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Atomkraftwerkskatastrophe als Profit-GAU?
Dieser Eintrag stammt von kucaf Am 7.4.2011 @ 19:13 In Gastbeiträge, Allgemein | 1 Kommentar
Atomkraftwerkskatastrophe als Profit-GAU?
„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. 10 Prozent sicher und man kann es überall anwenden. 20 Prozent – es wird lebhaft, 50 Prozent – positiv waghalsig. Für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens!“ [1] [1]
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
sicher fragen Sie sich, was Karl Marx mit unserem heutigen Thema zutun hat. Japan erlebt eine der schlimmsten Katastrophen. Ausgelöst durch Erdbeben und Tsunami ist es zu einer Havarie im Atomkraftwerk Fukushima gekommen. Die Reaktoren in Fukushima sind lange noch nicht unter Kontrolle und die Folgen der Katastrophe noch unübersehbar. Das menschliche Leid ist unvorstellbar. Tausende Menschen verloren ihr Leben; die genaue Zahl wird unbekannt bleiben. Ungewiss ist auch, wie viele Krankheiten und Folgeschäden Menschen davon tragen werden. Ich möchte nur an Hiroshima und Nagasaki erinnern. Noch heute sterben Menschen an den Folgen der Atombomberabwürfe im August 1945. Oder nehmen wir Tschernobyl. Und solche Katastrophen können unterschiedliche Ursachen haben: Naturkatastrophen, Bedienungs- und Materialfehler und menschliches Versagen. Wie groß ist die Anzahl ähnlicher Katastrophen, an denen die Menschheit hart vorbei geschlittert ist?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was sagen Sie unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan zu folgende Zeilen:
»Eigentlich kann einem Atomkonzern nichts schlimmeres passieren als ein Tschernobyl oder ein Fukushima: Die Börsenkurse des französischen Konzerns Areva sanken in den letzten Wochen, Aufträge wurden abgesagt und Stimmung gegen die Atomlobby gemacht. Doch von Depression keine Spur: Der Konzern hält schon wieder Ausschau nach neuen Geschäftspartnern und die Areva-Chefin wird als Retterin gefeiert….. Das französische Netzwerk »Atomausstieg« wirft dem Konzern vor, offiziell den Helfer bei der Eindämmung der Atom-Katastrophe in Japan zu spielen - intern jedoch bereits zu analysieren, wie sich die zukünftigen Geschäfte entwickeln könnten. Die französischen Atomkraftgegner sprechen deshalb von »Zynismus«« [2]
Für die Konzernriesen ist die Katastrophe in Japan ( und jede andere auch) doch nichts weiter als ein Profit-GAU. Die Wirtschaft hat Katastrophen in Japan ( und anderswo) nichts gelernt. Der Profitausfall ist den Managern sehr viel schlimmer als alles Leid der Menschen, die von Katastrophen betroffen sind. Profit ist das eigentliche Heiligtum des Konzerns.
»WIESBADEN. Der Energiekonzern RWE geht juristisch gegen die vorübergehende Abschaltung seines Atomreaktors Biblis A in Südhessen vor. Gestern reichte RWE eine Klageschrift gegen das Land Hessen beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein.
Für eine Betriebseinstellung fehle die rechtliche Grundlage, erklärte RWE. Der Konzern wolle die Interessen seiner Aktionäre wahren. Mit dem für drei Monate im Rahmen des Atom-Moratoriums der Bundesregierung verfügten Stillstand von Biblis A entgehen RWE Millionenbeträge. Der Konzern hatte den juristischen Schritt am Donnerstagabend bereits angekündigt.
Die Bundesregierung hatte die Stilllegung der sieben ältesten AKW mit Verweis auf Paragraf 19, Absatz 3 des Atomgesetzes angeordnet. Danach kann die Stilllegung eines Kernkraftwerks verlangt werden, wenn Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sachgüter bestehen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Anwendung des Paragrafen mit einer vorsorgenden Maßnahme nach dem Atomunglück in Japan begründet.« [3]
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
dies ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Jeder von uns weiß, was unter Katastrophen-Tourismus zu verstehen ist. Der Kapitalismus setzt noch eins drauf: Es gibt sogenannte Butterfahrten, sprich Busfahrten nach Tschernobyl zum Atomsarkophag. Das ganze ist doch makaber - oder doch nicht? Mir klingt dies wie die Verhöhnung der durch die Katastrophe Betroffenen. Da werden Ereignisse zu Profitzwecken genutzt, durch die Menschen um Leib und Leben, um die Gesundheit bzw. um Hab und Gut gebracht wurden. Haben diese Touristen kein Schamgefühl? An solchen Reisen möchte ich nicht teilnehmen, bei denen Touristen nur mitmachen, um ihre Neugier am Unglück von Menschen zu weiden und zu stillen.
» Für Extremtouristen der besonderen Art bietet unter anderem die ukrainische Reiseagentur Hamalia Tagesausflüge nach Tschernobyl an. Von der Hauptstadt Kiew geht es per Bus nach Nordwesten in die kontaminierte Zone, in der die wenigen Menschen nur noch mit Tourismus ihren Lebensunterhalt sichern können.« [4]
Ich mag gar nicht daran denken, wann in Fukushima die ersten Katastrophen-Touristen anreisen.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
nicht nur die Atomkraftwerke, sondern die Atomwaffen stellen eine ungeheuere Gefahr für die Menschheit dar. Seit der Entwicklung und dem Einsatz der ersten Atombombe ist es zu vielen Unfällen mit Nuklearwaffen gekommen. Das ist aber schon ein weiteres Thema. Und die Zeit der Ostermärsche steht kurz bevor.
Nicht nur für die Kernkraftwerke, sondern auch für die Kernwaffen ist ein Stresstest durchzuführen. Die Ergebnisse werden erschreckend sein:
» Die Reaktorkatastrophe in Fukushima führt uns schon wochenlang tagtäglich vor Augen, wie ohnmächtig Menschen gegenüber einer entfesselten Radioaktivität sind. Obwohl die Wahrscheinlichkeit eines Kernschmelzunfalls in hiesigen Kraftwerken um Größenordnungen geringer ist als in Japan, hat das Bewusstwerden des Risikos zu erheblichen politischen Bewegungen in Deutschland geführt.
Bisher hat jedoch kaum jemand in diesem Zusammenhang auf die weit größeren Gefahren für die Menschheit hingewiesen, die aus der Lagerung und der Wahrscheinlichkeit des Einsatzes von Atomwaffen ausgehen. Diese wurden im Unterschied zu den Kernreaktoren zielgerichtet zur radioaktiven Kontaminierung von Landschaften und radioaktiver Verstrahlung großer Menschengruppen geschaffen. Es wäre an der Zeit, auch hierfür einen »Stresstest« zur Bestimmung der Wahrscheinlichkeit einer nuklearen Katastrophe zu fordern.
In die erneut massiv zu erhebenden Forderungen nach weltweiter Abschaffung nuklearer Waffen sollte auch die mit angereichertem Uran versehene Munition westlicher und israelischer Streitkräfte einbezogen werden, die offensichtlich gerade wieder in Libyen eingesetzt wird. « [5]
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ein Leser hat den Kapitalismus in seinem Leserbrief treffend charakterisiert:
Die Menschen sind für die Industrie längst zum lästigen Stör- und Kostenfaktor geworden. Globalisierte Gewalt, Tyranneien, Verschleierungsversuche, die völlig neue Welt der Ausbeuter, der stummen Anarchie, der Eroberer, der Plünderungen, der barbarischen und tyrannischen dynamischen Kräfte - wenn die Herren dieser Wirtschaft dieser globalisierten Gewalt nicht ein baldiges Ende bereiten, wird diese Ära nicht auf Dauer bestehen. Die Grausamkeit kann schneller verbreitet werden als in den Anfängen des Industriezeitalters. Wir wissen über die neuen Technologien, über was für gigantische Möglichkeiten wir verfügen. Wir brauchen Menschen, in deren Herzen und Seelen Ethik und Moral eine tiefe Verankerung finden. Erst dann haben wir eine wirkliche Chance. [6]
Uns allen wünsche ich ein erholsames und nachdenkliches Wochenende.
Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel
QUELLEN:
[1] Quarterly Reviewer, von Karl Marx dort entnommen. Siehe Karl Marx, Das Kapital, Band I, Dietz 1955; Seite 577/Anmerkung 46; S. 580/Anmerkung 51a; S. 801/Anmerkung 250: hier das Zitat; S 892
[2] »Atom-Anne« ist zurück /Der französische Konzern Areva sieht keine Gefahr für sein Geschäft durch die Katastrophe in Japan, von Felix Werdermann und Susanne Götze, in: Neues Deutschland vom 04. April 2011
[3] RWE klagt gegen Biblis-Abschaltung/ Unternehmen hält Moratorium für rechtswidrig - Das Land Hessen will Wiederanfahren des AKW untersagen. In: Braunschweiger Zeitung vom 02. April 20011
[4] Tschernobyl-Tourismus - schreibblog.euTschernobyl-Tourismus
schreibblog.eu Home / Eintrag von Donnerstag, 9. August 2007
Hinweis: Informationen dazu sind unter dem Stichwort „Tschernobyl-Tourismus“ im Internet zu finden.
[5] Auch Stresstest für die Umwelt, Prof. Dr. Hans-Dieter Sill, Güstrow, in:. Neues Deutschland vom 05. April 2011
[6] Leser Friedhelm Sch. im Neuen Deutschland vom 13. Juni 2000
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tals/
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