- Was so bewegt! - http://kucaf.de -
Tradition in Quedlinburg!?
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 31.5.2010 @ 21:06 In Regionales, Gedanken | 1 Kommentar
Tradition in Quedlinburg!
Ja, Quedlinburg kann auf manche Tradition verweisen und die Stadt hat in ihrer über tausendjährigen Geschichte so manches erlebt. Ereignisse des Mittelalters, der beginnenden Neuzeit, aber auch der jüngeren Vergangenheit haben ihre Spuren hinterlassen, Spuren, welche man oft noch verfolgen kann. Nun wurde eine jüngere Tradition wider entdeckt und nach dem im [1] letzten Jahr schon mit dieser Tradition geklappert wurde, wird sie nun weiter ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Dieses mal ließ sich ein Reitverein in entsprechend Kostüme stecken und ritt aus Richtung [2] Altenburg in die Stadt ein.
Auf dem Markt angekommen posierten die Reiter vor dem Rathaus, welches der Aufmerksamkeit so manchen Bürgers und Touristen nicht entging. Die [3] MZ berichtet heute ausführlich darüber, wobei vor einigen Tage diese Veranstaltung schon angekündigt wurde. Der Ankündigung war zu entnehmen, dass diese Traditionspflege nicht missverstanden werden soll und man keine Wertung abgeben wolle. Nun möge der Vorsatz nicht schlecht sein, allein ist er nicht realistisch. Gerade wer sich militärischer Traditionen bedient und sich der „Buntheit“ alter Uniformen erfreut, hat nicht nur diese „Buntheit“ zum Gegenstand der Erinnerung. Betont wird dabei auch gern, dass es sich gerade in diesem Fall, um Uniformen handelt, welche vor dem ersten Weltkrieg getragen wurden. Als ob da die militärische Welt noch heil war und Krieg eine Ehrensache.
Das gerade auch diese Kürassiere mit ihren Pickelhauben für die Verbreitung und Ausprägung preußischen Militarismus standen, wird all zu gern ausgeblendet. Aber immerhin und Tradition verpflichtet, zur Zeit dieser Kürassiere hatte das neue Kaiserreich noch keine militärischen Niederlagen einstecken müssen und der erste Weltkrieg wurde erst 1914 vom Zaun gebrochen. Andererseits war es aber auch die Zeit, als das deutsche Kaiserreich seine kolonialen Ambitionen entdeckte und pflegte und so manchen Aufstand in den neu gewonnenen Kolonien in Afrika brutal niederschlug. Das dabei damals schon vor Völkermord nicht zurück geschreckt wurde und in Afrika so mancher Volksstamm fast ausgerottet wurde, spielt heute kaum noch eine Rolle. Eher wird in allgemeine Verklärung eingestimmt, in welcher selbst die Machenschaften deutscher Kolonialstreitkräfte einen Glorienschein erhalten und die Schuld für begangene Untaten einigen Ausnahmeerscheinungen unter den deutschen Offizieren angelastet wird. Welche im günstigsten Fall auch noch psychisch Vorbelastet waren und deren Krankheit als Entschuldigung taugt.
So wird Geschichte heute umgeschrieben und sich so mancher kriegerischen Tradition erinnert, die Reinwaschung hat begonnen und scheint auch um Quedlinburg keinen Bogen zu machen. Stolz auf die alten Traditionen zieht es sich sicher leichter in gegenwärtige und zukünftige Kriege, welche gegenwärtig (noch im kolonialem Stiel) in Afghanistan, oder vor den Küsten Somalias, geführt werden. Wohin die Entwicklung aber geht, wenn weiter mit den Waffen geklappert wird, kann wohl keiner so genau sagen, in jedem Fall soll die Bevölkerung vorbereitet werden. Am besten geht dieses mit Hilfe der Pflege entsprechender Traditionen. Das Motto scheint dabei zu sein: ja, was waren das noch für Zeiten, als die Uniformen bunt waren, zu Pferde in die Schlacht geritten wurde und dem Soldatentum noch ein Hauch von verklärter Ritterlichkeit anhaftete! Historisch betrachtet hat Militär nie eine Unschuld besessen, auch wenn sich mit dem ersten Weltkrieg die industrielle Kriegsführung erst vollends durchsetzte. Heute kann beobachtet werden, dass auch die Kriegsführung sich intensiviert hat und die Waffen immer effektiver geworden sind. Die klassischen Massenheere des ersten und zweiten Weltkrieges werden nicht mehr benötigt, auch sie wurden durch Technik ersetzt, welche gerade auch gegen Völker eingesetzt wird, welche sich bei weiten noch nicht auf diesen Entwicklungsstand der Produktivkräfte befinden. Neu ist aber auch das nicht, wurden doch schon frühere koloniale Bestrebungen mit technologischer Überlegenheit umgesetzt. Dabei wird oft aber vergessen, dass es Menschen sehr schnell lernen, auch mit modernen Waffen umzugehen, oder Möglichkeiten finden, der Wirkung dieser Waffen durch asymmetrische Maßnahmen zu begegnen. Ein Volk, welches um seine Freiheit kämpft, wird immer einen Weg und die Mittel finden, diesen Kampf erfolgreich zu beenden und die Expansionsstreitkräfte zu schlagen.
Aber bis dahin kann es ein langer Weg sein, welcher nicht einfach und auch entsprechender Unterstützung bedarf. Auch dafür gibt es Traditionen, aber diese bewegen sich weniger in Uniformen und werden all zu gern vergessen. Die hier aber gepflegte Tradition, des preußischen Militarismus, und um etwas anderes handelt es sich bei der Darstellung dieser berittenen Truppe nicht, ist dazu nicht tauglich, sie steht für eine Zeit der Expansion, der Intervention, des Kolonialismus und der Vorbereitung auf den ersten Weltkrieg.
Dabei gibt es in Quedlinburg durchaus die verschiedensten Beispiele progressiver Entwicklungen. In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass es aber auch ein Ergebnis des ersten Weltkrieges war, dass die Bedeutung Quedlinburgs als dominierender Saatzucht- und Produktionsstandort für Saatgut verloren gegangen ist. Durch diesen Krieg sind den Quedlinburger Unternehmen nicht gerade wenig Märkte verloren gegangen. Da heute oftmals die zu pflege Tradition aber aus den historischen Zusammenhängen heraus gelöst wird, wird sich vordergründig an den bunten Uniformen und den vermeidlichen Erfolgen ergötzt, und die Folgen dieses Treibens finden keine, oder nur am Rande Berücksichtigung. Aber was soll es, immerhin sind wir irgendwann mal Weltmeister geworden, dann waren wir Papst, oder sind es noch und so ist es fast Zwangsläufig und dieser Logik entsprechend, dass wir irgendwann wieder Krieg sein werden! Wobei, so ganz zufrieden sind die gegenwärtig Regierenden und Kriegs-befürwortenden mit der Einstellung ihres Volkes zum Krieg gegenwärtig ja nicht und damit sich dieses ändern, wird gern auf entsprechende Traditionen zurück gegriffen.
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Was so bewegt!: http://kucaf.de
URL zum Artikel: http://kucaf.de/2010/05/31/tradition-in-quedlinburg/
URLs in this post:
[1] letzten Jahr: http://kucaf.de/2009/09/16/fragwurdige-tradition/
[2] Altenburg: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2010/05/29-05-10_1525.thumbnail.jpg
[3] MZ: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtike
l&aid=1274172856011&openMenu=1121028317468&calledPageId=1121028317468&listid=1121028317460
[4] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2010/05/29-05-10_1525.jpg
[5] Image: http://kucaf.de/__oneclick_uploads/2010/05/29-05-10_1524.jpg
Klicken hier zum Drucken.