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Eine Folge des wirtschaftlichen Systems.
Dieser Eintrag stammt von kucaf Am 26.5.2010 @ 17:21 In Gedanken | Keine Kommentare
Gejammer bei den Gastronomen!
Unter der Überschrift: „[1] Gastwirte fürchten um ihre Existenz“ wurde gestern in der MZ ein großes Jammern angestimmt.
Nun sind Gastwirtschaften in der Regel mittelständische Unternehmen, und so werden sie eher als andere, größere Unternehmen Opfer ihrer eigenen Taten. Extremer Weise wird im Beitrag festgestellt, dass die Umsätze 50% niedriger sind als im Vorjahr, nur wem stört es? Und da die meisten Gastwirte Anhänger dieses wirtschaftliche Systems sind, welches sie geflissentlich selbst mitgestalten, gibt es eigentlich keinen Grund zum Jammern. Würden sich (nicht nur) die Gastronomen über die Folgen ihrer Taten Gedanken machen, hätten sie zumindest etwas weniger Grund zum Jammern. Aber da dem nicht so ist, oder zumindest nur in den seltensten Fällen, werden die Ursachen für gegenwärtige Probleme meistens wo anders gesehen und gesucht.
Dabei ist das schlechte Wetter nur ein Grund, zunehmende „nicht gewerbliche Konkurrenz“ ein anderer, und da die meisten Gastwirte Apologeten des freien Marktes sind, wird dieser es schon richten, in dem überflüssige Gastronomie dem Weg allen irdischen gehen wird und sich vom Markt zurückziehen. Wenn auch nicht freiwillig, so ist dem wohl so und so mancher Gastronom wird sich wohl oder übel in sein Schicksal fügen. Ja, Schicksal, das Schicksal ist für vieles gut, vor allen wenn man nicht geneigt, oder auch in der Lage ist, die eigentlichen Ursachen des Dilemmas zu ergründen.
Angesprochen wird zumindest eine Auswirkung von Ursachen, die sinkende Kaufkraft, warum diese aber sinkt und welchen Anteil die Gastronomen selbst daran haben, bleibt hingegen offen. Als weitere Ursachen werden dafür im Beitrag noch das Rauchverbot in Gaststätten, und die Zunahme von „Vereins-, Feuerwehr- oder Stadtfesten, von denen die Gastronomie nicht genügend profitiere.“ genannt. Das den Vereinen dabei oft nichts anderes übrig bleibt, spielt keine Rolle, nur das eigene Interesse ist wichtig. Und damit wären wir bei einer Hauptursache, welche in der Egozentrik wirtschaftlichen Treibens selbst liegt, sowie dem damit verbundenen beständigen Bestreben, immer das günstigste Angebot zu nutzen und darin unterscheiden sich die Vereine in keinem Fall von den Gastwirten selbst. Dieses hat aber auch zwangsläufig zur Folge, dass die Kaufkraft sinkt. Dabei ist es nicht unbedingt die Kaufkraftzurückhaltung, von welcher so gern gefaselt wird, sondern der reale Kaufkraftverlust. Und wer nun noch erzählt, dass nicht auch Gastwirtschaften dazu beitragen, in dem sie zum Beispiel ihre Mitarbeiter so bezahlen, dass sich diese einen Gang in ein Lokal mit Familie nicht mehr leisten können, der scheint fern ab der Realität zu träumen. Das gerade die regionale Wirtschaft am ehesten Opfer ihrer eigenen Taten wird, sollte nicht verwundern, da sie oft allein von den Menschen aus der Region lebt. Quedlinburg bildet da sicher eine Ausnahme, wo von vornherein die meiste Gastronomie nur auf Grund des Tourismus existieren kann.
Vor Jahren hatte ich in einer Veranstaltung, in welcher es um die Vermarktung regionaler Produkte ging und von Seiten der Gastronomie die Aussage getroffen wurde, dass die regionalen Produkte zu teuer seinen, die Frage gestellt, wie wahrscheinlich es sei, dass der spanische oder holländische Bauer, von welchen die Tomaten gekauft werden, hier in eine Gasstätte geht, um mit seiner Familie Mittag zu essen, oder eine Familienfeier durchzuführen? Und einmal davon angesehen, dass Produkte aus der Region nicht unbedingt teuer sein müssen, sollten Gastwirte nicht unbedingt im Interesse diverser Großmärkte denken, sondern dann doch im eigenen und vor allem im Interesse der Menschen in der jeweiligen Region. Wobei sich seit dem schon einiges geändert hat, was die Verarbeitung regionaler Produkte anbelangt und so mancher Gastwirt gerade den qualitativen Vorteil zu schätzen gelernt hat. Andererseits, wer aber nur immer billig denkt und handelt, bracht sich nicht zu wundern, dass er auch nur billig bekommt und billig wird, oder eben Opfer von billig wird. Dabei sei daran erinnert, dass die Gastronomie zur Euroumstellung, ihre Karten fast eins zu eins umgeschrieben hat, ohne dass die Einkaufspreise entsprechend gestiegen waren. Wer also darauf bedacht ist, seine Waren möglichst billig einzukaufen, dabei besonders auch die Ware Arbeitskraft, braucht sich nicht zu wundern, dass er letztendlich auf der Strecke bleibt, wenn sein Atem nicht lang genug ist. Und der Atem in diesem Wirtschaftssystem lässt sich am einfachsten zwischen Daumen und Zeigefinger ausdrücken. Wenn Haut auf Haut reibt, beleibt nur noch der Erstickungstod und oft nichts anderes übrig, als das Einreihen ist das Herr der immer billiger werdenden Arbeitskräfte.
Nun ist es einmal so, dass in diesem Wirtschaftssystem ein jeder Unternehmer hofft, nicht Opfer seiner eigenen Taten zu werden und dass es dem Konkurrenten immer zuerst erwischt. Das diese Hoffnung trügen kann, ist gerade bei kleineren Unternehmen zu beobachten, dabei ist es durchaus nicht einfach sich diesem Teufelskreis zu entziehen, und schon gar nicht allein. Nun sollte vor dem Jammern, ein jeder Gastwirt, genau wie ein jeder andere Unternehmer, welcher hauptsächlich in einer Region lebt und von dieser leben muss, daran denken, dass der Menschen auf der einen Seite Träger der Ware Arbeitskraft ist, welche möglichst billig zu Verfügung stehen soll, aber auf der anderen Seite auch Konsument, welcher benötigt wird, um dass Geschäft erfolgreich zu führe. Da oft aber nicht gerade die erworbene, die benötigte Arbeitskraft, auch Konsument ihres Arbeitsergebnisses ist, neigt man den Irrtum zu erliegen, dass es einen selbst nicht so schlimm erwischen kann. Leider wird dabei all zu oft vergessen, dass ja andere Unternehmer auch bemüht sind Arbeitskraft so billig wie möglich zu erwerben und somit genauso Kaufkraft vernichten, Kaufkraft, welche sie eigentlich fürs Überleben des Unternehmens benötigen.
So lange sich aber kleinere und mittlere Unternehmer dessen nicht bewusst sind und ihr Handeln darauf abstimmen, kann ich kein Bedauern empfinden, wenn ein Unternehmen nach dem anderen den Weg allen irdischen geht. In diesem Zusammenhang sind selbst die letzten Steuergeschenke gegenwärtiger Regierung an die Gastronomie und Hotellerie alles andere als Hilfreich gewesen, jedenfalls für kleinere und mittlere Unternehmen. Zwar müssen sie etwas weniger Umsatzsteuer abführen, aber nicht nur das diese Steuer nur durch gereicht wird und vom Endverbraucher zu zahlen ist, hat letzterer kaum Vorteile davon. Soweit ich beobachten konnte, sind die Preise aus diesem Grund nicht gefallen.
Ja, die Gastronomie kann jammern und hat auch Grund dazu, wenn die Umsatzeinbußen das benannte Ausmaß angenommen haben, nur sollte sie nicht vergessen, welchen Beitrag sie selbst dazu geleistet hat. Des weiteren kann auch jeder kleine Unternehmer darüber nach denken, in wie fern es Sinn macht, gegenwärtig praktizierte Politik zu unterstützen, welche letztlich nur dahin geführt hat, dass die Massenkaufkraft in diesem Land erheblich zurück gegangen ist und Menschen gezwungen sind, immer entschiedener ihre Prioritäten zu ordnen. In diesem Zusammenhang ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass sie deswegen weniger in Gesellschaft essen und feiern. Die genannten Vereinsfeiern, welche in der Regel selbst organisiert werden, sprechen dafür, aber auch andere Formen des Zusammenseins. So sitzt man gelegentlich vielleicht auch wieder öfter mit Freunden und Bekannten zusammen und bekocht sich gegenseitig. Es bekommen auch in diesem Fall bestimmte Entwicklungen eine Eigendynamik, die offiziellen Wirtschaftsdenken zu wieder läuft. Diese Eigendynamik ist auch gut so und zeigt, dass es durchaus Alternativen zur gegenwärtigen Wirtschaftsordnung gibt, welche nicht auf Kommerz und bedingungsloser Konkurrenz, sondern auf Gemeinsam- und Gegenseitigkeit beruhe.
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