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Gedanken zum Jahreswechsel!
Dieser Eintrag stammt von kucaf Am 2.1.2011 @ 16:30 In Tätigsein, Gedanken | 5 Kommentare
Gedanken zum Jahreswechsel!
Das letzte Jahr endete für mich im relativen „Stumpfsinn“*! So übe ich seit Anfang Dezember eine eigentlich „stumpfsinnige“ und auch schlecht bezahlte Tätigkeit aus. Was der Mensch nicht alles tun muss, um seine Existenz einigermaßen zu sichern und wovon er trotzdem nicht leben kann, selbst wen er seine Gesundheit ruiniert. Ob nun die Bezahlung für diese Tätigkeit sittenwidrig ist, wie mir jemand schrieb, vermag ich nicht zu sagen, da sie zwar sehr schlecht ist, aber den Sitten des System des Kapitals durchaus entspricht. Das schlimmste an solch „stumpfsinnigen“ Tätigkeiten ist, dass man selbst dazu neigt abzustumpfen. Um mit solchen Tätigkeiten überhaupt klar zu kommen, ist man gezwungen das eigene Niveau nicht unerheblich nach unten zu korrigieren und gelegentlich auch gegen eigenes Verständnis zu agieren. Andererseits möge dieses auch Sinn machen, denn um eine Tätigkeit und ihr Umfeld zu erfassen, ist es gelegentlich schon notwendig sich darauf einzulassen.
In diesem Zusammenhang erschließen sich neue Erfahrungen, welche ich zwar indirekt kannte, aber selbst nicht gesammelt hatte. Interessant auch die verschiedensten Beweggründe, warum Menschen sich auf solche Tätigkeiten einlassen, oder auch einlassen müssen. Da reicht die Palette von äußerer Nötigung, also Zwang durch dritte, über materielle Notwendigkeiten, also existenzielle Zwänge, bis hin zu eigenmotivierter Tat, auf Grund von Langeweile. Und so treffen auch die verschiedensten Charaktere, von den verschiedensten Umständen geprägt, aufeinander. Das Verhältnis unter den Kolleginnen und Kollegen ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, durchaus kollegial. Eine Hakordnung an sich gibt es nicht, was sich allein schon auf Grund hoher Fluktuation zu verbieten scheint, wobei für diese Tätigkeit die Bewerber nicht gerade Schlange stehen, und so mancher Bewerber nicht einmal die vorgesehenen Probetage absolviert.
Nun habe ich im Dezember, außer die ersten Tage der ersten Woche und die Wochenenden, als Springer durchgearbeitet. Also als eine Arbeitskraft, welche den Erfordernissen des Unternehmens und auf Gutdünken im Falle eines Ausfalles, ob geplant oder nicht, eingesetzt wird. Eine Arbeitskraft also, welche sich der anvisierten 400,-€ nicht einmal sicher sein kann, aber sich dafür in beständiger Bereitschaft halten muss. Geendet hat der Monat mit einer kräftigen Erkältung, welche der Tätigkeit geschuldet war und mit der ich gegenwärtig noch zu kämpfen habe.
Die Aufnahme dieser Tätigkeit, zu welcher ich mich zu einem späteren Zeitpunkt konkreter äußern werden, war einer Anzeige im wochendendlichen [1] Wurstblatt geschuldet. Die Anzeige wäre mir nicht einmal aufgefallen, da ich eigentlich nicht dazu neige solche, ausschließlich der Werbung dienenden, Gratiszeitschriften zu lesen. Da ich aber auf diese Anzeige aufmerksam gemachte wurde, konnte ich mich nicht entziehen und nahm mittels angegebener Telefonnummer am Montag darauf Kontakt zum Unternehmen auf. Am Telefon konnte ich erfahren, dass es sich um einen 400,-€ Job handelt, welcher mit 3,00€ die Stunde vergütet wird, wofür man 133 Stunde im Monat arbeiten müsse. Mir wurde angeboten, am nächsten Tag (07.12.2010) einmal mitzufahren. Dieses Angebot nahm ich war und fuhr mit einem Kollegen jene Tour, welche ist anschließend allein bewältigen sollte. Angemerkt sei, dass ich immerhin nicht schon wieder einer Tätigkeit entsagen konnte, aber auch wollte, obwohl diese Tätigkeit es noch mehr als andere verdient hätte. (Ein Vorteil, diese Tätigkeit war erst einmal nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden. Immerhin konnte ich den Einsatzort zu Fuß erreichen und als Arbeitskleidung genügten abgetragene Klamotten.) Nach dem ich einmal mitgefahren war, entschied ich mich für drei Tage Einarbeitung, um anschließend die Tour selbst zu fahren. Dabei tat das Wetter sein übriges, die Straßenverhältnisse ließen durchaus zu wünschen übrig und so waren Verspätungen kaum zu vermeiden. Pausen gibt es während der Fahrt nicht und eine Arbeitszeit von 06.30Uhr bis 16.00Uhr war mancher Tage normal, wobei mir gleich verkündet wurde, dass die täglich geleisteten Mehrstunden nicht bezahlt werden, auch nicht in dem sie in den nächsten Monat mitgenommen werden. Zwischen Weihnachten und Silvester war nicht soviel Zeit von Nöten, da einige Auftraggeber (Kindergärten, Schulen) weggefallen sind und sich die Wetterlage etwas entspannte.
Für mich hatte ich beschlossen, aus dieser Tätigkeit ein Studienobjekt zu machen, eigene neue Erfahrungen zu sammeln und Erfahrungen, sowie Beweggründe anderer mit einzubeziehen. Überrascht war ich in diesem Zusammenhang, dass ich einen ehemaligen Kollegen getroffen habe, welcher diese Tätigkeit schon seit einigen Jahren ausübt, wobei das Verhältnis zu den Kollegen, wie schon geschrieben, gut ist. Auseinandersetzungen gibt es gelegentlich mit den so genannten Führungskräften, welche dem einen und anderem Kollegen gegenüber einen durchaus rüden Umgangston pflegen. Ich persönlich wurde Zeuge solchen Vorgehens, noch mehr hörte ich davon, wobei mir gegenüber bis jetzt die Form gewahrt wurde. Einmal gab es eine Auseinandersetzung mit einer Mitarbeiterin aus der Verwaltung, da ich Unterlagen aus der Fahrermappe nicht am Montag schon abgegeben hatte und in dieser liegen gelassen habe. Einmal davon abgesehen, dass anscheinend ein jeder seine Existenz nachweisen muss, war dieses „vergessen“ eher dem Wetter geschuldet und wenn einem die Zeit bei ungünstigen Straßenverhältnissen im Nacken sitzt, bleibt das eine und andere schon mal auf der Strecke, besonders wenn es am nächsten Tag den selben Effekt hat. Jedenfalls konterte ich den Vorwurf einfach mit der Aussage, dass mit 3,00€ die Stunde man nicht fürs Denken bezahlt wird, auch nicht fürs mitdenken, dass reicht maximal um ein Programm abzuspielen. Dieses sollte ich dem Einsatzleiter direkt sagen, bekam ich als Erwiderung, welches ich auch tat, da dieser gerade durch die Tür kam. Damit war dieser Vorgang auch erledigt und letztlich haben die Unterlagen ihren Zweck erfüllt.
In diesem Zusammenhang wäre vielleicht anzumerken, dass ich im ersten Gespräch auf die Frage nach meinem beruflichem Werdegang nur lapidar antwortete, dass ich für diese Tätigkeit über qualifiziert sei. So hatte sich auch dieses Thema erledigt und bis heute wurde ich nicht einmal gefragt, ob ich überhaupt einen entsprechenden Führerschein besitze. Nichts desto trotz bin ich nun bis Ende Dezember gefahren, habe mich die letzten zwei Tage mit einer kräftigen Erkältung gequält, welche immer noch andauert und werde morgen der Tätigkeit fern bleiben, da ich meine Erkältung erst einmal auskurieren werde. Zum Arzt selbst werde ich nicht gehen, zum einen erledigt sich eine Erkältung in der Regel und bei notwendiger Ruhe von selbst und zum anderen kann ich mir mit Bezug auf dieses Einkommen 10,-€ Praxisgebühren nicht leisten. Somit endete das letzte Jahr etwas Stumpfsinnig und wie das letzte endete, wird das neue beginnen, wobei ein jeder stumpfe Sinn, eben auch ein Sinn ist! Bedauerlicherweise hat diese Tätigkeit auch dazu geführt, dass ich meinen Blog etwas vernachlässigt habe. Nach einem anstrengenden Arbeitstag, der Witterung geschuldet, von 8 bis 10 Stunden, war ich einfach geschafft und verspürte wenig Lust mich noch zu betätigen. So zeugt Geistlosigkeit immer auch nur Geistlosigkeit, oder treffender, eine geistlose Tätigkeit, geistloses Tätigsein! Ganz so schlimm ist es nun doch nicht, einzig und allein blockiert solche Tätigkeit anderes Tätigsein.
Das solche wirtschaftlichen Errungenschaften von der tonangebenden Politik als neues „Wirtschaftswunder“ verkauft werden, liegt auf der Hand, hat mit der eigentlichen Realität aber wenig zu tun. So gelang es gerade mit solchen prekären Beschäftigungsverhältnissen die Zahl der Arbeitslosen zu senken. Genau betrachtet dient ein solcher Aufschwung letztlich nur den Unternehmen, den Beschäftigten selbst steht in der Regel immer weniger Geld zur Verfügung. Also auch weniger Geld für den Konsum, so das ein entscheidender Kreislauf der Wirtschaft nicht gestärkt, sonder letztlich geschwächt wird. Solange die deutsche Wirtschaft aber zum einen die europäischen Strukturen zu ihrem Vorteil nutzen kann, ihre Interessen als europäische Hegemonialmacht durchsetzt und zum anderem am Tropf der chinesischen Wirtschaftsentwicklung hängt, lässt sich innenpolitisches Vorgehen, zum Zwecke sozialen Kahlschlags, noch als Erfolg verkaufen. Andererseits, [2] Unternehmen, welche es real nötig haben, solch niedrige Löhne zu zahlen, sind eigentlich pleite und verdienen es, den Weg allen irdischen zu gehen. Was sie auch tun werden, wenn die Beschäftigten, welche ein solches Vorgehen überhaupt erst ermöglichen, nicht mehr im gewohnten Maße mitspielen. Zur Zeit wird zwar viel gemeckert, ansonsten aber dem Prinzip Hoffnung auf bessere Zeiten gefolgt, oder resignierend festgestellt, dass so und so nichts zu ändern ist und sich in sein Schicksal gefügt. Der Glaube an die Allmacht der Politik ist allgemein und tief verwurzelt, Schicksal ist die Kraft die treibt, Gesetzmäßigkeiten im gesellschaftlichen Sein verpönt! Allgemeine Egozentrik steht der Vertretung gemeinsamen Interesses oft entgegen, besonders wen Gemeinsamkeiten nicht einmal erkannt werden, oder in Gemeinsamkeit den Ruf des Hirten gefolgt wird! Es ist nicht die Freiheit der Herde, die vorgeblich zählt, sondern die Freiheit des Hirten, welchen die Herde zu folgen hat. Die Ohnmacht liegt in der Vorgabe der Erkenntnis, die Macht im Ringen um diese selbst. Nun werde ich morgen nicht arbeiten gehen, zu sehr bin ich von der Erkältung noch gezeichnet und es ist es nicht wert, seine Gesundheit zu ruinieren, für eine Tätigkeit, welche nicht einmal kranken versicherungspflichtig ist!
Allen Lesenrinnen und Lesern noch ein gesundes und Erfolgreiches neues Jahr!
*Stumpfsinnig ist vielleicht zu viel des Guten, eher relativ anspruchslos, wenn Qualifikationen mit in Betracht gezogen werden. Von anderer Seite und unter anderen Umständen kann diese Tätigkeit sogar als anspruchsvoll angesehen werden. Wie dem auch sei, in jedem Fall ist sie unter bezahlt!
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[2] Unternehmen: http://www.grosskuechen-ostharz.de/
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