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Archive für 20.6.2010

Nun ja, es war Krieg, wenn …

Nun läuft immer noch die Diskussion zum 17. Juni 53 in der Mailingliste und bevor ich diesen Beitrag veröffentlicht hatte, hatte ich eine Antwort erhalten, welche wiederum folgende Antwort zeugte:

 

Nun Herr Rüdiger,

was ist zulässig, was unzulässig? Ist es vielleicht unzulässig das ich nicht den Geschichtsinterpretationen der Sieger folge und eine andere Sicht auf die Dinge habe als Sie? Dabei kann es in diesem Zusammenhang durchaus vorkommen, dass gegebenenfalls Interpretationen als uminterpretiert erscheinen, unter Umständen sind sie aber nur der Interpretation beraubt worden.

In diesem Zusammenhang können wir auch über vieles streiten, aber sicher nicht darüber, dass wir Vertreter verschiedener „Systeme gesellschaftlicher (politischen, ökonomischen, philosophischen, künstlerischen, religiösen usw.) Ideen, die durch die materiellen Verhältnisse der Gesellschaft, insbesondere die Produktionsverhältnisse, bedingte Klasseninteressen zum Ausdruck bringen und darauf gerichtet sind, das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen entsprechend zu beeinflussen, und in entsprechenden Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen ihren Ausdruck finden.“ kurz geschrieben, Ideologien sind. Dieses ist übrigens selbst der Fall, wenn sie der Meinung sein sollten, dass Ideologie etwas Schlechtes ist und nur zu verwenden, wenn etwas besonders abgewertet werden soll. Im speziellen eine andere Meinung, in dem z. B. versucht wird ihr die Keule, ‘dass ist doch ideologisch’, überzuziehen. So wird bei Ihnen meine Meinung als „eine ideologisch unzulässige Uminterpretation“ angesehen. Dabei sind Sie genauso wie Frau Schwan in ihrer Rede geneigt auf die Tränendrüsen zu drücken, in dem sie tiefes Mitgefühl für die bedauernswerten Arbeiter heucheln.

Nun weiß ich nicht was Sie sind und woher sie stammen, aber ich bin so ein „bedauernswerter Proletarier“ welcher Jahre nach 1953 in die DDR hinein geboren wurde, in ihr aufgewachsen ist, in ihr gelernt, gelebt, geliebt, gearbeitet hat und über dem 1990 die Segnungen der kapitalistischen Gesellschaft kamen. Und ich kann ihnen sagen, ich bin heute froh, dass diese Segnungen nicht schon 1953 über uns gekommen sind, nicht nur das dann auch einiges in der alten Bundesrepublik anders gelaufen wäre, ich hätte auch viele Vorteile nicht nutzen können.

So wäre es mir zum Beispiel nicht möglich gewesen eines der besten Bildungssystem seiner Zeit zu durchlaufen, eine Lehrstelle hätte ich eventuell auch nicht bekommen und die verschiedensten Fortbildungsmaßnahmen wären so verschlossen geblieben. Dazu kommen Errungenschaften mit niedrigen Lebenshaltungskosten, einem kostenfreien Gesundheitssystem, klare und verständliche gesetzliche Regelungen, ein Steuersystem welches überschaubar und unkompliziert war und vieles andere mehr. Ich habe nie gehungert und meinen ersten Obdachlosen habe ich 1992 in Essen gesehen. Suppenküchen und Tafeln gab es nicht in der DDR und die Existenz war über ein eigenes Einkommen gesichert.

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