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Wenn Fragen als Maulkorb gesehen werden.

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 17.5.2010 @ 21:57 In Spuren/Gefunden, Gedanken | Keine Kommentare

Wenn Fragen als Maulkorb gesehen werden.

Zwei Versuche habe ich benötigt um diesen Text anständig in der Mailingliste zu platzieren, der erste Versuch ist zwar gelungen, nur war aus irgendwelchen Gründen die Formatierung unmöglich. Im Nachhinein auch nicht verwunderlich, da irgendetwas mit dem Computer nicht stimmte, von dem aus ich den Text gesendet hatte. Auch im anderen Zusammenhang hat es nicht gerade geklappt Texte zu kopieren und einzufügen.

Der Text selbst ist eine [1] Reaktion auf eine Reaktion, in welcher ich hinterfragte welchen Sinn es hat und wem es nutzt Diskussionen auf eine bestimmte Art zu führen. Dabei wird sich auf die Freiheit der Kritik berufen und die eigene Meinung, welche all zu oft aus Kopien verschiedenster Texte besteht, zur absoluten Wahrheit erklärt. Dabei geht es in erster Linie um DDR-Vergangenheit und in Blödzeitungmanier wird über die verschiedensten Gegenstände hergezogen. Nun hatte ich die Frage nach dem Sinn praktizierter Leichenflederei gestellt und die Antwort, zwar nicht auf die Frage, aber auf meinen Kommentar, ließ nicht lange auf sich warten.

 

Hallo Willi,

ihr edles Zweigespann, was würde der EINE wohl ohne den ANDEREN machen?

Ja, wir leben in Zeit und Raum und es ist schon interessant, dass Du mich darüber aufklärst was des Nicos Aussagen Sinn ist, oder sein soll! Er legt also da, um der „Bewusstwerdung der Wirklichkeit“ zu dienen. Wenn dem so ist, dann frage ich mich ernsthaft, in welcher Wirklichkeit Nico lebt?

Nun habe ich auch nicht unbedingt Panik verbreitet, jedenfalls war dieses sicher nicht meine Absicht, sondern nur Fragen gestellt, um Antworten zu erhalten. Da euer Zweigestirn aber selten dazu neigt konkrete Fragen zu beantworten, kann ich wohl kaum mit fortschreitender „Bewusstwerdung“ rechnen. Aber was soll es und was Nicos philosophischen Hintergrund anbelangt, welchen er „partiell bereits offen legte“, so würde ich diesen als vorgeblich materialistisch und realistisch subjektiv idealistisch einschätzen.

Dabei schmerzt mich „an seinen Zitaten und Hinweisen“ nichts, wieso auch, ich muss sie ja nicht zum Gegenstand meiner Betrachtung machen, hab ich auch nicht, sondern nur die Vorgehensweise und die zeitlose Einordnung der gemachten Aussagen. Oder sollte ich besser von seiner ahistorischer Herangehensweise schreiben? Dabei geht es nicht darum, dass irgendwelche Vorhänge zubleiben sollen, es ist schon wichtig, gar von entscheidender Bedeutung, historische Entwicklungen zu untersuchen, auszuwerten und entsprechende Schlüsse zu ziehen. In diesem Zusammenhang ist es nicht unwichtig, von welchem Standpunkt und in wessen Interesse an historische Probleme herangegangen wird. Aus diesem Grund auch meine Fragen, ja, wem nutzt diese Art von Leichenfederei, wer hat ein Interesse daran etwas totes immer wieder zu töten und warum? Dieses ist keine Frage der Vergangenheit, sondern der Gegenwart, womit wir wieder zu der von Dir gepriesenen „Bewusstwerdung der Wirklichkeit“ kommen könnten. Ja, die Wirklichkeit ist die Gegenwart, oder die Gegenwart ist wirklich, die Vergangenheit, auch die DDR sind somit unwirtlich. Geht es also um die Bewusstwerdung der Unwirklichkeit?

Nun und wie schon geschrieben, ist es durchaus wichtig sich auch mit der Geschichte der DDR auseinander zusetzen, aber dieses sollte nicht aus der Zeit ihrer Existenz herausgelöst erfolgen. Es gilt ihrer zu gedenken, als einer Toten, in der Komplexität ihres vergangenen Seins, sie verdient Kritik in ihrem ureigenen Sinn, aber sie verdient es nicht geflädert und geschändet zu werden. Warum gerade letzteres immer wieder praktiziert wird, muss doch einen Grund haben, ja sei es, dass sie weiter lebt, in der Erinnerung und in der Rolle des Antipoden!? Und so können auch die zitierten Äußerungen verschieden interpretiert werden, einmal für die DDR, aber auch und wie geschehen, dagegen. In eurem Verriss, warum auch immer, legt ihr eure westdeutschen Maßstäbe an ein System an, welches mit dem westdeutschen System nicht viel gemein hatte. Dieses trifft insbesondere auch auf die Vertragsarbeiter zu, ihre Rolle, ihre Stellung, ihre Aufgabe waren anders geartet, als zum Beispiel die frei gehandelte Arbeitskraft der sogenannten Gastarbeiter.

Sicher wurden in der DDR Fehler gemacht, (nur wo werden keine Fehler gemacht, wenn neue Wege gegangen werden), welche letztlich zu ihrem Untergang beitrugen, nur deren Ursachen sind kaum Gegenstand der Betrachtung, ganz im Gegenteil, von diesen wird durch praktizierte Leichenfederei abgelenkt, dem Motto folgend: wäre ja noch schöner, wenn die eigentlichen ,inneren Ursachen des Scheitern des Sozialismus in der DDR erkannt würden, daraus könnten ja entsprechende Lehren gezogen werden! Nein und da nicht sein kann, was nicht sein darf, wird versucht diese Vergangenheit immer wieder zu töten, damit auch niemand nur auf den Gedanken kommt, Sozialismus jemals wieder als Alternative zum Kapitalismus auf die Tagesordnung zu setzen!

Du schreibst weiter: „die kritische Auseinandersetzung mit politischer Aufgeklärtheit, oder besser ihrem fehlen, ist für alle Regionen gestattet, nur nicht für Gebiete der ehemaligen DDR? und insbesondere nicht für Menschen aus der ehemaligen BRD?“ Nun spricht hier niemand „Menschen aus der ehemaligen BRD“ die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung ab, nur wie eben geschrieben, es ist eine Auseinandersetzung und da sollte sich nicht gewundert werden, wenn sich auseinander gesetzt wird, also euch auch Widerspruch entgegengesetzt. Dabei entpuppt sich so manche, vorgegeben politische Aufgeklärtheit, als eigentliche politische Verklärtheit.

Beachten sollte ihr in diesem Zusammenhang aber auch; die meisten Ostdeutschen haben nicht nur praktische Erfahrungen im System der DDR sammeln können, sondern seit 20 Jahren auch im System der BRD und dieses lässt durchaus andere Vergleichsmöglichkeiten zu.

Es ist schon kurios, aber nicht verwunderlich, dass ihr meistens von Anderen etwas einfordert, was ihr selbst nicht geneigt seit  Anderen zuzugestehen! In diesem Zusammenhang bin ich der letzte, welcher Dir Deinen „freien Blick“, oder „die freie Sprache, das freie Denken“ nehmen würde, nur gebe ich zu bedenken, die Freiheit des Blickes ist durchaus auch abhängig von den Sehhilfen, welcher man sich bedient, die Freiheit der Sprache, nutzt einen nur etwas, wenn man auch verstanden wird, und freies Denken ist durchaus abhängig, von den Einflüssen, welchen es ausgesetzt ist.

Es ist lobenswert, dass Du Dich für Nico einsetzt, aber das Du das Stellen von Fragen, als Verhängung eines Maulkorbes ansiehst, verwundert nun doch etwas, es sein denn, die Fragen animieren nicht zur Antwort, sondern zur Sprachlosigkeit.

Gruß

Thomas

 


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