Atomkraftwerkskatastrophe als Profit-GAU?
„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. 10 Prozent sicher und man kann es überall anwenden. 20 Prozent – es wird lebhaft, 50 Prozent – positiv waghalsig. Für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens!“ [1]
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
sicher fragen Sie sich, was Karl Marx mit unserem heutigen Thema zutun hat. Japan erlebt eine der schlimmsten Katastrophen. Ausgelöst durch Erdbeben und Tsunami ist es zu einer Havarie im Atomkraftwerk Fukushima gekommen. Die Reaktoren in Fukushima sind lange noch nicht unter Kontrolle und die Folgen der Katastrophe noch unübersehbar. Das menschliche Leid ist unvorstellbar. Tausende Menschen verloren ihr Leben; die genaue Zahl wird unbekannt bleiben. Ungewiss ist auch, wie viele Krankheiten und Folgeschäden Menschen davon tragen werden. Ich möchte nur an Hiroshima und Nagasaki erinnern. Noch heute sterben Menschen an den Folgen der Atombomberabwürfe im August 1945. Oder nehmen wir Tschernobyl. Und solche Katastrophen können unterschiedliche Ursachen haben: Naturkatastrophen, Bedienungs- und Materialfehler und menschliches Versagen. Wie groß ist die Anzahl ähnlicher Katastrophen, an denen die Menschheit hart vorbei geschlittert ist?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was sagen Sie unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan zu folgende Zeilen:
»Eigentlich kann einem Atomkonzern nichts schlimmeres passieren als ein Tschernobyl oder ein Fukushima: Die Börsenkurse des französischen Konzerns Areva sanken in den letzten Wochen, Aufträge wurden abgesagt und Stimmung gegen die Atomlobby gemacht. Doch von Depression keine Spur: Der Konzern hält schon wieder Ausschau nach neuen Geschäftspartnern und die Areva-Chefin wird als Retterin gefeiert….. Das französische Netzwerk »Atomausstieg« wirft dem Konzern vor, offiziell den Helfer bei der Eindämmung der Atom-Katastrophe in Japan zu spielen – intern jedoch bereits zu analysieren, wie sich die zukünftigen Geschäfte entwickeln könnten. Die französischen Atomkraftgegner sprechen deshalb von »Zynismus«« [2]
Für die Konzernriesen ist die Katastrophe in Japan ( und jede andere auch) doch nichts weiter als ein Profit-GAU. Die Wirtschaft hat Katastrophen in Japan ( und anderswo) nichts gelernt. Der Profitausfall ist den Managern sehr viel schlimmer als alles Leid der Menschen, die von Katastrophen betroffen sind. Profit ist das eigentliche Heiligtum des Konzerns.
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