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Eine Reaktion.
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 19.4.2010 @ 13:10 In Krieg und Frieden, Entliehen | Keine Kommentare
Eine Reaktion.
Nun hatte ich [1] diesen Beitrag auch in der Mailingliste der Freidenker veröffentlicht, eine Reaktion, welche ergänzend zum Beitrag ist und einige weitere Punkte anspricht, sein hier veröffentlicht.
Lieber Thomas,
auch dies ein Beitrag zum Thema Missbrauch. Es ist ein ungeheurer Beweis von Heuchelei, wenn, wie geschehen, von “Attacken auf Bundeswehrsoldaten” in diesem barbarischen Krieg gesprochen wird. Als wären sie in den Osten geflogen worden, wo sie nichts zu suchen haben, um nichts als Friede und Freude zu verbreiten, und nur die schrecklichen Taliban wollen nicht mitspielen. Aber ich halte es auch für einen Beweis von Heuchelei und sogar für einen Ausdruck von Nationalismus, wenn gar nicht so wenige Linke darüber Tränen vergießen, dass Bundeswehrsoldaten traumatisiert zurückgeschickt werden, denn über die Traumatisierten in der afghanischen Bevölkerung vergießt nicht einer dieser Linken eine Träne, wie es hier zum Beispiel vor Monaten im WzS geschehen ist (ich hatte mich dazu geäußert). Im Zusammenhang mit dem Afghanistankrieg wird mir einfach zuviel von den Bundeswehrsoldaten gesprochen, aber viel zuwenig von ihren Opfern. Nun sind in den vergangenen Tagen Bundeswehrsoldaten gestorben - fürs deutsche Vaterland, für die Prämie oder aus Dummheit. Sie waren aus Bayern. Deshalb, und das ist mir auch aufgefallen, fallen die traurigen Reden eine Nuance trauriger aus als bei den bisherigen Toten, die vorwiegend aus Ostdeutschland kamen, sie sind sozusagen Tote erster Klasse, um ihr Leben betrogene junge Menschen. Man hat sie reif gemacht u. a. mit den Knoppschen Erzeugnissen über den zweiten Weltkrieg, für das Töten von Menschen, die ihnen nie etwas getan haben, man hat ihnen ein festes Feindbild eingeimpft, und jetzt schießen sie auf den “Feind” im NATO-Auftrag, sind staatlich geschützt vor Verurteilung als Mörder.
Auch das sprichst du an: die Werbeaktionen der Bundeswehr. Die Deutschen sind noch nicht enthusiasmiert genug, die Freiwilligen strömen noch nicht in die Kasernen, man muss ihnen die “Schönheiten” des Abschlachtens von Wehrlosen erst einmal beibringen, das “Glücksgefühl”, über den diabolischen Feind gesiegt zu haben. Vielen jungen Leuten bleibt nichts anderes übrig, als zur Bundeswehr zu gehen, sie bekommen weder eine Lehrstelle noch eine Arbeitsstelle, man ködert sie mit lächerlichen Prämien für den Kriegseinsatz, nutzt die Begeisterung für Technik und fürs Heldentum aus, verspricht ihnen, falls sie überleben sollten, eine gesicherte Zukunft. Davon, dass sie auf der Strecke bleiben könnten, erfahren sie erst in letzter Minute. Das sind die einen.
Aber es gibt auch noch die anderen: Dass unter ihnen auch Leute sind, die “Kriegserfahrungen” sammeln wollen, versteht sich, ich denke da zum Beispiel an Neonazis, die gezielt in die Bundeswehr gehen, denn dort können sie sich mit dem Traditionsverständnis fast “wie zu Hause” fühlen.
Wenn Zahlen von Toten genannt werden, dann niemals von afghanischen Toten. Und falls doch, zum Beispiel bei dem “hervorragenden soldatischen Verhalten” des Obersten Klein, dann nur, weil ein paar “Wirrköpfe” das Maul zu weit aufgerissen haben. Aber machen wir uns nichts vor: Ja, die Bevölkerung will im allgemeinen diesen Krieg nicht - sie wollte auch nicht den Krieg gegen die Sowjetunion und hat ihn dennoch für Hitler und seine Hintermänner geführt -, aber wenn in Demonstrationen die Stimme gegen ihn erhoben werden soll, bleiben die Leute zu Hause, so geschehen bei der letzten Kundgebung in Berlin. Mir gehen immer die vielen jungen Leute nicht aus dem Kopf, die bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 so besoffen die “deutsche Fahne” schwenkten und so begeistert “Deutschland, Deutschland über alles” skandierten.
Nachdenklichen Gruß, Hannelore
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