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Der Kapitalismus ist gescheitert und nun?

Der Kapitalismus ist gescheitert und nun?

Auf ein Interview im Handelsblatt wurde ich aufmerksam gemacht, „der Kapitalismus ist gescheitert“, möge Ausschlaggebend für die Empfehlung gewesen sein. Nur wenn ein solches Blatt, eine solche Aussage propagiert, so hat das sicher einen Grund, was mich wiederum zu folgende Gedanken veranlasste:  

Ist es nicht egal, welche Krise studiert wurde und ist es neu, was von diesem Herren zu erfahren ist? Die Ursachen gegenwärtiger Krisen bleiben hingegen genauso im Dunkel, wie bei den beispielhaften Krisen der Vergangenheit. Auf den objektiv qualitativen Unterschieden zur wirtschaftlichen Entwicklung in den 30 Jahren wird erst gar nicht eingegangen. Ach ja, wie auch, dieser Unterschied zeigt sich eigentlich nur, wenn die Ursachen selbst untersucht werden. Und wenn schon diese Krise als Beispiel genommen wird, dann sollte auch nicht vergessen werden, dass man ihr letztendlich Herr wurde, in dem auf Kriegswirtschaft umgeschaltet wurde. Die Folgen dürften hinlänglich bekannt sein und sorgten nachträglich für das Wirtschaftswunder nach dem Krieg.

Und was fallen dem Apologeten des Kapitals für Lösungen ein: „Ich denke zum Beispiel an die Frage nach der Haftung von Managern, aber auch an finanzielle Maßnahmen.“ Nur würde sich etwas am Problem ändern, wenn die Manager haften müssen und unter Umständen Teile ihres Einkommens verlieren? Nein, es würde sich nichts ändern, egal wie populär diese Forderung auch ist, denn an den eigentlichen Ursachen, welche im System des Kapitals begründet sind, würde sich dadurch nichts ändern. Andererseits darf neben der Schuld der Manager natürlich auch die Gier und der Zins nicht fehlen, wie zu lesen ist: „Die eine ist die Gier. Oder anders ausgedrückt der Glaube, dass man ohne Arbeit immer reicher werden kann. Der zweite Punkt ist, dass die Börse nur dann so stark steigt, wenn Schulden gemacht werden.“ Es stimmt natürlich, dass man ohne Arbeit nicht reich wird, mit eigener Arbeit aber auch nicht, sondern nur wenn es gelingt die Arbeitskraft anderer für sich auszunutzen.

Ja, wenn schon Krise, dann richtig, zumindest richtig ablenken. Dabei werden durchaus richtige Erkenntnisse vermittelt, wie: „Die Finanzmärkte sind um ein Vielfaches größer, als die Realwirtschaft dies für ihre Investitionen und ihren Handel braucht.“ Nur warum das so ist, bleibt offen. Und was sind schon 25% Eigenkapitalrendite bei der Deutschen Bank? So hört sich diese Zahl zwar viel an, nur wenn berücksichtigt wird, dass die Deutsche Bank mit wesentlich mehr fremden Kapital agiert, als mit eigenem, relativieren sich diese 25% relativ schnell. Für den Apologeten des Kapitals anscheinend nicht wichtig. Nur schnelle Gewinne zu machen ist eine Leichtigkeit, wenn man nicht auf die Zukunft achten muss. Richtigerweise stellt er fest: „Man fährt Ausgaben für Innovationen, Marketing und Ausbildung zurück und der Börsenkurs explodiert. Entscheidend ist die Frage: Was tut das Management für die Zukunft des Unternehmens.“ Wobei letzte Frage lauten müsste, was kann das Management für die Zukunft der Unternehmen tun, denn dem wirtschaftlichen System des Kapitals entsprechend, sind die Möglichkeiten durchaus beschränkt. Aber auch die vorhergehende Feststellung wirft mindesten eine Frage auf, warum dieses so ist und einmal ehrlich, unter Klosterbrüdern, eine Grund wird es sicher geben. Vom Guru hingegen sind die eigentlichen Ursachen, welchen in den sozialökonomischen Verhältnissen begründet sind, nichts zu erfahren und so präsentiert er folgende Lösung: „Alle Dax-Firmen sollten sich sofort vom deutschen Corporate-Governance-Kodex und der Idee des Shareholder-Values verabschieden. Zweitens muss man die Bonussysteme ändern. Nicht abschaffen - gute Manager sollten gut verdienen. Die Boni müssen für die besten Manager möglicherweise höher sein als heute. Aber sie müssen vollkommen abgekoppelt sein von Finanzkennzahlen und Börsenkursen.“ Und was passiert, wenn die Dax-Firmen wie vorgeschlagen abgekoppelt werden, ändern sich dann objektive Gesetzmäßigkeiten innerhalb des kapitalistischen Systems? Aber warum auch, solche scheint es ja nicht zu geben und wenn des weiteren die Manager nicht mehr soviel Boni bekommen, wird sich schon einiges ändern und sie werden wahre Wunder vollbringen, die Manager, um doch wieder an die Bonie zu gelangen. Nur einmal davon abgesehen, dass auch Manager nur Angestellte des Unternehmens sind, und die Kürzung ihres Einkommens nur den Eignern der Unternehmen nutzen würde, sind auch diese nicht in der Lage, gegen objektiv wirkende Gesetzmäßigkeiten erfolgreich zu agieren. So wird zwangsweise weiter mit Vorschlägen versucht, über eine Reformierung der Börse, in dem die Spekulation etwas ausgebremst werden soll, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Das diese Probleme sich an den Börsen spiegeln, ist sicher richtig, nur entspringen sie der Realwirtschaft und entsprechen den kapitalistischen Produktionsverhältnissen. Werden die Ursachen nun im Spiegel gesehen, so ist es nicht verwunderlich der Illusion zu erliegen, dass sich die Situation dadurch verändern ließe, in dem der Spiegel geputzt wird. Ja. was kann man von einem Guru anderes erwarten, als das Predigen seiner Heilslehren? Und so wurde zwar oben angesprochen, dass diese Krise noch nicht ausgestanden ist, was nicht hindert, schon mal Lehren aus dieser Krise zu ziehen. Dabei kann die Feststellung: „Der Kapitalismus ist genauso gescheitert wie der Sozialismus“, so manches linke Herz höher schlagen lassen. Das dabei der Sozialismus als Perspektive zum Kapitalismus gleich mit abgefertigt wird, fällt anscheinend nicht weiter ins Gewicht. Wichtig nur die Feststellung, dass der Kapitalismus gescheitert ist und noch wichtiger scheint zu sein, aus wessen Munde es kommt.

Aber weiter im Text, denn wenn der Kapitalismus gescheitert ist, so muss er ja durch etwas anderes ersetzt werden, was der Sozialismus nicht sein kann, da dem vordem ja dasselbe Schicksal zu Teil wurde, wird etwas altes wieder aufgewertet. Und so wird es fast schon religiös, wenn es weiter heißt: „Diese Krise ist das Symptom eines fundamentalen Wandels, es sind die Geburtswehen für eine neue Welt. So etwas hat in der Geschichte möglicherweise noch nie stattgefunden. Die Lösungen werden nicht aus der Ökonomie, auch nicht von den Regierungen kommen. Die Menschen werden lernen, sich gegenseitig zu helfen. Ich denke, wir werden eine neue Menschlichkeit erleben. Das neue Kapital ist Wissen, während Geld an Bedeutung verlieren wird. Der krasse Egoismus der letzten Jahre wird sozial geächtet sein. Menschen Sinn zu ermöglichen wird wichtiger.“ Halleluja, man hätte es wissen müssen, die Liebe wird uns einholen und allgemeine Seeligkeit in Harmonie unser Leben bestimmen. Über diese Formulierung sollte aber nicht genauer nachgedacht werden, denn was sind schon Symptome für einen fundamentalen Wandel und da Geburtswehen mit Schmerzen verbunden sind, werden wir schon mal auf diese Vorbereitet. Ja, es wird wehtun, aber nehmen wir es hin, es sind nur die Geburtswehen für eine Zeit in Harmonie, wehren wir uns nicht, denn keine Geburt ohne Schmerz! Was will man mehr, nach dem Krach, das Paradies in neuer Menschlichkeit und als Kapital wird Wissen fungieren, dabei verliert Geld heute schon an Bedeutung, da immer mehr Menschen immer weniger davon haben. Andererseits ist Wissen auch nicht gerade gerecht verteilt, sondern entsprechend eines privilegierenden Bildungssystems. So subjektiv hier die Ursachen sind, so subjektiv die Lösungsangebote, und dass bei durchaus objektiv zu begründenden Problemen.  

Ja, der Guru hat gesprochen, die Zeitung hat es veröffentlich und so mittels verhaltener Kritik für Ablenkung gesorgt. Die eigentlichen Ursachen werden verschleiert und die Opferlämmer der Schlachtbank verwiesen, mit den Verweiß auf eine glänzende Zukunft.

4 Antworten auf “Der Kapitalismus ist gescheitert und nun?”

  1. Sepp Aigner sagt:

    Im irdischen Jammertal ein paar Korrekturen - und im uebrigen das Versprechen des (krisen-)jenseitigen Himmels: die alte Leier. Die hat jeder Dorf-Pfaffe drauf,

  2. Tolo sagt:

    Hallo Sepp,
    so ist es, Trost fürs irdische Jammertal, gewürzt mit Verlockungen für die Zukunft. Leider verfängt diese Masche immer noch, so alt wie sie auch sein mag und so ist sie auch immer wieder der Auseinandersetzung wehrt, gerade wenn diese Apologeten des Kapitals mit Amt und Würden, Titeln und Mythen ausgestattet sind.
    Gruß Thomas
    PS. Übrigens erhielt ich an anderer Stelle Reaktion auf diesen Text und wenn es Dich interessiert, würde ich Dir diese, sowie meine Antwort darauf, per E-Mail zukommen lassen.

  3. Sepp Aigner sagt:

    Klar interessiert mich das.

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