Juli 2010
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Thema verfehlt, einige Gedanken zur Meinungsäußerung.

Thema verfehlt, einige Gedanken zur Meinungsäußerung.

Thema verfehlt, könnte man sagen, da der folgende Beitrag im Rahmen einer Diskussion, mit dem eigentlichem Thema nichts zu tun hat, sondern sich eher mit der Art und Weise von Meinungsäußerungen beschäftigt. Was sicher nicht unwichtig ist, da es durchaus eine Rolle spielt, welche weltanschaulichen Grundlagen Ausgangspunkt sind und diese sich entsprechend widerspiegeln sollten. Dabei ist die Frage durchaus berechtigt, in wie weit gängige und verschiedene Ideologien mit einfließen können. Letzteres hier nicht als Gegenstand der Betrachtung, sondern als Instrument der Argumentation. In diesem Zusammenhang auch den Kampf um Begriffe und deren Inhalte zu führen, erachte ich als durchaus angebracht, genauso wie bestimmte Begriffe ihren vermeidlich negativen Anstrich zu nehmen. Ein typisches Beispiel dafür ist der Begriff Ideologie, welcher gerade im Rahmen bürgerlicher Ideologie als Schimpfwort verwand wird. Dem Link folgend, kann der Zusammenhang für folgenden Beitrag nachvollzogen werden:

Zu Deiner letzten Antwort, das eigentliche Thema nicht berührend.

Ja, Sepp,

ein Thema für sich und es sollte durchaus darüber gesprochen werden. Strategie und Taktik nennt man dieses wohl, nur welche Strategie und Taktik gilt es anzuwenden? Dabei ist festzustellen, dass sich gerade kommunistisch orientierte Menschen im Ziel einig sind, sich über den Weg aber oft gestritten wird. Wenn dazu noch ein Streit über die Methode kommt, ist das Wirrwarr perfekt und es gelingt maximal sich im Kreis zu drehen. Philosophisch gesehen, sich der Metaphysik hinzugeben, anstatt der Dialektik Herr zu werden.

Also frage ich, was macht es für einen Sinn, eine Sprache zu sprechen, von  welcher man ausgeht, dass sie verstanden wird, weil sie von den Menschen benutzt wird, da sie ständig mit ihr konfrontiert werden, anstatt die Sprache zu benutzen, welche es gilt zu erlernen?(Anmerkung während der Überarbeitung: eigentlich geht es darum, dass Menschen mit vielen verschiedenen Einflüssen konfrontiert werden, gerade durch die Medien und so vieles der dort praktizierten Ausdrucksweise annehmen, dem wird man wohl kaum etwas entgegensetzen können, wenn sich von diesem Sprachgebrauch nicht Inhaltlich entfernt wird.)

Oder anders, ist es notwendig, in Kategorien bürgerlicher Ideologie zu verharren, wenn doch eigentlich streben ist, sozialistische Ideologie zu verbreiten? Dafür, dass es auch anders geht, gibt es durchaus Beispiele, wie zum Beispiel im letzten Freidenker, welcher das Thema Demokratie zum Gegenstand hat, auf dem im Internet noch nicht verwiesen wird. Und Du lieferst ja selbst genügend Beispiele.

Hier habe ich zum Beispiel etwas geschrieben, zu einem Beitrag, auf welchen ich in der Mailingliste der Freidenker aufmerksam wurde. Dabei habe ich einen Kommentar dort hinterlassen, wo ich der Meinung war, dass er gut zu platzieren sei, da die dort geäußerte Meinung, meinen Ansichten am nächsten kommt. Am ursprünglichen Ort war der Gegenstand der Betrachtung vermutlich unter dem Gesichtspunkt, dass auch für Banker das Leben gefährlich sein kann, veröffentlicht, welches letztlich ohne Kommentar maximal zur Rechtfertigung der Taten gegenständlichen Bankers führt. Ob mir nun meine Aussage gelungen ist, ob sie trifft, kann ohne Reaktion schlecht gesagt werden, aber ich mühe mich, eine meinen Anschauungen entsprechende Sprache zu sprechen, unabhängig davon, welche Leser ich gerade habe.

Kurz geschrieben, wenn ich möchte, dass meine Sprache verstanden wird, so muss ich sie sprechen und das erst recht, wenn eine andere Ausdrucksweise mein Anliegen eigentlich negiert. In diesem Zusammenhang konnte ich folgende Erfahrung sammeln: oft war es so, dass ich Probleme angesprochen habe, vor der Zeit (also bevor diese für die Menschen Quantitativerweise eine neue Qualität von Erfahrungen hervor brachten), auf Grund der Kenntnis bestimmter Gesetzmäßigkeiten in der Gesellschaft, und mir niemand glaubte. Aber glaube mir, die Zeit ist mit dem Fortschritt und so hat die Praxis im Laufe der Zeit vieles bestätigt, von dem, was ich einmal gesagt hatte. Die Menschen mögen sich dann vielleicht nicht mehr erinnern, wer es gesagt hat und wem sie als Weltfremd oder anders wie bezeichnet haben, aber sie erinnern sich, dass es gesagt wurde und das es sich letztlich um eine realistische Einschätzung gehandelt hat. In diesem Zusammenhang sei auch an Bewusstseinsentwicklung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR erinnert, welche oft als Nostalgie abgetan werden und doch nur Ausdruck bewussten Seins sind. Ja, das Sein bestimmt das Bewusstsein, wie auch das gesellschaftliche Sein, dass gesellschaftliche Bewusstsein bestimmt und so befördert das gegenwärtige Sein, die Erinnerung, in Form des Vergleiches, mit dem vergangenen Sein!

Dabei muss ich ehrlich eingestehen, dass mir selbst so mancher Zweifel kam, welches besonders hervortritt, wenn man mit seiner Meinung ziemlich allein dasteht, nur ist der Zweifel eine Kraft die treibt und Erkenntnis befördert. Also eine notwendige Kraft, der man sich nicht verschließen sollte. Und so habe ich einiges mit der Sprache ausprobiert, bin aber letztlich zu den Schluss gekommen, wenn meine Weltanschauung als Grundlage den dialektischen und historischen Materialismus hat, dann sollte ich diesen auch konsequent anwenden, jedenfalls so gut es mir möglich ist. Gerade in Diskussionen mit sich kommunistisch nennenden fällt mir auf, dass kommunistische Ideen oft vordergründig plakativ propagiert werden, dabei wird sich zum Teil einer Rhetorik bedient, welche aus der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts stammt. Dass in solchen Fällen die „Klappe des Antikommunismus“ fällt, ist dann eher dieser unzeitgemäßen Rhetorik geschuldet, als dem Gegenstand selbst. Somit würde ich feststellen, es ist notwendig, eine verständliche, zeitgemäße, der Entwicklung der Produktivkräfte entsprechende Sprache zu sprechen, ohne seine weltanschaulichen Grundlagen zu verlassen und entsprechende Kompromisse einzugehen. Übrigens auch ein Grund, warum ich gelegentlich aus „alten“ Wörterbüchern abschreibe und in meine Texte entsprechende Links einbaue. Dieses dient nicht nur dem Kampf um Begriffe und deren Inhalte, sondern auch um zu veranschaulichen, wie diese Begriffe in den Texten zu verstehen sind.  

Wenn es zum Beispiel unser Streben ist, ein den objektiven Verhältnissen entsprechendes Klassenbewusstsein zu fördern, dann sollten wir auch von Klassen reden, wenn wir die Erkenntnis fördern möchten, dass es zum Kapitalismus keine Alternative gibt, außer den Sozialismus, Kommunismus, so sollten wir dieses auch so sagen und vor allen begründen, welches auf Grund weltanschaulichen Idealismus und mit Hilfe  bürgerlicher Ideologie schwerlich möglich ist. Wir sollten dahin schauen, wo wir hinwollen und nicht dahin, wo wir sind! Eine Erkenntnis, welche ich im Zusammenhang mit einer praktischen Tätigkeit nach meiner Lehre vermittelt bekommen habe. Damals arbeitete ich als Lackier und mühte mich mit dem Pinsel einen geraden Strich an einem Kühlwaggon zu ziehen, was mir (da ich den Beruf nicht gelernt hatte) sichtlich Mühe bereitete. Ich schaute auf den Pinsel und auf die Linie, welche ich gezogen hatte. Als dieses der Brigadier bemerkte, nahm er mir den Pinsel aus der Hand und zog in kürzester Zeit die Linie 3 Meter weiter. Dann gab er mir den Pinsel wieder und sagte: „siehst Du, so wird das gemacht und weißt Du was Dein Problem ist, Du schaust auf den Pinsel und Du schaust auf die Linie, welche Du gezogen hast, aber Du musst vor den Pinselschauen, Du musst dahin schauen, wo Du mit dem Pinsel hin willst.“ Dieses tat ich dann auch und siehe da, die Linie wurde gerade und sauber und schneller ging es obendrein. In anderen Zusammenhängen ist es nicht anders, dass uns dabei die Gegenwart beschäftigt, liegt in der Natur der Dinge, immerhin leben wir in dieser und können auch nur diese verändern, dass wir uns der Zukunft zuwenden, ist eine Folge daraus, da unser gegenwärtiges gesellschaftliches Handeln auf ein Ziel ausgerichtet sein sollte, welches unseren Erkenntnissen entspricht und die Vergangenheit dient uns mit ihren Erfahrungen, mehr aber auch nicht, wir können sie nicht mehr verändern, auch wenn es noch so oft versucht wird, aber leider stecken viele Menschen in der Vergangenheit fest.

Ja, es gibt viele Gründe eine Sprache zu sprechen, welche dem Ziel entspricht, welches man hat und das ist nicht die Sprache, mit der die Menschen gegen ihre eigenen Interessen gelenkt werden. Dabei ist Rhetorik, welche durchaus Zeitgemäß sein sollte, das eine und der Inhalt etwas anderes und auch der Zeitgeist ist nur ein Kind praktischen Lebens!

Nun aber genug und ehrlich geschrieben, ist das der dritte Ansatz einer Antwort und desto länger ich darüber nachdenken, desto mehr fällt mir ein, dabei dient das Niederschreiben auch immer dem Selbstverständnis und natürlich der Diskussion.

Ach so, was ist eigentlich eine „nicht-klassische Formulierung“, welche Du Dir gelegentlich leistest?    

Solidarischen Gruß

ein Suchender.

P.S. genau genommen, ziemlich viel, um vom eigentlichen Thema abzukommen, vielleicht wäre es besser sich diesem Thema separat zu nähern.

Antwort schreiben