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Wehrpflicht oder Freiwilligenarmee?

Dieser Eintrag stammt von Toguelo Am 15.7.2010 @ 11:05 In Gedanken | 7 Kommentare

Wehrpflicht oder Freiwilligenarmee?

Warum plädiert nicht nur Westerwelle für ein Freiwilligenheer und damit für die Abschaffung der Wehrpflicht, wie der [1] MZ heute zu entnehmen ist? Hat das wirklich etwas damit zu tun, dass immer weniger junge Menschen zum Wehrdienst gezogen werden, also mit der sogenannten Wehrgerechtigkeit, oder steckt anders dahinter? In diesem Zusammenhang scheine andere Zwangsdienste nicht mehr die Rolle wie früher zu spielen, da mit der Zeit Löhne soweit gedrückt wurden, dass die Aufgaben von Zivildienstleistenden auch von Hartz-IV-Verpflichteten übernommen werden, oder werden können.

Was steht also der Abschaffung des Wehrdienstes noch entgegen? Eigentlich nichts, aber ist es gut, dass dieser abgeschafft wird und was steckt wirklich dahinter? Allgemeiner Gerechtigkeitssinn, da so und so nur 16% eines Jahrgangs zum Wehrdienst gezogen werden? Und ist die Bundeswehr nicht schon weitestgehend eine Berufsarmee? Ja, erfordert dieses nicht schon allein die moderne Waffentechnik? Ist es überhaupt möglich, moderne und komplexe Waffensysteme, mit denen heute Kriege geführt werden, innerhalb eines halben Jahres beherrschen zu lernen?

Ist es nicht eher so, dass auch die Kriegsführung ökonomischer Entwicklung folgt und die Waffen, Waffensysteme immer effizienter werden und den Menschen selbst aus dem Krieg, wie auch aus der Produktion, verdrängen. Was für Soldaten werden denn gebraucht, um die Ziele gegenwärtiger Kriege zu verwirklichen, wird diesem der gemeine Wehrpflichtige überhaupt gerecht, ja, kann er diesen gerecht werden, oder erweist er sich letztlich als Risiko?

Wer glauben machen möchte, dass Politiker wie Westerwelle und Co. aus rein humanistischen Erwägungen und auf Grund ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, die Bundeswehr zu einen Freiwilligenheer machen wollen, verschleiert eigentlich die wirklichen Hintergründe solcher Bestrebungen.

Diese sind zum einen in der hohen Technisierung moderner Streitkräfte zu sehen, welche somit entsprechend qualifizierte Fachkräfte benötigt, aber auch in der Zuverlässigkeit von Berufssoldaten, welch über einen längeren Zeitraum fürs Töten gedrillt werden und somit auch zu größerer Skrupellosigkeit erzogen werden können. Der gemeine Wehrpflichtige hingegen, welcher für kurze Zeit seinem zivilen Leben entfremdet wird, ist dem zivilen Leben in einen größerem Umfang verpflichtet, als der Berufssoldat. Und auch wenn es nichts einfacheres gibt, als ein Gewehr in die Hand zu nehmen, deren Benutzung zu üben, so erfordern die meisten Waffensystem doch erheblich mehr Wissen, mehr Übung, mehr Zeit zur Beherrschung.

Kurz gesagt, neben den neuen technischen Begebenheiten und den damit verbundenen Ansprüchen, gibt es natürlich andere erhebliche Unterschiede zwischen Zwangsverpflichteten und Freiwilligen, dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass es auch junge Menschen gibt, welche sich gern Zwangsverpflichten lassen, aber ob gerade diese die Bundeswehr haben möchte, ist eine andere Frage. Jene, welche eventuelle in Frage kämen, entziehen sich ohnehin oft diesem Zwangsdienst. Freiwillige verpflichten sich hingegen über längere Zeiträume, und es macht Sinn diese entsprechend technisch auszubilden und ideologisch zu schulen. Für sie wird das Töten zum Beruf, und eine andere Aufgabe (permanente Androhung des Todes, oder zu töten) haben Soldaten in einer Armee nicht. Desto mehr die Bindungen welche gerade auch über die Wehrpflichtigen zum Volk besteht, verloren geht, desto mehr entwickelt sich solch eine Armee zum willenlosen Werkzeug in den Händen der Herrschenden, zur Durchsetzung ihrer imperialen Bestrebungen. Heute werden Kriege nicht mehr durch Massen von Soldaten gewonnen, sondern durch den Einsatz von Technik und um eroberte Gebiete zu besetzen und zu beherrschen, werden Vasallen-Armeen geschaffen. Wehrpflichtige, dem eigenem Volk nicht entfremdete Soldaten, sind dazu nicht so recht zu gebrauchen, noch weniger sind sie unter Umständen zu gebrauchen, wenn es gegen das eigene Volk geht.

 


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