen wie DSDS vorgeführt werden, oder vom Hartz IV – System diskriminiert! Wichtig sind dabei Themen, mit denen die Wenigsten zu tun haben, zu den somit kein direkten Bezug besteht. Was interessieren schon die Probleme, mit welchen selbst Kinder heute täglich konfrontiert werden? Nicht warum, wieso, weshalb, sonder, es war, es ist, es bleibt, sind entscheidend! So wird missioniert und die dem System bestimmende Ideologie gepredigt!
Ich habe darüber nach gedacht, wie dem zu begegnen ist, ein Gespräch mit den Lehrern bringt nicht viel, da diese ihre Aufgabe zu erfüllen haben und dieses auch entsprechend ihrer Vorgaben tun. Das einzige was nicht nur in diesem Fall hilfreich ist, ist Aufklärung, dem Glauben, Wissen entgegensetzen und die Gefährlichkeit blinden Vertrauens aufzeigen. Kinder lehren sehr schnell und in diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, dass sie lehrnen zu unterscheiden was Realität und was Märchen ist! Und gerade auch Kinder werden mit einer Vielzahl von Informationen und Ablenkungen konfrontiert, welche gern angenommen und genutzt werden. Nur was bestimmt das eigentliche Leben, welche Konsequenzen können Taten haben und was ist im Leben wichtig? Alles Fragen welche Gegenstand des Ethikunterrichts sein könnten, nur müssen Fragen, welche gestellt, auch beantwortet werden, Märchen erzählen und Mythen pflegen, zu welchen viele keinen Bezug haben, ist das wesentlich einfacher!
Nur ist dieses Problem nicht neu, wie diese zwei Zitate zeigen:
„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende Geistige Macht.“ (MEW, 3, S. 46)
„Und wie die Gesellschaft sich bisher in Klassengegensätzen bewegte, so war die Moral stets eine Klassenmoral; entweder rechtfertigte sie die Herrschaft und die Interessen der herrschenden Klasse, oder aber sie vertrat, sobald die unterdrückte Klasse mächtig genug wurde, die Empörung gegen diese Herrschaft und die Zukunftsinteressen der Unterdrückten.“ (F. Engels, MEW, Band 20, S. 88)
Daran hat sich bis heute nichts geändert und diesem ist gerade auch die Schulbildung untergeordnet. Somit möge es zwar traurig sein, was so im Ethikunterricht geschieht und geboten wird, aber es entspricht der Ausrichtung dieser Gesellschaft. Letztendlich habe ich nichts gegen religiösen Glauben und erst recht nichts gegen religiös gläubige Menschen, uns einen durchaus gemeinsame Interessen! Aber alles dahin, wo es hingehört, und Religion ist nun einmal Privatsache, sollte es jedenfalls sein, welches übrigens eine entscheidende Voraussetzung für religiöse Freiheit und anders gearteter Glaubensfreiheit überhaupt ist! Somit zeugt ein Ethikunterricht, welcher sein Hauptaugenmerk auf Religion legt, letztendlich im Denken unfreie Menschen!
Dieses ist sicher nicht nur an einer Quedlinburger Grundschule so, dabei ist es nur von zweitrangiger Bedeutung welcher Aufhänger genutzt und wie er verbrämt wird, letztendlich geht es um die Verbreitung und Durchsetzung der herrschenden Ideologie!
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