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Bedingungslosen Grundeinkommen!
Bedingungslosen Grundeinkommen!
Eine Diskussion, welche mich zu folgenden Beitag animierte:
Hallo,
die Spaltung der Arbeiterklasse, welche zugegebener Maßen sich gegenwärtig selbst nicht einmal definiert, ist zwar ein Problem, aber nicht das Einzige!
Bedingungsloses Grundeinkommen, eine interessante Diskussion und ehrlich gesagt, gut für manche Metamorphose. Nun hatte ich mich gute zehn Jahre lang nur wenig mit Politik beschäftigt, vielleicht mit etwas Alltagspolitik, mehr aber nicht. Das hatte seine Ursachen, welche hier aber keine Rolle spielen. Jedenfalls habe ich mich ab 2005 wieder etwas mehr für Politik interessiert, nach dem ich feststellen musste, dass einiges an Wissen verloren gegangen war, und der Irrationalismus immer weiter Raum griff. Das Bedürfnis des Austausches von Meinung wuchs und so begab ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten. Da ich zu diesem Zeitpunk in einer Stadt wohnte und ca. 60 km weiter entfernt arbeitete, litten im Laufe dieser Zeit die sozialen Kontakte erheblich. In Ermangelung direkter Kontakte, suchte ich nach Möglichkeiten im Internet und fand diese auch. So nach und nach konnte ich mein Wissen auffrischen und neues hinzugewinnen. Und irgendwann kam das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen dazu, erst am Rande und später wurden die Diskussionen sogar etwas komplexer. In diesem Zusammenhang muss ich eingestehen, dass ich anfänglich ein solches Einkommen durchaus begrüßenswert fand, und der Ansicht war, dass sich mit Hilfe eines solchen Einkommens so manche Probleme lösen ließen. Und was ist schon gegen ein Existenz-sicherndes Grundeinkommen zu sagen, wenn es auch noch ohne Bedingungen serviert wird, um so besser. Keine Repressionen durch die Arge, dass Thema Mindestlohn hätte sich auch erledigt, denn unter dem Grundeinkommen würde nichts gehen, zudem würde sich die Verwaltung erheblich erleichtern, und so gab es noch einige Punkte, welche für ein solches Einkommen sprachen. Ja, ich war begeistert, könnte man so sagen, aber mit fortschreiten der Diskussionen und mit der Wiedererweckung „alten“ Wissens, kam ich so nach und nach auf den Trichter, dass ein solches Einkommen den Menschen zwar eine materielle Grundsicherung garantieren könnte, aber ihn auch Zug um Zug seines Menschsein berauben würde. Endgültig verwarf ich den Gedanken an eine progressive Seite eines Bedingungslosen Grundeinkommens, als immer mehr Modelle von konservativer Seite ins Spiel gebracht wurden.
Um aber den Sinn oder Unsinn eines solchen Vorhabens zu erkennen, wäre es erst einmal wichtig zu klären, welche Rolle Arbeit im menschlichen Leben überhaupt spielt, ja, was ist Arbeit? Meistens wird diese sehr eingeschränkt betrachtet, extremer Weise als abhängige Beschäftigung und etwas entschärft, als Erwerbsarbeit. Ja, was ist Arbeit und welche Rolle hat sie bei der Menschwerdung gespielt? Und ist der Mensch nicht ein soziales Wesen, kann man da dem Einen ohne Bedingung seine Existenz sichern, also ohne Gegenleistung für die Gesellschaft?
An anderer Stelle in dieser Liste geht es um Entfremdung und wäre nicht gerade ein Bedingungslosen Grundeinkommen ein Gipfel der Entfremdung?
So kann ein BGE nur als Beruhigungsprämie gesehen werden, den gesellschaftlichen Problemen ist damit nicht bei zu kommen, und die allgemeine Krise des Kapitalismus würde sich trotzdem weiter verschärfen, also, wem würde ein solches BGE wirklich und in erster Linie nutzen? Übrigens eine Frage, die nach dem Nutzen, welche viel zu wenig gestellt wird, finde ich jedenfalls.
Wenn Arbeit als die bewusste Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur, so wohl der ihm umgebenen, wie auch seiner Eigenen, betrachtet wird, kann man nur feststellen, dass sie ihm wesenseigen ist, ohne Arbeit wäre er nicht, Arbeit hat ihm zu dem werden lassen, was er ist. Sie unterscheidet ihm vom Tier, ja, diese bewusste Auseinandersetzung hat den Menschen, Mensch werden lassen und lässt es ihn noch heute.
Geben wir dem Menschen Wohnung, Essen, Kleidung, sperren ihn in eine Käfig, golden kann er sei, und was unterscheidet ihn dann noch von jedem anderem Tier im Zoo?
Letztlich entpuppt sich ein solches Einkommen als der untaugliche Versuch das System des Kapitalismus zu retten, da es aber selbst den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus widerspricht, ist es maximal eine vage Alternative zum gegenwärtigen Hartz IV System. Einen Grund dafür, dass dieses Thema in letzter Zeit wieder etwas aufgewärmt wird, sehe ich in Ermangelung anderer, populärer, praktikabler Alternativen und als einen Versuch sich mit diesem System doch noch zu arrangieren. Die Menschen sollen ruhig gehalten werden, selbst wenn dieses mittels Illusionen geschieht, denn sie werden noch gebraucht, man hat „großes“ vor, auch wenn sie nur in gegenwärtigen und zukünftigen Kriegen verheizt werden sollen. Wenn sie da schon etwas ihrer Menschlichkeit verloren haben, um so besser fürs System und die Vorhaben. Aber wie schon geschrieben, auch das Wirtschaftssystem selbst spricht dagegen, wenn Menschen, welche Träger der Ware Arbeitskraft sind, sich ihm entziehen können.
Solidarischen Gruß

27.2.2010 bei 22:38
Erwerbsarbeit ist an sich entfremdung vom menschsein.
Der zusammenhang zum selbsterhalt ist realistisch gesehen in unserer fremdversorger gesellschaft bereits völlig verlohrengegangen.
das grundeinkommen ermöglich mehr sich triebgemäß zu entfalten.
Aber die probleme des kapitalismus löst es nicht. Eventuell verzögert es nur dessen Abschaffung.
27.2.2010 bei 23:28
Hallo saill,
danke für den Kommentar und es ist schon ein weites Feld, wobei es gelten sollte, vor der Fremdarbeit, die Arbeit zu klären. Arbeit als die bewusste Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur, in diesem Zusammenhang ist es Sekundär, ob im eigenem, oder im fremden Interesse.
„Arbeit ist die zweckmäßige, bewusste Tätigkeit des Menschen, in der er mit Hilfe von Arbeitsmitteln Arbeitsgegenstände verändert und sie seinen Zwecken nutzbar macht. Die Arbeit ist in allen Gesellschaftsformation unerlässliche Existenzbedingung des Menschen.“
Wenn der Mensch dem Produkt seiner eigenen Arbeit entfremdet ist, so bedeutet dieses nicht, dass er dem Menschsein entfremdet ist. Also, das er dadurch aufhört Mensch zu sein, wenn dieses der Fall wäre, würde es schon lange keinen Menschen mehr geben, jedenfalls nicht auf dem Entwicklungsstand von heute.
Auch wenn es den Anschein hat, dass einige Zusammenhänge (wie Selbsterhalt) verloren gegangen sind, so sind sie durchaus noch existent, sie treten nur nicht so direkt in Erscheinung.
Das Grundeigentum, und da stimme ich zu, „ermöglicht mehr sich triebgemäß zu entfalten“, die bewusste Auseinandersetzung mit der Natur, weicht einem instinktiven Herangehen. Die bewusste Auseinandersetzung wird durch die Instinktive ersetzt, mangels Arbeit! Mit dem schwinden der unerlässlichen Existenzbedingung des Menschen, schwindet letztlich auch der Mensch!
Ja, das Bewusstsein macht uns menschlich, die Instinkte teilen wir mit den Tieren!
Gruß